Wie homophob & frauenfeindlich war Deutschrap die letzten 16 Jahre?—Eine Studie will Aufschluss geben

Der Jugendsender Puls hat die erfolgreichsten Deutschrap-Alben der letzten 16 Jahre auf ihre diskriminierenden Texte hin analysiert—leider sagen die Daten wenig aus.

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19 Oktober 2016, 1:06pm

Wie diskriminierend ist Deutschrap? Um das herauszufinden, hat der Jugendsender Puls die Texte der jeweils fünf erfolgreichsten Alben der letzten 16 Jahre auf homophobe, frauenfeindliche, behindertenfeindliche und rassistische Wörter hin analysiert. In anschaulichen Grafiken wird gezeigt, inwiefern Rap politisch unkorrekt geblieben oder geworden ist. Das überraschende Ergebnis: „Es wird besser."

Um die Homophobie von Raptexten herauszufiltern, wurden Wörter wie „Schwuchtel", „Homo", „Schwanzlutscher" und „schwul" gezählt. Und ja, sie werden seit 16 Jahren in konstanter Häufigkeit benutzt. Dagegen erfreuen sich behindertenfeindliche Wörter wie „Spasti", „Mongo" oder „behindert" immer weniger Beliebtheit und rassistische Begriffe wie „Neger", „Nigga" oder „Kanacke" wurden und werden generell eher sparsam benutzt. Sieht in Sachen Frauenfeindlichkeit natürlich ganz anders aus. Denn diskriminierende Begriffe wie „Pussy", „Bitch", „Fotze" oder „Hure" werden nach wie vor deutlich öfter verwendet als andere.

Foto: Puls (http://www.br.de/puls/musik/so-homophob-frauenfeindlich-rassistisch-und-behindertenfeindlich-ist-deutschrap-100.html)

Der bayerische Sender schlussfolgert aus seinen Daten, dass in Deutschrap-Songs über die Jahre immer weniger diskriminiert wird. Allerdings wendet er ein, dass seine kontextlose Wort-Analyse nicht wirklich etwas über die Einstellung der Deutschrapper aussagt. 2001 etwa war anscheinend ein besonders homophobes Jahr, was dem Fettes Brot-Song „Schwule Mädchen" zu verdanken ist—der „schwul" aber gar nicht abwertend benutzt. Ein weiteres Problem: Pro Jahr wurden nur fünf Alben gezählt. Wenn also Kollegah und Farid Bang auf ihrem 2013er Kollaboalbum Jung, Brutal, Gutaussehend 2 besonders viele frauenfeindliche Begriffe benutzen, können die zahmeren Kollegen Prinz Pi, Casper, Alligatoah und Genetikk noch so sehr auf ihre Wortwahl achten, der Ausreißer ist trotzdem da. Im Endeffekt hängen die Grafiken viel zu stark davon ab, wie viele Pop-Rapper oder Gangsta-Rapper es in die Top-Fünf geschafft haben. Daraus auf einen generellen Trend eines Genres zu schließen: schwierig. Die Analyse hätte wesentlich mehr Aussagekraft, würde man nicht nur fünf, sondern zehn oder sogar 20 Alben pro Jahr einbeziehen. Aber da die versammelte deutsche Rapmedienwelt derzeit sowieso sehr auf Zahlen, Fakten, Trends und Grafiken zu stehen scheint, wird es wahrscheinlich nicht lange dauern, bis auch hier ein etwas aussagekräftigeres Update kommt. 

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