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Sex

Der VICE Wrong Boner Blog

Hosenzelte, die eigentlich nicht sein sollten. Diesmal mit einer fetten Frau namens "Angel", die Rauchvideos auf YouTube postet.
28.6.12

Ja, wir leben in ziemlich seltsamen Zeiten. Und damit meine ich nicht das 21. Jahrhundert oder das "Lass uns so tun, als wär Untergang"-Jahr 2012, sondern die Monate Juni und Juli, gemeinhin bekannt als Sommer und flankiert von Outfits, die so heiß sind, dass sie eigentlich nur noch von der Temperatur in öffentlichen Verkehrsmitteln in den spärlichen Schatten gestellt werden. Der Asphalt glüht, die Riemchenschuhe sprießen und überall wabern Sexpollen durch die Luft, die einen zum willenlosen Anhängsel seines Geschlechtsorgans machen.

Und mit willenlos meine ich wirklich willenlos, inklusive aller lästigen Begleiterscheinungen, wie zum Beispiel, dass man einfach eine Latte bekommt, wenn man am Rand des Hundeparks steht, nur weil man die relaxte Afterbeschnupperung zweier Doggen zum ersten Mal irgendwie kinky findet, aber auch, dass man kein bisschen dagegen ankommt, wenn sich die Latte aus purem Pheromonmangel im Wimpernschlag einer Puffmutter wieder verzieht, obwohl man gerade das beste Menschenarschloch vorm Gesicht hat und selbst gern wie eine Dogge drauflos rammeln würde.

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Aber Sommer ist nicht nur das "Badesalz" der Erotikkannibalen, sondern auch die Hochsaison für senile Semi-Nachrichten und skurrile Nichtigkeiten, die das restliche Jahr über einfach vom Strohalm der Medien weggeschnupft und nicht mal die kleinste Spur eines Highs hinterlassen würden. Weil sich also keiner bewegt und sich nichts wirklich tut, sind die letzten Tage gekennzeichnet vom Gesinnungswandel der Ex-Nazi-Schwestern von Prussian Blue (deren Mutter übrigens die aktuelle Einstellung der beiden Mädels für eine "vorübergehende Anti-Nazi-Phase" hält, über die man sich noch nicht unbedingt Sorgen machen muss) und dem wahrscheinlich besten Live-Stream der Welt, auf dem nichts weiter zu sehen ist als sechs meistens schlafende und dabei unendlich süß vor sich hin zuckende Katzenbabys. Hier die Highlights:

Gut, immerhin hat Ägypten einen neuen Präsidenten, aber da die Wahl zwischen einem Mubarak-Intimo und einem Muslimbruder ausgetragen wurde, war das Ergebnis ganz unabhängig vom Ausgang und bereits von Anfang an nur ein übergroßes Sommerloch, in das der Penis der Revolutionsnation unentschlossen hineinschlenkerte, bevor er sich mit einer Beschneidung (wahrscheinlich der Bürgerrechte und hoffentlich auch des Militärrats) wieder zurückzog. Das Ganze macht eher sprachlos als gespannt und steht außerdem schon im letzten Wrong Boner Blog.

BACKGROUND

Das Interessanteste, das die vergangene Woche für mich persönlich parat hatte, war ein Zehenbruch, der mich derzeit vom Treiben des Sommers aussperrt wie diese Minderjährigengeschichte Roman Polanski aus den USA und an meinen Sonnenbunker fesselt, wo ich passend zur Jahreszeit völlig regungslos vor mich hindämmere und zu dem ich eigentlich nur sagen kann:

Zufällig bin ich im Zuge meiner ausgedehnten Recherchen über die Volksdroge Esoterik und ihre abkassierenden Lichtgestalten (auch das ist ein früherer Wrong Boner) über einen Engel ganz anderer Art gestolpert, der mir jetzt die Stunden des Stillstands wie die geilste EInstiegsdroge aller Zeiten erscheinen lässt.

BONER

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Wenn Langeweile das Bedürfnis nach Bedürfnissen ist, dann ist "Angel" der absolute Nullpunkt der Spaßgesellschaft. Und zwar insofern, als sie absolut nichts zu tun und scheinbar auch genauso wenig zu sagen hat, aber unglaublich gern unglaublich viel wollen würde, wie zum Beispiel eine neue Zigarette oder einen Happen vom letzten Zigarettenstummel oder einfach zwanzig Zigaretten zugleich. Angel ist nämlich ein gefallener Engel von der Sorte, der sich seine Lungenflügel an der Flamme seines BIC-Feuerzeugs verbrannt hat und seither sein irdisches Dasein als fette Frau fristet, die sich mit selbstgemachten Videos von genüsslich durchgezogenen Zigaretten an jene unbeschwerte Zeit im Himmel zurückerinnert, als es noch egal war, wie viel Nutella aus dem Glas in den Mund wanderte und sich alle männlichen Lichtwesen noch danach verzehrten, ihre Leuchtkegel von Angels verschlingendem schwarzen Schwerkraftloch verschlucken zu lassen.

Sie ist zwar rein optisch nicht so ganz mein Typ, aber aus Gründen, die mit meiner besten Schulfreundin und einer ungesunden Regression in die orale Phase zu tun haben, finde ich Rauchen seit langem ziemlich geil und könnte auch ohne Gras im Tabak allein vom Zuschauen fast kommen:

Das Ganze geht auch noch artsier, und zwar als schwarzweißes Cinéma verité, krass reduzierter Scheiß, der fast wie Sequenzen aus einem verlorenen Jacques Rivette-Film daherkommt (wobei ich mit verloren nicht unbedingt "Oh Gott, bitte helft mir alle beim Suchen", sondern eher "Ups, habe ich die Kiste mit der Bundeslade tatsächlich in diesem Lagerraum voller identischer Kisten abgestellt, ohne sie vorher zu beschriften?" meine). Schaut selber:

Das ist auf den ersten Blick vielleicht alles ein bisschen ladida, aber wenn ihr euch erst mal eine dazu angeraucht und einen dazu heruntergeholt habt, werdet ihr mit Sicherheit meine Petition unterschreiben, damit Angels ungekürztes Gesamtwerk bei der nächsten VIENNALE gezeigt wird. Schließlich entspricht ihr Bewegungsimpuls genau der Lebensenergie des heimischen Films und ihr schweigender, schlingender Körper voller Rauch ist sicherlich auch für jede Menge Metaphern (und mindestens 65 heiße Hotdogs, wuff, wuff!) gut.

Ich weiß gar nicht, was mich mehr irritiert – dass ihre Filme wirklich erstaunlich gut in jedes Festivalprogramm passen würden, das ohnehin nur Attitüdenkacker und Abspannfetischisten anzieht, oder dass ich eigentlich schon seit zwei Jahren Nichtraucher bin. Mahalo!