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Wahlen 2015

Diese Arten von Menschen gehen in der Schweiz nicht wählen

Aus den Ausreden „Durchfall", „eh alles Hackfressen" und „vergessen" lassen sich so einige Typen von Nichtwählern ableiten.
28.8.15
Foto von Johnny Malmedy

Am 18. Oktober wählt die Schweiz ihre Herren Volksvertreter. Oder halt eben nicht. Es gibt viele Gründe, am 18. Oktober nicht wählen zu gehen: Alles Hackfressen, kein Bock, keine Zeit, Durchfall. Es wäre aber trotzdem nicht schlecht, wenn wir es dieses Jahr schaffen würden.

Es lässt sich natürlich darüber streiten, ob die älteren Herren mit Geheimratsecken und die Damen in crèmefarbenen Prada-Kostümen uns auch gebührend vertreten, aber man kann sich in der Politik ja über alles streiten. Wir haben jedenfalls eine Wahl. Ich meine, stell dir vor, jemand anders würde deine Mitbewohner aussuchen. Deine Grosseltern zum Beispiel.

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Die National- und Ständeratskandidaten sind uns zwar physisch weniger nah, aber sie fällen immerhin Entscheidungen, haben Meinungen und Traumata. Denen entsprechend wählen sie dann jene Partei zu der ihrigen, der sie sich am meisten zugehörig fühlen. Und du wählst dann sie—oder eben nicht.

Wir haben alle Nichtwähler der Schweiz in vier Typen unterteilt (ja, auch dich) und zeigen, wie ihr sie alle im Oktober doch noch an die Urne quälen könnt.

Der Nihilist

„Wahlen? Geb ich einen Fick drauf. Ich zieh mir jetzt noch eine Folge „Berlin Tag und Nacht rein!"

Foto von Jorge Abreu | Devianart | CC BY-SA 3.0

Dieser Typ Mensch kennt nichts—keine Werte oder Ideologien. Es sei denn, man bezeichnet einen Menschen, der ohne Prinzip keine Prinzipien hat—sprich einen Nihilisten—als Menschen mit Ideologie.

Der Nihilist stellt keine Ambitionen an sich selbst. Er hat den erstbesten Job angetreten, der sich angeboten hat und arbeitet nur, weil er sich mit Sozialhilfe das neue „Call of Duty" (hehe, Ironie) nicht leisten kann. Er stellt auch kaum Erwartungen an andere Menschen oder den Staat, in welchem er lebt. Ausser seine weltlichen Bedürfnisse werden eingeschränkt.

Der Nihilismus bewegt sich umgekehrt proportional zur Politik. Je drängender gewisse Anliegen in der Öffentlichkeit besprochen werden, desto mehr zieht sich der Nihilist in sein Vogelnest aus fauligen Socken, leeren Bierdosen und Akne zurück. Nihilist werden kann man dementsprechend am besten, wenn man chronisch mit Informationen überflutet wird, die einen nicht interessieren.

Wie du ihn zum Wählen motivierst

Du kannst versuchen, ihn in einem buddhistischen Kloster abzuladen. Dort wird er von stimulierenden Ablenkungsmöglichkeiten isoliert und hat keine andere Wahl als sich Gedanken zu machen. Er wird in sich gehen, meditieren und mit der Hilfe von ein paar Mönchen aufhören, die Welt um sich herum auszublenden. Nach ein bis zwei Jahren kann er getrost in die Zivilisation entlassen werden und wählen gehen.

Wenn du kein Erbarmen mehr mit ihm hast, kannst du ihn auch für zwei Monate in ein Kriegsgebiet senden. Der Typ wird so verstört zurückkehren, dass er froh sein wird, in der Schweiz mit derart langweiligen politischen Diskussionen konfrontiert zu sein. Er wird schockiert darüber sein, wie abgrundtief böse Menschen sein können und die Exemplare in der Schweiz mit Hilfe seines Wahlzettels in ihre Schranken verweisen wollen.

Der Faule

„Fuck, Sonntagmorgen, letzte Gelegenheit!" Und dem Faulen fielen die Augen wieder zu.

Foto von A dazed memory | Wikimedia | CC BY-SA 3.0

Im Unterschied zum Nihilisten liegt dem Faulen etwas an seiner Möglichkeit zur Einflussnahme. Er wäre so gern politischer, er würde so gern auf Weltreise gehen und von Faust hätte er eigentlich gern mehr als zehn Seiten gelesen. Blöderweise kommt ihm immer was dazwischen, zum Beispiel eine Einladung zum Essen, ein Joint oder einfach Müdigkeit.

Der Faule ist, wie der Nihilist, mit seinem Leben nicht wirklich zufrieden. Er wäre gern besser, schneller, effizienter. Wenn nur diese verdammte Faulheit nicht wäre. Die hat ihm schon ganze Träume zerstört.

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Die Tatsache, dass der Faule sein eigenes Verhalten bemängelt, ermöglicht ausserordentlich viel Handlungsspielraum. Er braucht einen Schubs, ein festes Rütteln. Er ist nicht immun gegen die Standpauken, die man als Nicht-Wähler über sich ergehen lassen muss. Und da es sich ja nicht gut anfühlt, von seinen Freunden zusammengeschissen zu werden, wird der Faule wählen gehen, wenn du ihm ein paar Mal so richtig auf den Sack gegangen bist.

Der Faule ist der pflegeleichteste der Nichtwähler, er ist eigentlich ganz ein Guter, einfach so verdammt antriebslos.

Wie du ihn zum Wählen motivierst

Schlag ihn aus dem Bett, zieh ihm die Bettdecke weg und furz ihm ins Gesicht.

Der Resignative

Er sagt Dinge wie: „Die Welt ist so abgefuckt—aber du und ich, wir können da auch nichts machen." Und nimmt noch einen Schluck Rotwein.

Foto von gratisography | pexels | CC0 1.0

Dieser Mensch ist mit dem Faulen verwandt. Ihn charakterisiert aber das Bedürfnis, die eigene Faulheit mit dem Begriff der Ohnmacht zu verschleiern. Wenn man nichts gegen herrschende Verhältnisse anrichten kann (jedenfalls nicht innerhalb der nächsten fünf Minuten), dann sollte man ganz darauf verzichten. Der Resignative hält das für eine sehr konsequente Einstellung. Und das ist sie auch—nämlich konsequent beschissen.

Der Resignative prophezeit den Untergang der Postmoderne und trinkt Rotwein. Wenn es tatsächlich zu einem solchen Untergang kommen sollte, wird er mahnend den Zeigefinger in die Luft recken, „Ich hab's euch doch gesagt"-Parolen schwingen und mit untergehen. Das ist es nämlich. Der Resignative motzt unentwegt—über die Welt, ihre Bewohner, die Politik—und tut rein gar nichts. Dieser Mensch ist eine harte Nuss. Er wird dir das Gefühl geben, alleine gegen einen Tsunami zu kämpfen, während er sich bequem auf einem Plateau einrichtet und mit den Schultern zuckt. Er ist ein ziemliches Arschloch.

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Er geht einem deshalb so sehr auf die Nerven, weil er im Unterschied zu den anderen beiden Typen das Gefühl hat, die Wahrheit für sich gepachtet zu haben. Er streckt der Welt den Mittelfinger entgegen und klopft sich danach auf die Schulter.

Wie du ihn zum Wählen motivierst

Argumentiere ihn in Grund und Boden, zeig ihm, dass und warum er ein Idiot ist. Zieh—wenn möglich—einen Fachmann hinzu, dieses Mal eignet sich ein Politikwissenschaftler besser als ein Psychologe. Auch wenn er mit dem genervten Brummen anfänglich nicht aufhören wird, deine Mühe wird sich irgendwann auszahlen.

Der Eskapist

„Die Welt ist ein trauriger Fleck, ich aber habe meinen Platz darin gefunden" sagte er, schüttelte seine blonde Mähne und stürzte sich mit dem Surfbrett in die Wellen.

Foto von Dave Young | Flickr | CC BY 2.0

Der Eskapist ist eigentlich ein geiler Typ. Er schert sich, wie der Nihilist, einen feuchten Dreck um Politik. Aber dafür hat er einen Haufen anderer Interessen, die seine Zeit und Energie vollends aufbrauchen.

Der Grund, warum er nicht abstimmen geht, besteht darin, dass er wie der Resignative nicht glaubt, dadurch die Welt zu einem weniger traurigen Ort zu machen. Das macht ihn aber nicht verbittert, im Gegenteil. Seine Lösung: Surfen, Natur, Reisen und Sex. Er meckert nicht rum wie der Resignative und sagt auch niemandem, was er zu tun hat (auch keinem 16-Jährigen Neonazi, weshalb sich dieser dann mit dem Eskapisten anfreundet und aufhört, Ausländer zu hassen). Der Eskapist ist easy-going, er verändert die Welt mit seinem Hang zur Freiheit und der allumfassenden Ruhe, die er ausstrahlt.

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Wenn du anfängst, mit ihm zu diskutieren, wirst du merken, wie schlau der Eskapist insgeheim ist. Er hat sich in seinem Leben schon viele Gedanken gemacht und sich von gewissen Sachen irgendwann einfach ferngehalten. Und das kann er dir in einer derart überzeugenden Argumentationskette darlegen, dass du ihm eigentlich am liebsten auf die Schulter klopfen würdest.

Wie du ihn zum wählen motivierst

„Hey Alter, vor zwei Tagen ist an deinem Lieblingsspot ein Typ von einem Hai gefressen worden. Wir suchen in der WG übrigens noch jemanden für ein Zimmer. Dein Name steht schon am Briefkasten. Ach und du hast schon Post. Die hab ich dabei."

Die faule Nora auf Twitter: @nora_nova_

Vice Switzerland auf Twitter: @ViceSwitzerland


Titelbild von Johnny Malmedy | Flickr | CC BY-SA 2.0