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Wichtige Fragen, die das Imagevideo des WKR aufwirft

Der WKR zeigt in einem neuen Imagevideo, wie super das Leben als Burschenschafter nicht ist. Wir hätten da noch ein paar Fragen.
25 Januar 2016, 2:30pm
Alle Screenshots aus dem WKR-Video „Werde aktiv!“ | Ein glücklicher Burschenschafter schreitet aus der Uni.

Am kommenden Freitag findet der Akademikerball in der Hofburg statt. Seit 2013 wird dieser von der Wiener FPÖ ausgerichtet; bis 2012 nannte sich das Spektakel (das inhaltlich quasi dasselbe geblieben ist) noch „WKR-Ball" und wurde vom Wiener Korporationsring veranstaltet. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss aus großteils schlagenden Burschenschaften wie der Teutonia und der Olympia, die Martin Graf zu ihren alten Herren zählt.

Heute hat der WKR—passend zum Auftakt der Ballwoche, die eigentlich nicht seine, sondern die der FPÖ ist—ein kurzes Video mit dem Titel „Werde aktiv!" veröffentlicht. Darin will er sich laut Beschreibungstext hauptsächlich mal vorstellen; und tut doch so viel mehr. Das Video dauert 2 Minuten und 11 Sekunden und soll wohl einerseits das alltägliche Leben eines ehrenhaften Burschenschafters zeigen und dieses Leben andererseits anderen angehenden Studenten schmackhaft machen. Wir hätten da noch ein paar Fragen.

Was sagt eigentlich die Uni Wien dazu?

Gleich in der Anfangsszene des Videos sieht man einen glücklichen Burschenschafter in voller Montur durch den Haupteingang der Universität Wien schreiten. Er freut sich, hat wohl eine Abschlussurkunde (oder zumindest die Hülle davon) in der Hand und wird von seinen applaudierenden Kameraden begrüßt. Das Logo der Universität ist dabei so groß und deutlich zu sehen, dass man glauben könnte, es handle sich dabei um gezieltes Product Placement in einem Matthias Schweighöfer-Film.

Eine weitere Szene spielt in einem Hörsaal, einmal wird eine Aufnahme der Außenfassade der Universität eingestreut und zum Schluss sieht man noch, wie der frisch polierte Degen samt Burschi-Deckel auf der Uni-Rampe vor einem großen Werbeplakat der Uni Wien liegt. Laut Nikolaus Ortner, der an der Uni Wien für Drehgenehmigungen zuständig ist, kann man gegen Außenaufnahmen nicht vorgehen: „Das ist wie wenn sich Touristen vor der Uni fotografieren." Anders sieht es da schon bei Innenaufnahmen aus. Eine Drehgenehmigung für den betreffenden Hörsaal im Juridicum soll es nicht gegeben haben, die Dreharbeiten sind jedoch im Rahmen einer Veranstaltung des RFS passiert.

Wie laut kann der Applaus von 14 Personen sein?

In der erwähnten Szene, in der ein Burschenschafter glücklich aus der Universität tritt, wird er von 14 applaudierenden Kollegen empfangen, die ihm überschwänglich, teils väterlich zu seinem Erfolg gratulieren und auf die Schulter klopfen. Der Applaus, der dabei eingespielt wird, klingt aber ungefähr so wie jener, der in einem Konzertsaal ertönt, wenn mehrere 100 Menschen gleichzeitig klatschen. Nun stellen sich ein paar Fragen: Applaudieren Burschenschafter lauter als Studenten, die keiner Verbindung angehören? Steht in Wahrheit eine Heerschar an klatschenden Burschenschaftern auf der Uni-Rampe und man sieht sie nur nicht? Oder ist die leicht unverhältnismäßige Geräuschkulisse ein Versuch, das Szenario noch heroischer wirken zu lassen als es die epische Hintergrundmusik ohnehin schon tut? Diese Fragen lassen mich mit einem ähnlichen Blick zurück, wie ihn dieser Burschenschafter aufsetzt, wenn er vielleicht Geschichten aus dem Revolutionsjahr 1848 vorgelesen bekommt:

„Schau mal interessiert" – „OK."

Tragen Burschis immer Couleur?

Während einer Einstellung, die die Burschenschafter auf der Uni zeigt, sitzen sie im Hörsaal und lauschen gebannt dem Vortragenden, während sie alle Couleur tragen. Wahrscheinlich verbringen Burschenschafter jede Sekunde ihres Lebens in Couleur, ohne dass wir es wissen. Sie schlafen, duschen und sporteln in ihrer Uniform, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken—lediglich zum Mensurfechten ziehen sie ein Kettenhemd an, damit der Spruch an ihrer Wand (nämlich „Schweiß spart Blut") auch wahr bleibt.

Haben Burschenschafter immer ihren Degen dabei?

Wer kennt das nicht? Mit dem Degen beim gemeinsamen Lernen.

Wenn es nach dem WKR geht: Ja. Selbst in der Einstellung, in der man vier lernende Burschen ein Strafrechtsbuch lesen, etwas in einen Taschenrechner tippen und sich gegenseitig Dinge erklären sieht, liegt demonstrativ ein Degen gemütlich auf dem Tisch. Schließlich kann man nie wissen, wer plötzlich Satisfaktion von einem verlangt. Der Lerngruppe nach zu urteilen stehen die Chancen zum Glück gering, dass es eine Frau sein könnte—die sind dem Weltverständnis von Burschenschaften zufolge nämlich immer noch nicht satisfaktionsfähig.

Wo sind eigentlich die anderen Studenten?

In der Hörsaal-Szene sitzen lediglich Burschenschafter und alte Männer (wahlweise mit oder ohne Couleur) im Hörsaal. Aber wo sind eigentlich die anderen Studenten? Die mit den Dreadlocks und Birkenstocks? Oder die mit den Jutebeuteln und Undercuts? Die scheint es in der idealen Welt des WKR-Vorstellungsvideos nicht zu geben. Generell scheint es im Erzähluniversum des Films nur Burschis zu geben: Sie lernen miteinander, sie feiern miteinander und stecken sich gegenseitig in Kostüme, um ihre Degen zu kreuzen—was an sich ja die Beschreibung einer perfekten Beziehung darstellt.

Haben Burschenschafter auch andere Freunde?

Siehe oben.

Verena auf Twitter: @verenabgnr