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Vice Blog

Das Sklaven-Update

Vor etwa einem Jahr, als ich noch in einem Drecksloch in Südlondon gewohnt habe, besaßen meine Hausbesetzerkollegen für kurze Zeit einen Sklaven. Wir sind über seine persönliche Anzeige auf Gumtree.com auf ihn gesto...
17.9.10

Vor etwa einem Jahr, als ich noch in einem Drecksloch in Südlondon gewohnt habe, besaßen meine Hausbesetzerkollegen für kurze Zeit einen Sklaven. Wir sind über seine persönliche Anzeige auf Gumtree.com auf ihn gestoßen: "Arbeitssklave giert nach einem dominanten misshandelnden Meister," stand da glaube ich drin.

Für den Rest der Welt war unserer Sklave ein 28-jähriger Anwalt aus Nepal, aber für uns war er ein Diener. Zweimal die Woche ist er zu uns gekommen und hat die Drecksarbeit gemacht - Geschirr spülen, die VHS-Kassetten alphabetisch ordnen - als Dank dafür haben wir ihn misshandelt. Clare hat ihn mit einem ihrer diversen Leder- und Ketten-Bondagespielzeugen gepeitscht. Kerri schrie ihn in ihrem behinderten Akzent unbekannte schottische Obszönitäten zu und gelegentlich warf sie die Überbleibsel ihres Abendessens vom Fernseher aus auf seinen Rücken. Einmal brachte ich ihn dazu, meine Spucke vom Boden zu lecken. Es hat irgendwie Spaß gemacht, gleichzeitig war es aber auch etwas verstörend, wenn wir nicht gerade betrunken oder high waren. Wie es auch sei, nach zwei Monaten hat sich der Sklave nicht mehr blicken lassen, nachdem er wohl bemerkt hatte, dass wir die Situation eher belustigend als sexuell erregend fanden. Im Grunde wollte er eine Domina, keine drei Drecksäcke, die lieber America’s Next Top Model sahen, als ihn zu peinigen.
Nachdem uns der Hausputzsklave verlassen hatte, wollten ein paar meiner Genossinnen selbst Sklaven finden. Die erhaltene Macht hatte ihnen Geschmack gemacht, und sie wollten mehr. Clare hatte eine Zeit lang einen Sklaven, der sie dafür bezahlt hat, dass sie ihn in der Öffentlichkeit anschrie. Kerry hat in Ungarn einen Mann gefunden, der ihren wöchentlichen Schamanenunterricht finanzierte (wie peinlich), solange sie sich auf halbregelmäßiger Basis mit sexy Emails auf ihn einließ. Ich habe mir nie die Mühe gemacht, einen neuen Sklaven zu finden, vielleicht weil ich diese Sache namens Gewissen habe, das mich Schuld fühlen lässt, wenn ich mich anderer bemächtige. Aber wer weiß?
Letztens bin ich fast ohne eigene Kraftanstrengung an meinen zweiten Sklaven gekommen. Der Sklave und ich haben sich in einem Fetisch-Sexforum getroffen. Mein Benutzername im Forum war Slutever, und vor zwei Monaten fragte er mich, ob ich schon mal den gleichnamigen Sex-Blog gelesen hatte. Als ich ihn darüber informierte, dass tatsächlich ich der Autor sei, hat er mir gelegentlich Nachrichten geschickt und angeboten, mir "Sachen zu kaufen." Erst habe ich mich dabei unwohl gefühlt, doch nach seiner zehnten Mail, in der er mich regelrecht anflehte, mir Geschenke zu kaufen, gab ich klein bei und schickte ihm eine Liste von Büchern, die ich von Amazon wollte. Ich weiß, nicht die sexysten aller Geschenke (Ich glaube, er hat eher an Damenunterwäsche gedacht.), doch er hat mir den Gefallen getan.
Am Tag, als ich mein erstes Päckchen erhielt, verspürte ich eine beunruhigende Mischung aus Freude und Schuld. Irgendein komischer Perversling in Irland hatte mir diese Bücher gekauft und ich gab ihm nichts zurück (abgesehen von vielleicht ein oder zwei Erektionen). Ich habe das Gefühl viel mehr genossen, als ich eigentlich wollte.

Das war vor einem Monat. Jetzt habe ich beinahe jeden Tag Bücher im Briefkasten. Ein Sklave kauft mir Bücher und als Gegenleistung schicke ich ihm Fotos von mir, wie ich sie lese (und sie gelegentlich lecke, wenn er nett fragt). Es ist ziemlich leicht.

Nichtsdestotrotz sind die Dinge letztens immer seltsamer geworden. Wie schon am vorigen Tag hat der Sklave mir ein Video geschickt, wie er mich nackt auf allen vieren quasi schreiend anfleht, mir mehr Bücher kaufen zu dürfen. Er hat mir auch Fotos von sich geschickt, wo er sich BOOK BITCH in  verschiedene Körperteile geritzt hatte, genauso wie ausschweifende Mails darüber, dass ich ihn besitze. Ich kann mich nicht entscheiden, wie weit ich das noch treiben soll.

Das Problem mit dem Besitz eines Sklaven ist jedenfalls, dass man nach einer Reihe von Gratisgeschenken leicht dem Glauben verfällt, man habe diese Verhaltensweise verdient - dass dieses einseitige Verhältnis normal und okay sei. Im Grunde ist es einfach, ein Miststück zu werden. Aber ist wiederum der Sklave wirklich mein "Sklave?" Ich zwinge ihn nicht, diese Dinge zu tun. Ich sitze hier nur irgendwie apathisch herum, während er sich willig selbst verstümmelt. Solange ich ihm nichts verspreche, was ich nicht erfüllen kann und er nicht heimlich plant mich umzubringen, passt es schon, oder? Ist es falsch, von jemandem zu nehmen, der sich gerne etwas nehmen lässt? Hmm… Zur Suche nach den Antworten auf diese Fragen ist eine ganze Menge moralischer Analysen und intellektueller Kraftanstrengungen von Nöten, und gerade jetzt würde ich lieber einfach weiter Geschenke erhalten.

P.S.: Sklave, ich weiß, dass du das liest. Jetzt beweg deine Hände und Knien zum Boden und leck den Scheiß auf, du Mistkerl.