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​In Fotos: Braunkohle-Gegner haben am Wochenende ein Kraftwerk lahmgelegt

Die Polizei verhielt sich auffallend friedlich—dafür wurden die Aktivisten aber von Neonazis und Einheimischen angegriffen.

von Till Egen
17 Mai 2016, 12:23pm

Alle Fotos: Till Egen und Ruben Neugebauer

Alles in allem war es ein erfolgreiches Wochenende für das Bündnis "Ende Gelände": Mithilfe Tausender Aktivisten gelang es, die Produktion in zwei Kohlekraftwerken des Vattenfall-Konzerns in Brandenburg vorübergehend zum Erliegen zu bringen oder zumindest zu drosseln. Damit protestierte das Bündnis gegen die Klima- und Landschaftszerstörung durch den Braunkohleabbau.

Am Freitag besetzten über 1.500 Menschen eine Kohle-Förderanlage in Welzow bei Cottbus. Nachdem es bei der Stürmung einer Braunkohlegrube in Garzweiler im August letzten Jahres zu teilweise heftigen Auseinandersetzungen zwischen Aktivisten, Polizei und Angestellten der Grube gekommen war, wollte der Konzern eine ähnliche Eskalation unbedingt vermeiden—und stellte deshalb nicht nur die Arbeit in Welzow am Freitag ein, sondern ließ die Förderanlage auch noch komplett unbewacht. Die Aktivisten konnten also in aller Ruhe auf den Anlagen und Baggern herumklettern, während Polizisten und Vattenfall-Angestellte das Ganze nur aus der Ferne beobachteten. Zu kleineren Konfrontationen kam es erst spät in der Nacht, als die Aktivisten mit Essen versorgt werden sollten.

Genauso leicht hatten es die mehreren hundert Aktivisten, die am Samstag ohne jeden Widerstand die Zufahrtsgleise zum Kraftwerk "Schwarze Pumpe" besetzen konnten. Da der Kohlenachschub für das Kraftwerk dadurch abgeschnitten war, musste das Kraftwerk seine Produktionskapazität um bis zu 80 Prozent drosseln—zeitweise sah es sogar so aus, als müsste das Werk ganz abgeschaltet werden. Auch das verbuchten die Aktivisten als großen Erfolg. "Der Protest soll nicht nur symbolisch sein, sondern praktische Konsequenzen haben", erklärte eine Sprecherin von "Ende Gelände!" gegenüber der taz.

Erst als ca. 300 Aktivisten schließlich Zäune einrissen und auf das Gelände des Kraftwerks selber vordrangen, setzte die Polizei schließlich nachdrücklicher Pfefferspray und Schlagstöcke ein. 123 Aktivisten wurden eingekesselt und zeitweise festgesetzt, der Konzern erstattete Anzeige wegen schweren Landfriedensbruchs. Aber auch am Samstag fiel die Brandenburger Polizei vor allem durch ihre Zurückhaltung auf.

Am Samstagabend kam es allerdings zu unschönen Szenen, als Gruppen von Einheimischen, Vattenfall-Mitarbeitern und Neonazis anfingen, das Protestlager und einzelne Demonstranten anzugreifen. Ein Demonstrant beschrieb gegenüber VICE, wie er unvermittelt von einer Gruppe Unbekannter von hinten angegriffen wurde, nachdem er sich kurz von seinem Lager entfernt hatte. "Dabei kam erst ein Schlag auf den Hinterkopf, anschließend wurde ich festgehalten und es folgte ein Schlag ins Gesicht", erzählt der 27-Jährige, der lieber anonym bleiben möchte. "Dann ging ich zu Boden und es folgten mindestens zwei Tritte."

Nachdem das Kraftwerk fast 24 Stunden blockiert worden war, erklärte das Bündnis die Aktion am Sonntag für beendet. Die Blockade wertete es in einer Pressemitteilung als einen "vollen Erfolg für die stetig wachsende, global organisierte Klimabewegung". Der Vattenfall-Konzern beklagte dagegen den "gewaltsamen Druck", durch den "ein Kraftwerk gezwungen werden soll, seine Produktion einzustellen". Damit würde direkt in das deutsche Stromversorgungssystem eingegriffen.

Ein Polizist vor der Versammlung der Braunkohle-Befürworter
Leonhard Simon