Tech

Alles ist das Web: Die zehnte Re:Publica feiert die Macht des Netzes

Im April 2007 fanden sich einige hundert Nerds, Netzaktivisten und Blogger in der Berliner Kalkscheune ein, um erstmals die re:publica-Konferenz zu begehen. Das Internet war noch eine andere Welt, WordPress hatte gerade als Neuerung für seine Blog-Autoren die Autosave-Funktion eingeführt und Facebook war noch immer ein eher US-zentriertes soziales Netzwerk, das vollkommen ohne Like-Button auskam.

Inzwischen zieht die re:publica rund 7.000 Besucher an, wird von großen Sponsoren wie IBM, Daimler und Microsoft unterstützt und bespielt über ein Dutzend Bühnen auf dem riesigen Gelände der Station Berlin. Dort halten nicht nur die üblichen Verdächtigen wie Sascha Lobo (diesmal mit dem Geburtstagsvortrag The Age of Trotzdem) eine Keynote, sondern es treten längst auch prominente Politiker wie Claudia Roth mit dem diesjährigen Eröffnungspanel oder Andrea Nahles auf, die zum Town Hall Meeting lädt.

Videos by VICE

Während das Motto „Leben im Netz”, unter dem die erste re:publica 2007 stand, heute wohl kaum jemand mehr so formulieren würde, so sind erstaunlich viele der Kern-Themen der re:publica noch heute geblieben—denn sie haben in den vergangenen Jahren rasant an gesellschaftlicher Bedeutung gewonnen. Die Diskussion um Überwachung und Datenschutz ist zur wohl wichtigsten bürgerrechtlichen Debatte geworden, während die emanzipatorische, aber auch repressive und ausgrenzende Rolle von sozialen Netzwerken und digitaler Kommunikation, nahezu jeden sozialen Diskurs beeinflusst.

Jenseits der großen politischen Diskurse finden sich in dem dreitägigen Programm und in den Workshops aber auch in diesem Jahr genug Nischenthemen, die das Nerd-Herz höher schlagen lassen und für eine große programmatische Vielfalt sorgen—das liegt nicht zuletzt an dem von der re:publica sehr offen formulierten diesjährigen Motto „net — ten”, aber auch an dem lebendigen Feedback auf das jährliche Call for Participants-System, über das jeder interessierte Teilnehmer seine Vorschläge einschicken kann. Noch etwas anderes macht die re:publica in den vergangenen Jahren richtig: Der Anteil an weiblichen Speakern und Teilnehmern liegt für eine Konferenz—und gerade für eine Tech-Veranstaltung—in rekordverdächtiger Höhe. 46 Prozent weibliche Speaker sind es in diesem Jahr.

Im Programm möchten wir euch neben den prominenten Auftritten von Edward Snowden über Peter Sunde bis Richard Senett gerne den Vortrag der brillanten Kate Crawford—die über die dringend notwendige Entwicklung einer zeitgemäßen Datenethik sprechen wird—,den verschachtelt-unterhaltsam dozierenden Pop-Strafrichter Thomas Fischer, den epischen xkdc mit seinem Thing-Explainer und ein kollektives IS-Auslach-Panel mit spannenden Experten besonders ans Herz legen.

Auch wir von Motherboard sind auf der re:publica auf insgesamt drei Panels vertreten. Am Dienstag um 15:00 präsentieren wir ein Panel zu den Panama Papers: Zusammen mit Frederik Obermaier von der Süddeutschen Zeitung und Menschenrechtsanwältin Renata Avila, die mit dem Courage Fund Whistleblower unterstützt, werden wir über Investigativ-Journalismus, das Lügenpresse-Dilemma und die Zukunft großer Datenlecks sprechen.

Außerdem wird Motherboard-Chefredakteur Max Hoppenstedt am Dienstag um 11:15 Uhr ein Panel zum Crowdworking, der Zukunft der Arbeit und den Möglichkeiten streikender Klickarbeiter moderieren. Am Dienstag um 18:00 Uhr werden wir schließlich mit dem US-Botschafter über die Bedeutung von Innovationen in Wahlkämpfen und die Unterschiede in politischer Kommunikation zwischen den USA und Deutschland diskutieren.

Die zehnte Ausgabe der re:publica findet vom 2. bis 4. Mai in Berlin statt. Das gesamte Programm findet ihr hier. Für alle Kurzentschlossenen verlosen wir hier noch zwei mal zwei Tickets für alle drei Tage. Schreibt uns einfach eine Mail an Leserbriefe@motherboard.tv. Die Gewinner werden per E-Mail benachrichtigt.

Thank for your puchase!
You have successfully purchased.