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Reisen

Letzte Grüße aus Kabul

Der Titel des Artikels stimmt nicht - wir sind genau genommen schon aus Kabul abgereist. Jetzt, da wir das Einzugsgebiet der afghanischen Geheimpolizei verlassen haben, wollen wir ein paar Dinge loswerden.
20 Juli 2011, 9:45am

Der Titel des Artikels stimmt nicht unbedingt - wir sind genau genommen schon aus Kabul abgereist und machen uns gerade auf den langen Weg nach Hause. Aber jetzt, da wir den afghanischen Luftraum und das Einzugsgebiet der afghanischen Geheimpolizei verlassen haben, wollen wir ein paar Dinge loswerden.

Alles Lügen!

Über alle möglichen Dinge, die in Afghanistan passieren, wird nicht berichtet. Die Polizei blockiert die Schauplätze von Bombenanschlägen, veröffentlicht fingierte Statistiken und droht herumschnüffelnden Journalisten an, sie einzusperren. Am 30. Juni wurde eine Bombe in einem Picknickkorb beim Transportministerium abgestellt. Es wurden um die zwölf Polizisten getötet. Das wissen wir, weil wir vorbei gefahren sind und als wir ausstiegen, um Fotos zu machen, wurde uns Haft angedroht. Wir wurden in unser Taxi zurückgedrängt, aber glücklicherweise setze uns der Fahrer im Laufe des Tages über die Details ins Bild.

Wenn ein Internationaler stirbt, wird darüber berichtet, aber wenn es nur einen weiteren einheimischen Polizisten erwischt, dann versuchen sie, es unter den alten afghanischen Teppich zu kehren. Das NDS (National Directorate of Security, die bereits erwähnte afghanische Geheimpolizei) schüchtert Journalisten ein, damit sie etwas falsches berichten. Und wenn du ein hier lebender und arbeitender Journalist wärst, dann wärst du eingeschüchtert. Jeder hat Angst vor dem NDS.

Die Taliban sind gar nicht so böse.

Ohne sie wäre die Welt ein besserer Ort, aber den Taliban wird die Schuld für einige Dinge in Afghanistan gegeben, die sie gar nicht getan haben. Am 27. Juni wurde ihnen ein Autobombenanschlag auf ein Krankenhaus in der Logar Provinz angehängt, durch den 38 Menschen ums Leben kamen. Und vielleicht waren sie es auch, aber in Kabul herrscht die Meinung vor, dass es keinen Sinn ergibt, dass die Taliban ein Krankenhaus in die Luft sprengen würden, das sie selbst benutzen.

Was den Tod von Karzais Bruder angeht, glauben viele Leute, dass das eher die Mudschaheddin als die Taliban waren. Aber die Mächtigen wollen nicht, dass du glaubst, Afghanistan ist komplett in gegnerische Milizen, Stämme und Armeen zersplittert. Es ist bequem für die Regierung und die USA, die Taliban für alles, was in Afghanistan hochgeht, zu beschuldigen. Es stehen ganz schön viele Gefühle und Gedanken auf dem Spiel.

Die Taliban haben wenigstens den Verkehr hier im Griff. Die heutige Verkehrspolizei ist nicht unbedingt gut darin, den Verkehr unter Kontrolle zu halten.

Ein Poster von Präsident Karzai hängt am Ghazi Stadion, wo die Taliban früher öffentliche Hinrichtungen abgehalten haben.

Karzai ist high.

Ja, sogar die Ziegen auf den Straßen wissen das. Der afghanische Präsident ist ein Kiffer. Vielleicht zieht er nur hin und wieder mal nach dem Essen an einem Joint, aber nichtsdestoweniger sagt jeder in Kabul, dass Karzai Hasch raucht.

Liebe Hippies, die denken, dass es großartig wäre, wenn alle führenden Weltpolitiker zusammen was rauchen würden: dieser Mann ist ein perfektes Beispiel dafür, wie es wäre, wenn sie das wirklich tun würden.

Danke für's Lesen.