Der Feind aller Raubkopierer scheißt auf das Urheberrecht

Der US-Kongressabgeordnete Lamar Smith will das Internet zensieren und kümmert sich auf seiner eigenen Website einen Dreck um das Urheberrecht.

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Jan. 13 2012, 12:00am

Lamar Smith ist der Kongressabgeordnete mit dem merkwürdigen Geschmack, was seine Toupetfarbe angeht, der den Stop Online Piracy Acts im US-amerikanischen Repräsentantenhaus eingebracht hat. SOPA ist, wie ihr bestimmt alle wisst, ein fragwürdiger Gesetzesentwurf, der Unternehmen und Privatpersonen viel härtere Strafen auferlegen soll, wenn sie beim Verletzen von Urheberrechten im Netz erwischt werden. Auch das unerlaubte Streamen von urheberrechtlich geschütztem Inhalt soll damit ein Tatbestand werden, für den man ins Gefängnis wandern kann. Wenn der Entwurf durchgeht, wird er letztendlich das Internet zerstören und die Welt in einen Mad Max-ähnlichen Zustand versetzen.

Ich beschloss also, mal nachzusehen, ob auf Lamars offizieller Wahlkampf-Website alles mit dem Urheberrecht übereinstimmt. Lamar verwendet einige Stockfotos auf seiner Website, von denen zwei von ein und derselben Bildagentur stammen. Ich rief bei der Agentur an, um sicherzustellen, dass er auch für die Nutzung zahlte. Ich erfuhr aber, dass es sehr schwer für die Agenturen ist, nachzuprüfen, ob jemand ihre Erlaubnis für die Verwendung der Fotos hat. (Tolle Neuigkeiten für alle Urheberrechtsverletzer!)
Berücksichtigt man aber die Tatsache, dass beide Fotos von derselben Agentur sind und kein Wasserzeichen haben, ist es wahrscheinlich, dass er der einzige Mensch im ganzen Internet ist, der für die Nutzung von Stockfotografie bezahlt (und er wäre ein Idiot, wenn er es nicht täte).

Also schaute ich mir eine frühere Version seiner Seite an–vor SOPA.

Dies ist ein Screenshot seiner Seite vom 24. Juli 2011.

Und das ist das Hintergrundbild, das Lamar verwendet hat. Es gelang mir, den Urheber des Bildes ausfindig zu machen: den Fotografen DJ Schulte, der es auch fotografiert hat.

Und siehe da: Es sieht so aus, als ob jemand vergessen hatte, ihn als Urheber zu nennen.

Ich kontaktierte DJ, um herauszufinden, ob ihn jemand um Erlaubnis gebeten hatte, das Bild verwenden zu können und er sagte mir, dass er weder von Lamar, noch von jemandem aus seiner Partei Anfragen bekommen hätte: „Vor einigen Jahren bin ich dazu übergegangen, meine Bilder nicht mehr durch das herkömmliche Urheberrecht zu schützen, sondern durch die Creative Commons-Lizenz. Grundsätzlich besagt diese, dass jeder meine Bilder verwenden kann, solange er mich als Urheber nennt und solange sie nicht für kommerzielle Zwecke eingesetzt werden. Ich kann nirgendwo auf dem Screenshot, den du mir geschickt hast, sehen, dass das Bild der Quelle–also mir– zugeschrieben wird. Ich schlussfolgere also, dass Lamar Smith mein Foto unrechtmäßig verwendet hat. Demnach könnte ich, sollte der SOPA Gesetzesentwurf durchgehen, ein Gericht darum ersuchen, gegen www.texansforlamarsmith.com rechtliche Schritte einzuleiten.

Du meine Güte. Gottseidank gibt es da draußen Leute wie Lamar, die mit neuen Gesetzen den kleinen Mann gegen Online-Urheberrechtsbetrug schützen. Hör nicht auf, für das Gute zu kämpfen, Lamar!

UPDATE:

Wir haben Lamar Smiths Büro angeschrieben und warten auf Antwort.

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