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The Grievous Sins Issue

Ein junger Druse gegen das gesamte israelische Militär

In Israel herrscht für die arabisch sprechende ethnische und religiöse Minderheit der Drusen Militärpflicht. Das findet der 17-jährige Druse, Omar Saad unfair, weil sein Volk in Israel diskriminiert wird und ihnen der Dienst im Militär keine Vorteile...

von Amira Asad
13 Mai 2013, 8:29am

Foto mit freundlicher Genehmigung von iStockphoto/rrodrickbeiler



Jeder unversehrte Israeli muss, wenn er 18 Jahre alt wird, zum Militär. Davon ausgenommen sind arabische Bürger und ultraorthodoxe Juden, nicht aber die 125.000 Drusen des Landes, eine arabisch sprechende ethnische und religiöse Minderheit, die hauptsächlich im Norden des Landes ansässig ist. Letzten Oktober verweigerte ein 17-jähriger Druse aus Galiläa namens Omar Saad den israelischen Pflichtwehrdienst. In einem offenen Brief an die Regierung schrieb er: „Viele drusische Männer haben in der israelischen Armee gedient … Aber was haben wir davon? Wir werden auf allen Ebenen diskriminiert. Unsere Dörfer sind die ärmsten, unser Land wurde konfisziert, Stadtentwicklung oder Industriegebiete gibt es bei uns nicht …“ In den Monaten seit der Brief öffentlich wurde, hat Omar nicht nachgegeben, und da sein Schulabschluss bevorsteht, dachte ich, ich ruf ihn mal an und frag ihn, wie es so läuft.

VICE: Wie ist deine momentane Situation? Bekommst du viel Ärger wegen des Briefs?
Omar Saad:
Ich habe drei Briefe erhalten. In ihrem letzten stand, die Polizei könnte mich verhaften und zur Wache mitnehmen, um die Untersuchung dort durchführen zu lassen. Normalerweise bekommen 17-Jährige, die noch keinen Einberufungsbefehl haben, so etwas nicht. Ich habe noch keinen Einberufungsbefehl erhalten, denn ich bin noch keine 18.

Warum weigerst du dich, zur Armee zu gehen?
Ich bin Palästinenser und kann nicht gegen mein eigenes Volk kämpfen. Das widerspricht allem, was meine Eltern mir beigebracht haben. Vor vielen Jahren haben meine Brüder und ich uns entschieden, nicht zur Armee zu gehen. Letztes Jahr wurde das dann konkreter, da haben mich die Behörden nämlich zum ersten Mal angeschrieben.

Was hast du nach deinem Schulabschluss vor?
Ich kann nichts tun. Ich kann nicht reisen. Ich kann nicht mal studieren. Ich bin in meinem eigenen Land gefangen. Ich schätze, ich werde wohl einige Zeit im Gefängnis verbringen, und danach würde ich gern Musik studieren—vielleicht im Ausland. Ich bin Musiker, und meine Freunde und ich spielen für den Frieden und das Ende der Besetzung.

Hast du Angst davor, eingesperrt zu werden?
Es macht mich nervös. In meiner Klasse denken alle darüber nach, wie es für sie weitergeht, College oder erst einmal ein Jahr Spaß haben. Da ich in Nazareth zur Schule gehe, sind meine Geschwister und ich die einzigen Drusen in der Schule. Ich schätze, ich werde im Gefängnis enden. Das ist doch kein Ort für einen ganz normalen Typen wie mich.

 

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