Die Werkstatt-Crew von Bagdad

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Die Werkstatt-Crew von Bagdad

Stuart Griffiths hing 2005 viel mit einem Sicherheitsteam in einer Werkstatt in Bagdad rum.
1.10.12

Im Jahr 2005 wurde ich als ehemaliger Fallschirmjäger, der nun als Fotograf arbeitet, in den Irak eingeladen. Dort hing ich mit einem Söldner-Trupp herum, der sich eine Autowerkstatt in Bagdad gebaut hatte. Diese neue Werkstatt sollte der Reparatur und Instandhaltung ihrer Fahrzeuge dienen. Die Leute hatten genug von der amerikanischen Firma KBR, die früher die einzige Autowerkstatt in Bagdad betrieb.

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2005 war das Jahr, in dem der Krieg im Irak, obwohl er eigentlich für beendet erklärt worden war, erst richtig eskalierte. Überall lauerte der Tod und die schlimmste Furcht für jeden aus dem Westen war es, in einem orangfarbenen Overall vor einer Videokamera enthauptet zu werden.

Wir kamen in der Nacht in einem schwer gepanzerten Rhino-Fahrzeug, das von US-Marines gefahren wurde, während ein Apache-Hubschrauber über uns kreiste. Die Passagiere waren größtenteils Sicherheitskräfte und UN-Mitarbeiter. Wir alle mussten einen Helm und Kevlar-Westen tragen. Ich konnte gerade noch die Landschaft erkennen: Überall war es überflutet und die einzigen Formen, die ich erkennen konnte, waren die Reflexionen der Palmen auf der Wasseroberfläche. Wir waren unterwegs auf der Route Irish zu der stark befestigten Green Zone.

Alles, was ich hatte, war die Telefonnummer meines Ansprechpartners in der Werkstatt. Ein bärtiger Mann, der wie Nick Nolte aussah, schaute mir dabei zu, wie ich mit meinem Handy herumfummelte. „Hey, ich leih dir meins, Mann“, sagte er, während er mir sein Handy gab. „Sie werden diesen Krieg nicht wie in Vietnam gewinnen.“ Als ich fragte, wen er mit „sie“ überhaupt meinte, reichte er mir eine Zigarette. „Die Medien werden diesen Krieg nicht gewinnen.“ Ich konnte das Blackwater-Logo auf seinem Polo-Shirt in seiner vollen Pracht sehen.

In der Werkstatt saß ich herum und hörte mir Geschichten vom „Circuit“ und darüber an, wie bestimmte Unternehmen einen „Superstar“-Veteran in ihren Reihen hatten. Es schien, als wenn jeder Veteran hier in Bagdad war, um Geld einzustecken. Das war der springende Punkt, der die Leute dazu brachte, sich in so ein gewalttätiges Umfeld zu begeben, wo jeder bis an die Zähne bewaffnet war. Mir wurden ein paar Fragen dazu gestellt, warum ich in Bagdad war, aber wegen meines militärischen Hintergrundes war es für einen Kerl wie mich einfach, sich unters Volk zu mischen.

Jeder war nervös. Andauernd gab es Explosionen, einen großen Knall irgendwo in Bagdads Roter Zone, in die du nur in einem gepanzerten Konvoi eindringen konntest. Ich verbrachte die meiste Zeit damit, das Leben in der Werkstatt und die Arbeiter dort, alles Briten, zu fotografieren. Ein Kerl namens Mac war der Sohn eines berühmten Söldners. Haji war wahrscheinlich der älteste—er hatte 23 Jahre lang in Nordirland gedient. Er wunderte sich darüber, dass ich da war. Die dritte Person war Dave, der aus einem noblen britischen Armee-Regiment war und den Sänger James Blunt kannte. Während einer Nacht mit einer Special Force-Einheit, die sich mit zwei Kisten Carlsberg und zwei Flaschen Bourbon versorgt hatte, wurde Dave fast aufgrund interner Rivalität verprügelt.

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Mir wurde ein Job angeboten, während ich dort war, aber ich hatte zu viel Heimweh, um das Angebot anzunehmen. Ich war dort auf eigene Faust und die Aufnahmen der Geisel Norman Kember im Fernsehen machten mich nervös. Es war ein schwieriger Ort. Am Ende bin ich abgehauen, ich verließ Bagdad kurz vor Weihnachten.

Mac in seinem Schlafzimmer, kurz vor einer Fahrt mit dem offenen Kleintransporter. „Vor so einer Fahrt musst du immer ordentlich kacken gehen“, riet er mir.

Autos wurden in der Werkstatt überholt, die auch das Zuhause der privaten Sicherheitscrew war, mit der ich lebte.

Das Innere von Posh Daves zurückhaltendem, gut versteckten und kugelsicheren Auto und seine Lieblingswaffe, eine verlässliche AK-47.

Hajis Unterwäsche, die draußen vor der Werkstatt trocknete. Unser Hausmädchen war eine einheimische Irakerin, die den ganzen Tag wusch, bügelte und kochte.

Das Team kehrt nach einer Escorte zum Flughafen aufs Gelände zurück.