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Kann MDMA posttraumatische Belastungsstörungen heilen?

Soldaten, Polizeibeamten und Opfern von Sexualstraftätern, die an posttraumatischen Störungen leiden, gibt eine neue Testreihe, die demnächst in Vancouver startet, Hoffnung auf ein unbeschwertes Leben zurück.

von Dave Dean
30 April 2013, 9:35am


MDMA + Lustiger Schlüssel = Kein PTBS

Studien haben gezeigt, dass eine gelegentliche Prise Methylenedioxymethamphetamine (MDMA, du Idiot) zusammen mit Psychotherapie, die mentale Gesundheit und das Wohlbefinden von Patienten verbessern kann, die an posttraumatischen Belastungsstörungen leiden. Eine Veröffentlichung im Journal of Psychopharmacology im letzten Jahr von Michael und Ann Mithoefer (ein Psychiater bzw. eine Krankenschwester, die außerdem verheiratet sind) hat ein paar außerordentliche Ergebnisse geliefert.

Es ist wichtig klarzustellen, dass es in dieser Studie nicht darum geht, einfach ein paar MDMA-Pillen zu verschreiben. Stattdessen werden den Patienten im Verlauf der Behandlung in zwei achtstündigen Sitzungen zwei Dosen MDMA gegeben. Die Sitzungen liegen jeweils drei bis fünf Wochen auseinander. Das ganze ist eine einmalige Geschichte und für manche Patienten wird es das erste und letzte Mal sein, dass sie MDMA nehmen, aber diese drei bis vier Pillen, die sie während des achtwöchigen Zeitraums einnehmen, könnten ihr Leben für immer verbessern.

Die Studie zeigt, dass MDMA als therapeutischer Katalysator wirkt. Die Werte der Patienten für typische PTBS Symptome, wie Angstzustände, Paranoia, Alpträume und Depressionen, fielen im Durchschnitt um über 75 Prozent. Das ist mehr als ein doppelt so starker Rückgang, als bei Patienten, die die gleiche Therapie ohne Drogen durchmachten oder nur einen Placebo verabreicht bekommen hatten.

Und noch wichtiger, bei den Nachuntersuchungen, zwei Monate, nachdem sie die Behandlung erhalten hatten, wurden 83 Prozent überhaupt nicht mehr mit PTBS diagnostiziert und drei bis fünf Jahre später, waren die Vorteile noch immer vorhanden, ohne Zeichen von Langzeitfolgen, die mit MDMA assoziiert werden.

Und denk mal daran, dass standardisierte, von der Regierung zugelassene Drogen wie Zoloft oder Paroxetin nur bei 20 Prozent der Patienten effizient sind. Die MDMA gestützte Psychotherapie scheint demnach ein Durchbruch zu sein, hinter den sich sogar Oprah stellt.

Aufgrund des Erfolges der Mithoefer-Studie, werden ähnliche Versuche in der Schweiz, England, Australien und Israel durchgeführt und—gerade letzte Woche, nach zweieinhalb Jahren behördlicher Inspektionen und poltischen Behördenkrams—erreichten neun Gramm reinen MDMAs Kanada.

Ein Psychologe aus Vancouver, Dr. Andrew Feldmar wird die Versuche mit einer verhältnismäßig kleinen Testgruppe Soldaten, Polizeibeamten und Opfern von Sexualstraftätern (insgesamt 12 Personen) anfangen, die an den Folgen von PTBS leiden und denen verschiedene andere Behandlungen nicht helfen konnten.

Die Reifen durch die Dr. Feldmar springen musste, um an neun Gramm MDMA zu kommen (die er, wie er selbst zugibt, einfacher auf den Straßen von Vancouver zu finden gewesen wären) sind schon fast lustig. Zweieinhalb Jahre nachdem die Studie bewilligt wurde, fliegen noch immer Beamte aus Ottawa ein, um die Apotheke zu begutachten, in der das MDMA aufbewahrt werden wird. In einem am Boden festgenagelten Tresor, hinter bruchsicherem Glas. Wie Feldmar zur CBS sagte, „Als ob ganz Vancouver darauf gewartet hätte, dass diese Droge ankommt, um dann die Apotheke auszurauben...“

Wenn man mit Patienten arbeitet, die an PTBS leiden, gibt es drei äußerst wichtige Verbindungen die geschaffen werden müssen: Erstens muss sich der Patient im aktuellen Moment sicher fühlen. Zweitens müssen sich die Patienten in diesem Moment so sicher fühlen, dass sie schmerzhafte Erinnerungen annehmen und angemessen trauern können. Und drittens verbinden sich die Patienten durch diese beiden Schritte mit der Welt und erschaffen Mitgefühl und Vertrauen in den Therapeuten, mit dem sie kommunizieren.

Er sagt, dass MDMA den Fortschritt aller drei Ebenen der Therapie beeinflusst, parallel zu den drei wahrnehmbaren Einflüssen der Droge selbst: „Ecstasy wurde als ein Empathogen entwickelt, es steigert das Mitgefühl der Person. Wenn du mein Therapeut bist, könnte ich denken, dass hinter deinem Gesicht die Person ist, die mich verletzt hat. Ich vertraue praktisch keiner Person, aufgrund von Geschehnissen in meiner Vergangenheit. Wenn ich jetzt Ecstasy nehme, vergesse ich was passiert ist, ich kümmere mich nicht um die Zukunft, mein Herz öffnet sich und plötzlich, wenn du eine wohlwollende Person bist, werde ich das intuitiv spüren und vielleicht das erste Mal, seitdem ich traumatisiert wurde, forme ich eine Verbindung mit dir, in der ich mich sicher fühle.“

Posttraumatische Belastungsstörungen werden stereotypisch als Kriegszitterer angesehen, was Veteranen und denen, die extrem gewalttätigen Auseinandersetzungen durchmacht haben, vorbehalten war. Aber was weiter in das öffentliche Bewusstsein vordringt—und diese Studie hat das Potential diesen Effekt noch zu verstärken—ist, dass PTBS nicht nur diejenigen berührt, die Kriege, Terrorismus oder zufällige Gewalttaten durchlebt haben. Es betrifft auch diejenigen, die in Stille gelitten haben: Opfer von gewalttätigen Familien, Sexangriffen oder anderen stressigen Ereignissen, die in einer willkürlichen und oftmals gnadenlosen Welt auftreten.

Wenn die Studien weiterhin positive Resultate erbringen, würde man hoffen, dass die Droge einfacher zugänglich würde und weitere Studien vom Militär, dem Gesundheitsministerium und Geldgebern aus dem privaten Bereich finanziert werden. Egal wie tabuisiert es gerade erscheint, aber wenn MDMA verantwortungsvoll benutzt werden kann um PTBS zu behandeln und diese gnadenlose Welt für die Leidenden ein bisschen weniger brutal zu machen, dann muss Molly einfach mal mit zu einer Therapie gehören.

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