So sehen die Touristen aus, die trotz Warnung weiterhin nach Ägypten reisen

Sanne Zurné

Früher war die Sharm el-Sheikh ein beliebtes Urlaubsziel. Das änderte sich schlagartig mit dem Flugzeugabsturz. Einige Urlauber lassen sich davon aber nicht beirren.

Innerhalb eines Jahres nach dem durch den IS verursachten Absturz des russischen Passagierflugzeugs Metrojet 9268 verwandelte sich der einstmals beliebte ägyptische Küstenort Sharm el-Sheikh in eine Geisterstadt. Fast alle europäischen Fluglinien strichen ihre Verbindungen dorthin. Als Folge blieben Hotels und Strände leer und viele Souvenirläden gingen pleite.

Mehr als ein Jahr nach der Tragödie vom 31. Oktober 2015 warnen die meisten europäischen Regierungen immer noch von einer Reise nach Sharm el-Sheikh. Immerhin wurde der Flugverkehr in die Region wieder aufgenommen—nur in Großbritannien und Russland weigert man sich noch, die Flugfreigabe zu geben.

Die Fotografin Sanne Zurné ist nach Sharm el-Sheikh geflogen, um herauszufinden, welche Touristen den Weg zurück in die dortigen Resorts gefunden haben. Die wenigen Menschen, die Sanne antraf, waren alle ziemlich glücklich darüber, keine Probleme bei der Strandliegesuche zu haben. Das Auftragen von ausreichend Sonnencreme breitete ihnen fast am meisten Sorgen.

LENA UND MARA AUS DER UKRAINE

Lena: Ich mache jetzt schon seit Jahren zusammen mit meiner Tochter hier Urlaub, aber jetzt ist alles anders. Unser Hotel ist leer. Gestern Abend hatten wir das Buffet—abgesehen von drei anderen Gästen—für uns alleine. Das Ganze ist zwar etwas langweilig, hat aber auch Vorteile: Wir müssen uns nicht mit anderen Urlaubern rumschlagen und zahlen außerdem nur die Hälfte. Wir kommen aus der Ukraine, wo tatsächlich Krieg herrscht. Das ist hier definitiv nicht der Fall. Ich genieße die außergewöhnliche Situation jetzt noch so lange wie möglich, denn irgendwann werden die Touristen zurückkommen. Entweder das, oder die ganze Stadt geht pleite. Dann müssen wir uns ein neues Urlaubsziel suchen.

Susi aus Österreich

Susi: Mein Freund ist Ägypter und deswegen komme ich dreimal pro Jahr nach Sharm el-Sheikh, um ihn zu besuchen. Ein abgestürztes Flugzeug kann mich da nicht aufhalten. Natürlich besteht ein gewisses Risiko, aber das ist in Europa oder in der Türkei doch genauso. Jedes Mal, wenn ich wieder hierher komme, ist die Lage in der Stadt schlimmer geworden. Es gibt kein Geld mehr. Mein Freund besitzt einen Souvenirladen und hofft deswegen, dass bald wieder alles normal ist. Und ich versuche, ihm in der Zwischenzeit so gut es geht zu helfen: Bei mir zu Hause liegen schon gut 200 Sonnenbrillen rum, die ich hier gekauft habe.

Kevin und Jan aus Deutschland

Jan: Eigentlich wollen wir nach Malta, aber das war dann zu teuer.
Kevin: Wir haben auch überlegt, in die Türkei zu fliegen, hielten das dann aber für noch gefährlicher.
Jan: Unsere Eltern machen sich Sorgen und wollen, dass wir uns bei der Botschaft melden. Das finden wir aber übertrieben. Eigentlich ist es eher nervig, dass keine anderen Touristen hier sind, weil die Verkäufer dann nur uns ihren Scheiß andrehen wollen.

Giorgo und Paula aus Italien

Paula: Wir verbringen jeden Winter hier in unserer Wohnung im Stadtzentrum. Ab und an verbringen wir aber auch mal eine Woche in einem Hotel, um die Annehmlichkeiten und den Luxus zu genießen. Derzeit wohnen wir zum Beispiel in einem wunderschönen Resort direkt am Meer. Und da quasi keine anderen Touristen unterwegs sind, haben wir den ganzen Strand für uns allein.
Giorgo: Wir kommen schon seit Jahren hierher und sind uns deshalb auch der derzeitigen Situation bewusst. Wir wissen, dass hier alles OK ist—die Presse hat eben nur sehr negativ über alles berichtet. Meiner Meinung nach ist es keine Frage der Sicherheit, sondern der politischen Ansichten, wenn man nicht hierher kommen will.

Alan und Christine aus Großbritannien

Christine: Die Leute zu Hause halten uns für verrückt, aber wir haben keine Angst. Das Risiko, dass wirklich etwas passiert, ist sehr gering.
Alan: Es ist derzeit halt bloß schwierig, nach Sharm el-Sheikh zu kommen. Keine britische Fluglinie fliegt mehr direkt hierhin. Deswegen müssen wir in Kairo umsteigen. Zum Glück sind wir schon im Ruhestand und haben alle Zeit der Welt. Wir machen hier schon seit 14 Jahren Urlaub und sind immer wieder total glücklich. Auch als wir damals während der Revolution hier waren, hatten wir keine Probleme—obwohl wir immer das öffentliche Busnetz nutzen. Das macht nämlich richtig viel Spaß.
Christine: Darin liegt meiner Meinung nach auch die viel größere Gefahr. In Ägypten gibt es nämlich viele Verkehrsunfälle.
Alan: Und das Wetter. Man muss hier immer viel trinken, um nicht zu dehydrieren.

Morenyta aus Italien

Morenyta: Terroristen? Wo? In Italien haben wir die Mafia und ich sehe da keine großen Unterschiede. Ich komme jetzt schon seit sechs Jahren immer wieder hierher und bin immer alleine unterwegs. Passiert ist mir noch nichts. Ich gehe einfach jeden Tag um 9 Uhr an den Strand, öle mich ein und lege mich in die Sonne. OK, das könnte ich zwar auch in Italien machen, aber hier habe ich eine Sonnen-Garantie. Außerdem bin ich auf der Suche nach einem ägyptischen Beziehungspartner. Und damit meine ich jetzt keinen Toy Boy, der nur auf mein Geld aus ist. Nein, ich rede hier von wahrer Liebe. Als Frau aus dem Westen habe ich es hier natürlich schwer, aber ich gebe nicht auf.

Bintou aus den USA

Bintou: Es ist schon immer mein Traum gewesen, die Pyramiden zu sehen. Ich feiere heute meinen 20. Geburtstag und die Reise ist quasi mein Geschenk an mich selbst. Beim Buchen habe ich mir noch keine Sorgen gemacht, aber dann fing mein soziales Umfeld damit, mich zu warnen und über mögliche Gefahren zu sprechen. Irgendwann habe ich das aber einfach ausgeblendet und jetzt weiß ich, dass ich hier vor nichts Angst haben muss. Meine Eltern muss ich aber trotzdem noch zweimal täglich anrufen, damit sie wissen, dass es mir gut geht.

Igor aus Russland

Igor: Für Russen ist dieser Ort das Paradies: Hier ist es warm, exotisch und günstig. Ich bin mit einem Kollegen unterwegs und wir haben unseren Urlaub sogar spontan um eine Woche verlängert. Meine Familie macht sich schon ein wenig Sorgen, denn der Flugzeugabsturz hat in Russland natürlich für große Bestürzung gesorgt. Die Politik spielt hier aber auch eine große Rolle. Ich glaube, Putin will seine Landsleute in Russland halten, weil viel Geld in Touristenorte wie etwa die Halbinsel Krim oder Sotschi investiert wurde. Aufgrund dieser wirtschaftlichen Interessen wird es meiner Meinung nach wohl noch eine Weile dauern, bis russische Fluglinien Sharm el-Sheikh wieder ansteuern. Ich werde hier jedoch so schnell wie möglich wieder Urlaub machen.

Katrina aus der Ukraine

Katrina: Mein Freund und ich wollten unbedingt einen Strandurlaub machen. Sharm el-Sheikh hat und direkt angesprochen und hier ist es derzeit auch richtig günstig. Ich arbeite in einem Reisebüro und konnte die Situation deswegen ganz gut einschätzen. Der Flugzeugabsturz ist jetzt schon über ein Jahr her und seitdem ist hier nichts Ähnliches mehr passiert. Von der Ukraine aus gibt es immer noch Direktflüge nach Sharm el-Sheikh. Wo liegt also das Problem? Ich habe keine Angst, schließlich komme ich selbst aus einem Kriegsgebiet.

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