Ich liebe meine offene Beziehung, aber nerv mich nicht damit

Mein Freund und ich schlafen auch mit anderen und es läuft super. Nur die Leute und ihre immer gleichen Fragen nerven.

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13 Juni 2013, 4:29pm

Ich bin in einer offenen Beziehung. Im Klartext bedeutet das: Die Person, die mich nachts löffelt, ist nicht immer mein geliebter Freund, mit dem ich seit vier Jahren zusammen bin. Was cool ist, weil du manchmal Nachrichten bekommst, in denen steht: „Gehe mit XY nach Hause. Liebe dich.“ 

So sind wir beide. Wir begannen damit, als wir eine Fernbeziehung führten, denn es schien für uns mehr Sinn zu machen, als einander zu betrügen und vorzugeben, dass Lügen eine tolle Sache ist. 

Wie auch immer. Es erwies sich als Riesenspaß und brachte uns auf eine Weise, die ich vorher nicht für möglich gehalten hatte, näher zusammen. Ich fühle mich jetzt wie ein übernatürliches Sexgenie, weil wir beide durch Herumprobieren gelernt haben, auf unsere Bedürfnisse einzugehen—sowohl in Sachen Spaßsex als auch auf den etwas langweiligeren Intimitäts-Vertrauens-Ebenen. Gelegentlich benutze ich jetzt sogar Wörter oder Redewendungen wie „Partner“ oder „Liebe machen“. Zugegeben, manchmal fühlt es sich an, als ob ich mich in einem Panflöten-Hippie-Albtraum befinde. Aber wer zum Teufel bist du? Rutger Hauer?

Mein Freund und ich üben irgendwie eine andere Art von Polyamorie aus. Überzeugter Polyamorist zu sein, bedeutet, mehrere Menschen gleichzeitig zu lieben. Aber mal ehrlich, wer hat die Zeit mehr als eine Person? Hier geht es eher darum, irgendwie verhurt sein, als Paar—ein glückliches, verhurtes Paar. Es gibt viele Probleme im offenen Beziehungsmodell, aber jede andere Form von Dating hat mindestens genauso viele. 

Eine der lästigsten Sachen, denen wir als Paar ausgesetzt sind, sind die Gespräche, die wir führen müssen, nachdem wir unsere offene Beziehung outen. Dann wollen die Leute nur noch darüber reden—die ganze Nacht. Nur Fragen und Geschichten wie: „Ich hatte einen Ex-Freund, der eine zeitlang in einer offenen Beziehung war. Sein Name ist Peter und es hat nicht funktioniert. Aber ich erzähle dir trotzdem stundenlang Geschichten darüber, wie emotional diese Zeit für ihn war ...“

Auch wenn ich auf das Liebesleben von völlig Fremden scheiße, sind hier ein paar Tipps, die du nie zu Menschen, die eine offene Beziehung führen, sagen solltest. 

„Wirst du nicht eifersüchtig?“
Die Antwort ist: Ja, natürlich. Alles, was wir jemals über Beziehungen gelernt haben, basiert auf diesem Körper-Besitz-Modell, das sich wie folgt äußert: „Mit diesem Ring bin ich dir ewig treu. Niemals wieder werde ich andere Menschen geil finden. BESONDERS dann nicht, wenn sie dazu auch noch besonders scharf sind. Nur noch mich selbst. Auch wenn wir beide alt und ekelhaft werden.“

So dauert es für gewöhnlich etwas, bis du es drauf hast, nicht in unkontrollierbare Jammeranfälle zu verfallen, wenn du mal wieder gehört hast, dass dein „Partner“ eine andere Frau bestiegen hat. Aber wenn du erklären müsstest, warum dir deine bessere Hälfte so wichtig ist, würdest du dann sagen: „Hauptsächlich, weil wir nie mit anderen rummachen“? Oder würdest du alle seine menschlichen Qualitäten aufzählen, die dich zu ihm hinziehen? Eifersucht entsteht in jeder Beziehung—in monogamen und nicht-monogamen. Und jede romantische Beziehung könnte davon profitieren, sich über Besitzgier und Unsicherheit hinwegzusetzen. Also scheiß drauf. 

„Aber funktioniert es wirklich?“
Stell dir vor, eine Freundin erzählt dir, dass sie auf traditionellem Wege einen Kerl datet und sie glücklich sind und sein Name Daniel ist, und, dass sie verknallt in ihn ist. Und dann, mitten in ihrer Anekdote darüber, was Daniel für niedliche Sachen während dem Abendessen an ihrem zweiten Jahrestag gesagt hat, sagst du: „Coole Story. Aber bist du dir sicher, dass ihr euch nicht nur selbst belügt und eure Freude nur vortäuscht? Klingt für mich so, als würdest du dich da in etwas Unwirkliches reinsteigern.“

Also, schau mal, wenn du so was sagst, dann bist du einfach nur ein Arschloch. 

„Das muss wirklich toll sein—für einen Mann. Aber ich könnte so was nicht.“
Diese Aussage ist die, die mich am meisten nervt, weil sie passiv-aggressiv ist. Mir ist bewusst, dass meine Einstellung in Hinblick auf Beziehungen verwirrend und vielleicht ein bisschen beängstigend ist (weil sie anders ist als das, was du gewohnt bist), aber ich frage dich so was nicht, um dich aus deiner Beziehung herauszubekommen. Ich frage dich auch nicht, ob du interessiert daran bist, solche Sachen auszuprobieren. Sicher, wir tun es, aber das ist nicht irgendeine Art von einem groß angelegten Bekehrungsprojekt.

Wir sind einfach ... wir machen es einfach—im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn du mit deiner herablassenden Art darüber redest und sagst, wie cool das ist, weil wir etwas anderes probieren, aber gleichzeitig sagen, dass das definitiv nichts für dich wäre, ist das einfach nur nervig. Also, hör bitte damit auf. 

„... willst du ficken?“
Das Lustige oder manchmal das Schräge daran, eine halbe Perverse zu sein, ist, dass dich einige deiner Freunde (und viele Fremde) als sicheren Stich ansehen und ihre Sexfantasien mit dir ausleben wollen. Es ist schwer, den Menschen deswegen etwas vorzuwerfen. Und ich glaube, dass ich sie nicht dafür verurteilen kann, weil ich—welch Überraschung—dazu neige, sehr viel Verständnis für diese „normwidrige“ Anmache von Menschen aufzubringen, die ich auch noch attraktiv finde. 

Auf der einen Seite gibt es diese Fremden, die vermuten, dass eine Schnecke, die sich in einer offenen Beziehung befindet, gleich mit jedem x-beliebigen Typen ins Bett steigt. Und das ist widerlich. Andererseits gibt es aber auch interessante und tiefgründige Gespräche mit Menschen über ihre Vorlieben und geheimen Interessen. Und dann gibt es da noch die, die sagen: „Hey, wäre es nicht verrückt, wenn wir es jetzt einfach alle tun würden?“ Die sind lustig. 

Abschließend kann man sagen, dass jeder, der schon mal als Single auf einer Hochzeit war, oder als Homosexueller in einem konservativen Haushalt gastierte oder eine Trennung umgeben von glücklich verliebten Freunden verlebte, weiß, dass es langweilig und einschränkend ist, auf seinen Beziehungsstatus oder seine sexuellen Vorlieben reduziert zu werden. Zumindest sorgt es für schlechte Unterhaltungen. Wenn du eine ausschweifende Unterhaltung über Beziehungspolitik führen möchtest, ist das toll. Aber ich will nicht immer darüber reden. Lade mich auf einen Kaffee ein, oder noch besser, auf etwas Alkoholisches, und wir werden dazu kommen, OK? Lass uns bis dahin lieber über die lächerliche Gesichtsbehaarung eines Typen lästern; das wird uns beiden mehr Spaß bereiten. 

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