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„Zurück in euer Drecksgriechenland“: Griechisches Restaurant bekommt Hetzbrief

Dass das Restaurant seit 31 Jahren in Düsseldorf ansässig ist, hat den anonymen Schreiber nicht interessiert—schließlich sind alle Griechen Erpresser.

von Matern Boeselager
04 März 2015, 10:14am

Gestern veröffentlichte das griechische Restaurant „Platon" in Düsseldorf auf seiner Facebook-Seite diesen anonymen Brief:

Die Betreiber des Restaurants fanden das gar nicht witzig. In ihrer Antwort auf den „feigen ungebildeten Mitbürger" weisen sie darauf hin, dass sie das Restaurant seit 31 Jahren führen, damit Arbeitsplätze geschaffen haben und Steuern zahlen. „Es ist nur schade sich nach 31 Jahren unwillkommen zu fühlen", schreiben die Betreiber, und dass sie sich freuen, wenn „Freunde der Griechen ... gemeinsam gegen das Hetzen [gegen] Griechen sprechen."

Die Ausdrucksweise und vor allem die Zeichensetzung des Briefes, der sich im Grunde liest wie ein ausgedruckter Facebook-Kommentar, lässt nicht unbedingt auf einen besonders intelligenten Menschen schließen. Gleichzeitig scheint der Brief aber durchaus ernstgemeint zu sein—der Verfasser scheint wirklich zu glauben, dass alle Griechen eigentlich nichts lieber tun, als die „Scheißdeutschen" nach Strich und Faden auszunehmen. Selbst wenn sie seit 31 Jahren ein Restaurant in Düsseldorf betreiben.

Wie kommt jemand auf solche Ideen? Für manche Beobachter steht der Schuldige fest:

Tatsächlich konnte man in der Bild in den letzten Jahren immer wieder von den „gierigen" oder den „Pleite-Griechen" lesen, die nur an unser deutsches Geld wollen, dazu gab es mehrere Artikel, darüber wie gut es den Griechen eigentlich geht. Auch wenn die Bild behauptet, bei ihrer Kampagne handle es sich nur um eine klare Positionierung gegen weitere Finanzhilfen: Man kann niemandem guten Gewissens den Vorwurf machen, er hätte die Berichterstattung falsch verstanden, wenn er die Griechen nach der Bild-Lektüre für ein faules Schmarotzervolk hält, das sich am liebsten von den fleißigen Deutschen aushalten lassen würde. Im Grunde also genau das Bild, das der Brief oben vermittelt.

Weil nicht alle das lustig finden, hat es bereits Aufrufe gegeben, die Bild wegen Volksverhetzung anzuzeigen. Damals erklärte uns der Anwalt Udo Vetter, das ginge schon deshalb nicht, weil sich die Schlagzeilen der Bild ja auf die Griechen in Griechenland und nicht die hier lebenden Griechen bezöge. Dieser Brief könnte ein Indiz sein, dass die Anti-Griechen-Stimmung sich langsam auch auf die in Deutschland lebenden Griechen auswirkt.