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So ist es, Mitglied einer Gefängnisgang in den Südstaaten zu sein

Drogen, Waffen, Bomben, Schlägereien—die Simon City Royals sind im Bundesstaat Mississippi anscheinend recht aktiv.
18.6.15

Der Rücken eines Mitglieds der Simon City Royals. Foto mit freundlicher Genehmigung des Autors.

Letzten Monat berichtete die Sun Herald, dass im Süden von Mississippi eine Gang namens Simon City Royals auf dem Vormarsch ist. Seit 2010 ist die Mitgliederzahl der Gang, wie Strafverfolgungsbehörden der Zeitung mitteilten, in dem Bundesstaat von 1.200 auf 2.000 angestiegen, wobei die Gruppierung vor allem im südlichen Teil des Staates besonders stark ist. Dort haben sie etabliertere Gangs wie die Bloods und die Crips schon an den Rand gedrängt. Seit das FBI 2012 einen Waffenschmuggelring auffliegen ließ und 15 Mitglieder ins Gefängnis verfrachtete, wird regelmäßig in den lokalen Nachrichten über die Gang berichtet.

Die Royals haben sich vor mehreren Jahrzehnten in Chicago gegründet und viele ihrer älteren Mitglieder sitzen wegen Verstößen gegen das Schußwaffengesetz in verschiedenen Bundesgefängnissen ihre Strafe ab. Aber wie bei vielen anderen Gangs, behalten die Anführer durch ein System von Mittelsmännern auch vom Gefängnis aus die Kontrolle über die Organisation.

VICE hat sich mit einem aktiven Mitglied der Simon City Royals in Verbindung gesetzt, der wegen eines besonders schweren Verstoßes gegen das Feuerwaffengesetz im Gefängnis seine Strafe absitzt. Er erklärt, wie die Gang entstanden ist, was sie jetzt vorhat und was er für die Simon City Royals plant, sobald er wieder auf freiem Fuß ist.

VICE: Wie ging das mit den Simon City Royals los?
„White Boy" a.k.a „Thug": Wir haben als komplett weiße Organisation angefangen. Wir waren vier weiße Jungs, die einen Park in der Northside kontrollieren wollten. Man nannte uns die Simon City Executioners—das war in den späten 1930ern. Wir fingen als Auftragskiller an. Dann wurden wir die Simon City Assassins genannt—das war in den 1950ern. Wir waren einfach nur arme Kerle, die versuchten über die Runden zu kommen—und das war die einzige Art, von der wir wussten wie. Bis in die 1980er, als wir uns mit den Gangster Disciples (GDs) zusammentaten, waren wir eine rechtsextreme Organisation. Vor 1980 waren wir wie die Crips oder die Bloods ohne Gesetze oder irgendeine Agenda, [aber] 1980 wurden wir dann die Simon City Royals. Wir bekamen unsere eigenen Farben, Gesetze, Strategien [und] wurden eine Gemeinschaft. Wir wurden zu einer Organisation.

Wo habt ihr angefangen und wo seid aktiv?
In der Northside von Chicago. Simon City ist der Name eines Parks in der Northside. Den gibt es auch heute noch. Wir sind mit den GDs, den Latin Folks, den Cobras, den Maniacs, den Spanish Gangsters und der All Folks Nation verbunden. Wir sind in 13 Bundesstaaten aktiv, aber Mississippi ist unser größter Ableger: MCL, Misissippi Combat Legion.

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Wie ist die Gang von Chicago nach Mississippi gekommen?
Wie alle anderen Gangs auch. Brüder aus Chicago drehten krumme Dinger im Süden. Sie wurden geschnappt und dort in den Knast gesteckt. Im Gefängnis haben sie dann Verbindungen zu den Jungs aus Mississippi aufgebaut und sie zu Brüdern gemacht. Als die dann wieder frei waren, haben sie die Gang mit sich genommen. Das läuft jetzt seit etwa 20 Jahren so in Mississippi.

Warum bist du der Gang beigetreten?
Ich wollte Teil von etwas sein, das Bedeutung hat—etwas, auf das ich stolz sein kann. Meine Mutter und mein Vater sitzen fast mein ganzes Leben lang schon im Knast. Als ich 14 war, starb dann auch mein letzter Großelternteil. Das war das gleiche Jahr, in dem ich auch der Gang beitrat. Sie akzeptierten mich und halfen mir aus, wenn das sonst niemand konnte. Die wussten, was es heißt, keine richtige Familie zu haben. Mein Bruder saß auch im Knast. Meine Schwester hatte zwei Kinder und wohnte in einem kleinen Trailer. Ich musste irgendwie überleben. Ich konnte mich mit ihnen identifizieren. Ich bin kein Rassist, also war das die einzige Sache, bei der ich auch meinen Selbstrespekt bewahren konnte.

In was für Zeug seid ihr in Mississippi involviert und wie geht ihr vor?
Wir machen lauter unterschiedliches Zeug: Tattoo Shops, Shops für Autotuning, Versicherungen, Vinylherstellung—alles, was uns irgendwie hilft, voranzukommen. Wir versuchen, es unseren Mitgliedern, die nicht so viel Glück hatten, leichter zu machen—verschaffen uns gegenseitig Jobs. Meine Homeboys packen genau so hart an wie ich. Wir sind alle aus dem gleichen Holz geschnitzt. Wenn die Leute hier einen harten, weißen Typen sehen, dann sagen sie, „Der muss bei den Royals sein." Wir haben unseren Scheiß beisammen. Wir sind superstreng miteinander—tanzt du aus der Reihe, werden dich die Brüder wieder einfangen. Vergehen werden bei uns mit eiserner Faust geahndet. In Simon City gibt es kein Mitleid.

Nenn uns mal ein Beispiel, wie du Schmuggelware in Gefängnisse bekommst.
Ich und ein paar Brüder sitzen hier im Knast ein und wir hatten diesen Wachmann, der gerne einer von uns sein wollte. Wir überzeugten ihn davon, dass wir ihn zu einem von uns machen würden. Er brachte allen möglichen Scheiß an: Handys, Weed, Meth, was auch immer wir ihm sagen. Wir machten einen Anruf und ließen den Stoff irgendwo abladen, er brachte ihn dann rein. Irgendwann hat er dann gecheckt, dass wir ihn nie zu einem von uns machen würden, und wollte damit aufhören. Als uns der Stoff ausging, riefen wir ein paar Brüder an. Sie sind dann zum Haus seiner Freundin gefahren, wo sie zuvor immer den Scheiß abgeladen haben, und haben dort gewartet. Als er die Auffahrt hochfuhr und ausstieg, schnappten sie ihn sich. Er versuchte wegzurennen und mein Bruder, der im Van saß, haute ihn um. Danach wurde es ziemlich entspannt hier. Die Wachmänner hatten Schiss.

Was ist mit der Methszene auf der Straße?
Das ist alles total aus dem Ruder gelaufen. Es gibt einfach zu viele Idioten, die kochen. Verdammt, jeder hier hält sich jetzt für einen Methkoch. Alle sind high. Niemand schläft mehr. Es ist verrückt. Ich werde hier rauskommen und versuchen, meine Brüder von der Scheiße wegzubekommen. Wir brauchen etwas Positives, etwas das Gemeinschaft zeigt, ohne gegen das Gesetz zu verstoßen. Die müssen checken, dass wir auch ohne diese dumpfe Scheiße was erreichen können: Unternehmen gründen, um Brüdern einen Job zu geben und uns vom Gefängnis fernzuhalten, damit wir uns um unsere Familien kümmern können.

Wie lange sitzt du ein?
Ich habe 89 Monate für den Besitz einer Feuerwaffe von einem verurteilten Verbrecher aufgebrummt bekommen. Die Zeit ist jetzt fast rum. Hier im Knast sind wir so wenige, dass wir uns mit den ganzen Latinos verbünden, um eine Struktur zu schaffen, die separat von den GDs ist. Mit denen sind wir aber trotzdem noch dicke. Wir helfen den GDs aus, aber wir sind eine eigenständige Organisation. Wir lassen uns von niemandem was sagen. Viele Leute verstehen das falsch. Wir kümmern uns um uns selbst. Niemand außer einem Royal packt einen Royal an. Wir stimmen ab, wer der Beste für einen Job ist, wer die meiste Ahnung davon hat, wie etwas läuft, wer mit Problemen am besten klarkommt.

Was heißt es, ein Royal im Knast zu sein?
Ich rekrutiere und hole neue Brüder in unsere Reihen. Ich saß mal in Arkansas ein und habe uns mehrere Brüder dazu geholt. Die wurden ausgestattet und tragen jetzt unsere Farben. Bei Simon City geht es um Gemeinschaft, Zusammenhalt und sich gegenseitig den Rücken freizuhalten. Wir haben für die Sicherheit an den Pokertischen dort gesorgt und machten dabei auch noch richtig gut Geld für uns selber. Wir können uns jeder Situation anpassen und gehen immer als Gewinner raus. So läuft das bei uns. Simon City.

Was halten die Nazigangs von euch?
Die halten sich eher fern von uns. Die verstehen nicht wirklich, was Royals eigentlich sind. Die glauben, dass wir weiße Typen sind, die am liebsten schwarz wären. Sobald die aber mal etwas näher an uns rankommen und ein paar Fragen stellen, checken sie es auch—aber eben nie am Anfang. Die halten uns für verrückt! Normalerweise zeigen wir ihnen direkt, was Sache ist, damit die wissen, dass wir nicht blöd sind, nur weil wir vom Land kommen, oder dass wir uns leicht vertreiben lassen.

Ich bin ein Problemlöser. Ich achte darauf, dass es meinen Brüdern gut geht. Ich bin ein paar Typen von der Aryan Brotherhood of Texas über den Weg gelaufen und die dachten, dass sie mich einfach vertreiben könnten, aber das ist nicht passiert. Ihnen gefiel es nicht, dass ich schwarze Homies hatte, aber so ist es einfach. In Mississippi oder in den Simon City Royals läuft das eben nicht so.