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Asylwerber dürfen in Korneuburg nicht mehr ohne Betreuer ins Hallenbad

Die Berichte über das Schwimmbadverbot für Flüchtlinge zeigen, wie sehr sich die Debatte seit Köln verändert hat.
18.1.16
Foto: imago | epd

Erst die „asylantenfreie" Bar in Bad Ischl, dann der Wiener Arzt, der in seiner Praxis keine Asylwerber behandeln will und schließlich ein Linzer Anwalt, der Ausländer nicht mehr pflichtverteidigen möchte—Meldungen über generelle Ablehnung oder Verbote für Flüchtlinge gab es in der letzten Woche hierzulande Schlag auf Schlag. In einem Tweet zählte Armin Wolf die Fälle auf, postete dazu ein Bild aus der Nazi-Zeit und fragte „Was kommt als nächstes?", was ihm wiederum selbst Kritik einbrachte.

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Die Frage bleibt vorerst offen, aber die Serie von Meldungen dieser Art geht währenddessen weiter: Im niederösterreichischen Korneuburg dürfen Asylwerber seit dem Wochenende nicht mehr einfach so das Hallenbad besuchen. Letzten Donnerstag sollen dort sieben afghanische Asylwerber Badegäste gestört haben, durch die Gänge der Damenduschen gerannt sein und Aufforderungen des Personals ignoriert haben, bis schließlich die Polizei verständigt wurde. Zu Tätlichkeiten soll es laut NÖN dezidiert nicht gekommen sein.

Als generelles Hausverbot für Flüchtlinge möchte Bürgermeister Gepp die neuen Maßnahmen aber nicht sehen: „Nur die sieben Betroffenen haben generelles Hausverbot, alle anderen Asylwerber dürfen mit einer Begleitperson rein." Diese müsse deutschsprachig sein und den Flüchtlingen die Hausregeln, die für alle gelten, erklären. Der Umstand, dass durch einen einzelnen Vorfall nun generell alle Asylwerber von der Beschränkung erfasst sind, bleibt aber dennoch bestehen.

Dem vorangegangen war ein ähnlicher Fall vergangenen Freitag in Deutschland. Nachdem sich Besucher und Angestellte eines Schwimmbades in Born bei Bonn über sexuelle Belästigungen durch Männer einer nahen Asylunterkunft beschwerten, wurde dort ebenfalls ein pauschales Zutrittsverbot für Asylwerber ausgesprochen. Sobald die Regeln durch Sozialarbeiter bei den Flüchtlingen klar gemacht sind, soll dies aber wieder beendet werden.

Dass sich die öffentliche Bewertung von solch generellen Maßnahmen gegen Flüchtlinge geändert hat, wird deutlich, wenn man sich ansieht, wie ein vergleichbarer Fall noch vor ein paar Jahren kommentiert wurde. Im August 2013 berichtete Spiegel Online, dass die Schweizer Kleinstadt Bremgarten Asylbewerbern den Zugang zum Freibad verboten hatte. Betitelt wurde das damals mit den Worten „Die Freibad-Rassisten von Bremgarten". In der Einleitung wird festgestellt, der Ort sei „zum Sinnbild für eine menschenunwürdige Asylpolitik der Schweiz" geworden.

Über die Maßnahmen von Freitag berichtete dasselbe Medium vergleichsweise sehr nüchtern. Heimische Medien wie OE24 kommentieren das Einschreiten der Polizei letzten Donnerstag in Korneuburg wiederum mit der „Wiederherstellung von Zucht und Ordnung".