Wasserkefir

Wir haben einen Hund und Sie? Wasserkefir natürlich!

Bierbrauen war gestern! Wir machen uns lieber Millionen von Bakterien zunutze und brauen uns einen probiotischen Zaubertrunk!

von Hannah McGowan
27 November 2014, 4:54pm

Magst du fermentierte Sachen? Hast du auf der Küchenzeile oft verrückte Experimente am Laufen, die du am Ende (zumindest in den meisten Fällen) selber kostest? Du hast außerdem einen grünen Daumen bzw. kannst mir versichern, dass Lebewesen, die in deine Obhut übergeben werden, nicht automatisch dem Untergang geweiht sind? Ja? Super, dann habe ich ein neues Spielzeug, eine neue kulinarische Kuriosität für dich! Das Tolle ist: Sie wirkt sogar noch tonisch!

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Zu allererst sollte ich dir aber ein paar einleitende Informationen zukommen lassen. Du hast schon mal von Probiotika gehört? Nein? Na gut, dann will ich mich mal besonders einfach ausdrücken. Probiotika sind nützliche Bakterien, die man nicht mit Präbiotika verwechseln sollte (Nahrungsgrundlage für verschiedene Darmbakterien-Arten). Probiotika leben in deinem Verdauungstrakt und sorgen unter anderem dafür, dass du deine Nahrungsmittel besser verwerten kannst.

In letzter Zeit wurde viel über das menschliche Mikrobiom gesprochen und geschrieben, also die Billionen von Bakterien, die auf und in unserem Körper leben. Man bekommt fast den Eindruck, dass jeden Tag eine neue Studie veröffentlicht wird, die uns dazu rät, dass wir mit unserer Mikrofauna doch bitte ein bisschen lieber umgehen sollten. Dazu zählt unter anderem, dass wir nur im Notfall Medikamente schlucken und gleichzeitig eine große Menge an ballaststoffreichen und fermentierten Lebensmittel zu uns nehmen.

Du magst aber keine eingelegten Sachen? (Was aber unwahrscheinlich ist, denn mal ganz ehrlich: Wer isst nicht gerne Essiggurken?) Oder du bist vielleicht laktoseintolerant? (Wenn dem so sei, dann tust du mir echt leid, denn niemand hat es verdient, ohne Käse und Eis leben zu müssen.) Magst du Kombucha? Keine Sorge, ich auch nicht.

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Doch glücklicherweise gibt es eine Alternative. Wasserkefir. Jetzt denkst du vielleicht: Moment, war Kefir nicht so eine Art Joghurt-Drink? Ja, sowas gibt's auch, aber Wasserkefir ist, wie der Name schon vermuten lässt, fermentiertes Wasser. Wasserkefir hat viele verschiedene Namen: Japankristall, Japanische Meeresalge, Tibicos oder lebende Körnchen. Und was ist es nun? Im Grunde genommen ist Wasserkefir ein SCOBY. Dieses Akronym steht für „Symbiotic Colony of Bacteria and Yeasts". Kurzum: Ein Haufen Bakterien und Hefen. Also die glibberige, lebendige Schicht, die dein Hipster-Freund in seinem Kombucha zu schwimmen hat. Auch bei den Körnern von Wasserkefir handelt es sich um SCOBY, nur dass hier ein anderer Hefen-und-Bakterien-Mix vorliegt.

Wenn dir Gärungsprozesse ein Begriff sind, wirst du mit den Herrschaften Lactobacillus und Streptokokkus bestimmt etwas anfangen können. Die Körner haben auf jeden Fall eine kristalline Struktur (weswegen wir sie ab jetzt auch Kristalle nennen wollen). Die Kristallstruktur ist dadurch zu erklären, dass die Bakterien durch eine Polysaccharid-Matrix zusammengehalten werden. Sie sind in der Regel klar oder opak und sehen aus wie kleine Blumenkohlköpfe.

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Schön und gut, denkst du, aber was zum Teufel ist nun Wasserkefir? Die Antwort: ein gegorenes Getränk, das man herstellt, indem die Wasserkefir-Kristalle zusammen mit Früchten und/oder Zucker eingelegt werden. Die Hefen und Bakterien ernähren sich von dem Zucker, lassen ihn gären und geben dabei Milch- oder Essigsäuren, Enzyme und Vitamine ab—sowie eine sehr geringe Menge an Alkohol. Auf diese Weise kannst du dir deinen eigenen köstlichen, leicht kohlensäurehaltigen, probiotischen Wunder-Trunk herstellen (Hier geht's zu deinem Wasserkefir-Rezept). Also genau das Richtige, wenn du auf Kombucha und Molkereiprodukte gut und gerne verzichten kannst—oder musst.

Übrigens gehen die Meinungen der Gelehrten auseinander, was den Ursprung von diesen kleinen Zauberkristallen betrifft. Die bekannteste Theorie besagt, dass sie aus Mexiko stammen, wo sie auf der Oberfläche einer bestimmten Kakteen-Art gedeihen. Andere hingegen sind der Auffassung, dass sie aus Tibet kommen. Wer auch immer am Ende Recht hat, fest steht, dass sie dank des Internets jeder experimentierfreudigen Seele zur Verfügung stehen.

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Ich kümmere mich jetzt schon seit fast einem halben Jahr um meine Kefir-Kultur. Besonders schwierig ist das Ganze aber nicht. Du brauchst nur ein großes Glas, die Kristalle, Wasser, Zucker, Früchte und ein bisschen Geduld. Alle paar Tage greife ich zum Sieb. Ich entferne die Früchte, fülle den Kefir in eine andere Flasche, spüle die Kristalle ab und beginne von vorne. Übrigens: Jede Wasserkefir-Kultur hat ihre eigene Persönlichkeit, sie wächst und entwickelt und verändert sich in einer Tour. Und genau das macht den Spaßfaktor aus. Du könntest fast denken, du hättest ein Haustier—mit dem großen Vorteil, dass es nirgendwo in die Ecke schiffen kann. Probier es am besten einfach mal aus. Und wenn es dir zusagt, weißt du ja, bei wem du dich zu bedanken hast. Und womit. Ne? Kleiner Tipp: Vollmilch-Schokolade. Danke.