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Vice Blog

Ein toter Fetischist kann kein Geld ausgeben

In London gibt es ein Geschäft, das Fettered Pleasures heißt und ein Paradies für Latex- und SM Fans ist. Trotz seinem Ruf, als größter Hardcore Fetischladen in ganz London, wird die Verkaufsfläche von einem...
10.9.10

In London gibt es ein Geschäft, das Fettered Pleasures heißt und ein Paradies für Latex- und SM Fans ist. Trotz seinem Ruf, als größter Hardcore Fetischladen in ganz London, wird die Verkaufsfläche von einem Musikschranz wie „9pm(´till I come)“ von ATB beschallt. Nach Lust und Laune kann man  aber all das schöne Equipment anprobieren, vorausgesetzt dass man unter seinen nackten Arsch etwas drunterlegt und hinterher alles mit Talkumpuder und Küchentüchern wieder sauber macht.

Also habe ich im Laden vorbei geschaut um dem Landebesitzer Andi mal Hallo zu sagen.

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Vice: Hallo Andy. Wie fühlt sich das an, den größten Hardcore-Fetischladen in ganz London zu besitzen?

Andy: Harmlos. Mein Leben ist ziemlich langweilig. Ich lebe in einer Vorstadt. Habe eine Deutsche Dogge namens Bryn. Mein Leben unterscheidet sich wirklich sehr von meiner Arbeit.

Wie ist die heutige Szene in London?

Sie ist etwas flach zu dieser Jahreszeit. Und sie ist nicht mehr so groß wie sie mal war. Die Mode und die Launen der Menschen ändern sich. Es gibt nicht mehr so viele Partys wie zum Beispiel noch vor fünf Jahren, etwas, dass mit der Wirtschaft zusammenhängt. Aber London ist immer noch ein großes Drehkreuz für die Fetisch Szene, denn viele Leute kommen zu unseren Partys aus ganz Europa. Außerdem sind wir nur zwei Stunden von Paris entfernt. Die Menschen kommen also die ganze Zeit.

Fettered Pleasures macht mehr als nur Klamottendesigns, oder?

Ja. Neben der Kleidung entwerfen wir Equipment, Möbel, Zwinger. Wir haben unser Geschäft durch Mundpropaganda und unseren guten Ruf aufgebaut. Wir brauchen nicht viel Werbung. Zu manchen Zeiten haben wir Bestellungen im Wert über 100.000 Pfund. Wir nehmen Bestellungen aus aller Welt auf. und versenden unsere Produkte international, bis nach Australien. Heute haben wir zum Beispiel unsere Bestellung nach Japan und Belgien abgeliefert. Und das ist nur der Durchschnitt. Ein ganz gewöhnlicher Tag.

Fetisch ist ein teueres Hobby. Ich meine die meisten Möbel kosten eine Menge Geld und wenn jemand in einer kleinen Wohnung lebt, wo soll er dann auch das Ding verstauen?

Das ist einer der Gründe, warum wir nicht mehr so viele Möbel herstellen. Die meisten Menschen haben kein separates Zimmer, wo sie das verstecken können. Viele unserer Kunden sind Familienmenschen mit Kindern. Also müssen sie diskret sein. Also haben wir Vieles, was im oberen Schrankfach aufbewahrt werden kann.

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Ich habe gehört, dass du Liebesschaukeln verkaufst. Kann man die auch zusammenklappen?

Ja, für sie gibt es eine Tasche, in die man sie buchstäblich zusammenrollen kann. Du kannst damit spazieren gehen. Wir haben sogar Kunden, die die Schaukel im Kofferraum ihres Autos liegen haben. Für den Fall der Fälle.

Ergonomische Erotik. Kannst du mir etwas über die Latex Bettwäsche erzählen?

Die Bettwäsche ist unwahrscheinlich sinnlich und etwas schwitzig. Aber wenn sie aufgespannt und aufgewärmt ist, fühlt sie sich wie Seide an. Es geht um ihre Beschaffenheit und den Geruch. Der Geruch ist sehr, sehr sexy.

Wie passt Hardcore-Fetisch in unsere von Sicherheit besessene Welt?

Wir sind gut versichert. Klopf auf Holz, dass weiterhin nichts passiert.

Es muss schwierig sein, wenn man bedenkt, dass das meiste Equipment für gefährliche Zwecke gedacht ist.

Alles ist gefährlich. Selbst wenn du dir einen Strick im Gartencenter kaufst, kann er gefährlich sein. Das gleiche gilt für das Equipment. Es ist nicht gefährlich, wenn du weißt, wie du es benutzen sollst. Alles was wir produzieren ist mit Sicherheitshinweisen versehen. Es ist unsere Priorität. Denn ein toter Fetischist bringt kein Geld ein. Aber unsere Kunden gehen gewissenhaft damit um.

Du bist der Gewinner des bemerkenswerten Charity Erotic Awards (Andy bekam einen goldenen Penis mit kleinen Flügeln dran).

Wir haben den Award gewonnen, weil wir den innovativsten Laden haben. In den letzten fünf Jahren wurden wir sogar in der Time Out als einer der besten Läden in London ausgezeichnet. Aus hunderten Läden wurden wir auf den dritten Platz gewählt, ich glaube Harrods war auf Platz eins.

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Ihr sollt euch zusammenschließen. Wenn ein Newcomer zu euch in den Laden kommt, was würdet ihr ihm für den Anfang empfehlen?

Jeder hat seine eigenen Perversionen und jeder hat verschiedene erogene Zonen. Alle Menschen sind verschieden. Wir haben die größte Sammlung an Masken auf der ganzen Welt. Jetzt kannst du alleine 80 Masken im Schaufenster sehen. Das alles ist übrigens Leder. Wir produzieren auch Lycra, Latex und Neoprenmasken. Damit könnte man ruhig anfangen. Aber manche Menschen bekommen Klaustrophobie. Wir verkaufen sie an Homos, Heteros, Prärchen, Singles, an jedem zwischen 18 und 83. (So alt war der älteste Kunde, aber er ist neulich verstorben). Hängt von der Experimentierlust ab.

Welchen Trend würdest du empfehlen?

Probiert was mit Strom aus. Wenn Menschen damit anfangen, verspüren sie Glücksgefühle, weil man mit dem Strom verschiedene Körperteile erreichen kann. Der Strom sendet Impulse in den Körper und füllt sich so an, als ob man penetriert oder durchgenommen wird. Man fühlt die Sinneslust. Züchtigung ist auch so ein Englisches Ding. Nirgendwo sonst stehen Menschen mehr darauf, als hier. Ich glaube, sie wollen sich wie in der Schule fühlen. Böse sein und dafür bestraft werden.

Bei Youtube habe ich gesehen, wie Menschen dadurch angeturnt werden, wenn sie ihren Ganzkörpersuit aufblasen. Ich verstehe das nicht.

Es geht um die Luft, die hereingelassen wird. Teilweise um den Druck in der Maske, der gegen die Haut presst. Es ist wie beim Bondage-Effekt. Manche nennen das zweite Haut, weil sich Latex wie ein Teil von dir anfühlt. Wenn man Gleitmittel drunter packt, dann fühlt sich das sehr glitschig an und es wärmt sich auch sehr schnell auf die Körpertemperatur auf, was auch ziemlich geil ist. Bei der aufblasbaren Maske geht es hauptsächlich um den Druck, der auf das Gesicht ausgeübt wird. Und auch den Soundeffekt. Davon kann man sogar einen Trip bekommen, wie von einem Joint. Man kriegt dieses „aus-dem-Körper-sein- Gefühl.“

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Was glaubst du, warum manche Menschen davor Angst haben?

Es geht um das Gesamtbild. Es reicht nur ein Zeitungsausschnitt, der zum Beispiel über Max Mosley und die ganze Nazigeschichte berichtet. Es ist wie mit der Prostitution: es hat sie immer gegeben und immer wurde sie als ein schmutziges Gewerbe angesehen. Aber in Wirklichkeit ist es gar nicht so. Nicht jeder will es immer in der Missionarstellung machen und danach schnell auf die Seite rollen und einschlafen. Man kann mehr Spaß beim Sex haben, als nur für drei Minuten. Das Psychodrama mit dem elektrischen Schwert ist echt gut. Die ausgehenden Vibrationen fühlen sich so an, als würde man die Haut mit dem Messer aufschneiden.

Danke für die Führung durch die Fetischwelt.

War mir eine Freude Emily. Danke fürs vorbeischauen.

Fotos:Henry Lanston