Bilder vom „Euromajdan“ in Kiew, kurz bevor er endgültig abgeräumt wurde

Der seit fast 9 Monaten besetzte Platz der Unabhängigkeit in Kiew wurde Anfang des Monats geräumt. Zuletzt hatten sich dort immer mehr zwielichtige Gestalten aufgehalten.

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Aug. 22 2014, 8:55am

Am 19. August wurden die Reste des „Euromajdan“-Protestlagers auf dem Platz der Unabhängigkeit in Kiew endgültig geräumt. Obwohl die neue Regierung ihre Macht den Ereignissen verdankt, die mit diesem Camp im November 2013 ihren Ausgang genommen hatten, war ihr der Platz in letzter Zeit ein Dorn im Auge geworden. Nach dem Abgang Janukowitschs waren die meisten Demonstranten nach Hause zurückgekehrt—zurück auf dem Platz blieben vor allem Männer, die sich vom permanenten Ausnahmezustand nicht trennen konnten.

Ich war wenige Tage vor der Räumung auf dem Platz unterwegs. Die schrecklichen Bilder von den jüngsten Protesten kannte ich nur aus den Medien, jetzt bot sich mir hier ein neues Bild. Abgesehen von harmlosen Passanten und einigen wenigen Touristen hatte ich den Eindruck, dass sich einige dubiose Gestalten in den übriggebliebenen Zeltstädten aufhielten. Die meisten waren Männer in Tarnkleidung. Manche von ihnen konnte man anhand von Flaggen einer bestimmten politischen Organisation zuordnen, andere ließen sich gar nicht zuordnen, viele sahen etwas heruntergekommen aus. Manche sammelten für Verbände des ukrainischen Militärs, das in der Ostukraine gegen die Separatisten kämpft.

Meine Freunde berichteten von nächtlichen Übergriffen und Schlägereien. Nach Einbruch der Dunkelheit vermittelte der Platz im Herzen der ukrainischen Hauptstadt mit seinen improvisierten Armeeposten, unbeleuchteten Großzelten, gestapelten Autoreifen, Barrikaden und dem Ruß tatsächlich kein Gefühl von Sicherheit.

Als der Platz geräumt wurde, leisteten diese letzten Bewohner also noch einmal Widerstand, zündeten Reifen an und bewarfen die Stadtarbeiter mit Steinen. Trotzdem wurde der Normalzustand auf dem Majdan nach langer Zeit schließlich wiederhergestellt. Der große Tannenbaum, die Flaggen und Plakate sollen aber später in einem Euro-Majdan-Museum gezeigt werden.

Mehr von Hieronymus Fotos findet ihr hier.

Kiew, Majdan, Anfang August 2014
Der traditionelle Look des ukrainischen Kosaken ist wieder in Mode. Wichtig sind die Chuprina - eine Haarlocke, die einer rasierten Glatze entspringt und ein großartiger Schnurrbart.
Ein Mädchen mit weißen Tauben als Touristenattraktion.
Souvenirs auf dem Majdan: Fußabstreifer und Toilettenpapier mit den Konterfeien von Janukowitsch und Putin (mit Hitlerbärtchen).
Mann in Bärenkostüm als Touristenattraktion auf dem Majdan. Irritierend ist dabei, dass der Bär „Mischa” traditionell als Symbol für Russland gilt.
„Faschismus in Russland stoppen!”
Bilder verstorbener Majdan-Demonstranten.
„Slava Ukrajini! Gerojam Slava!“ (Lang lebe die Ukraine! Ruhm den Helden!)
Feldpost zum ukrainischen Battalion „AJDAR“, welches in der Ostukraine gegen russische Separatisten kämpft. Im Hintergrund das „Majdan Press Center“.
Das Hotel „Ukrajina“ wurde während der Proteste im Frühjahr 2014 auch als Behelfskrankenhaus genutzt. Aus den Fenstern schossen angeblich Scharfschützen auf Demonstranten und verwundeten manche tödlich.
Banner der rechten Partei „Kongress der ukrainischen Nationalisten“, welches Stepan Bandera zeigt. Bandera war ein prominenter ukrainischer nationalistischer Politiker und Partisan, der für die ukrainische Unabhängigkeit in den 1930er und 40er Jahren kämpfte.

Spuren des Großbrands im „Haus der Gewerkschaften der Ukraine“ am Majdan.
Zerstörtes Wasserwerferfahrzeug auf dem Chreschtschatyk.

Majdan-Demonstranten, die noch im August 2014 den Platz und die Hauptverkehrsstraße Chreschtschatyk besetzen. Rot und schwarz sind die Farben der Flagge des „Prawyj Sektor“ (Rechter Sektor).
Eine Liste von Medikamenten, die vom Battalion „AJDAR“ benötigt werden: Lidocain, Novocain, Ultracain, Antivirus-Medizin, NaCI, Verbandsmaterial, Röntgen Zubehör, Ampullen, chirurgische Instrumente, Arzthandschuhe etc
Widmung an die 3. Hundertschaft der Widerstandskämpfer des Majdan und ein Bild eines Opfers.
Munition der „BERKUT“-Spezialeinheit der ukrainischen Miliz, die gegen die Demonstranten eingesetzt wurde.
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