Geständnisse von Arbeitsplatz-Masturbatoren

Eine Sextoy-Firma behauptet, ein wirklich großer Anteil der männlichen Bevölkerung würde am Arbeitsplatz masturbieren. Wir haben mit Leuten geredet, die genau das tun.

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19 Januar 2016, 11:58am

Titelfoto: Simpleinsomnia | Flickr | CC BY 2.0

In diesem Moment stehen auf einer Straße in New York City ein Laptop und ein Stuhl hinter einem Vorhang: Es handelt sich um eine öffentliche Masturbationskabine. Sie nennt sich „GuyFi" und wurde als Publicity-Stunt von einem Sexspielzeughersteller aufgestellt. OK, eigentlich war es fast nur eine Frage der Zeit, bis eine Sextoy-Firma so etwas macht. Was mich viel mehr faszinierte, waren die Pressematerialien, die zu der faken Masturbationskabine veröffentlicht wurden. Darin behauptete die Firma, dass sich 40 Prozent der Männer in New York am Arbeitsplatz selbstbefriedigen.

Beim Anblick dieser Zahl klappte mir die Kinnlade herunter. Bis dahin war es mir nie in den Sinn gekommen, dass es Leute gibt, die während ihrer offiziellen, bezahlten Arbeitszeit masturbieren, und es wäre mir noch weniger in den Sinn gekommen, es selbst zu tun. Nennt mich prüde, aber der Arbeitsplatz erscheint mir einfach nicht als ein Ort, an dem man „das da" machen und damit davonkommen kann.

Wie jeder Journalist, der etwas auf sich hält, begab ich mich daraufhin ins Internet und bat Leute, mir ihre Geschichten vom Palmenwedeln und Perlenpolieren zu schicken, wobei ich schon halb damit rechnete, keine einzige Antwort zu erhalten. Stattdessen haben sich 30 bis 40 Personen gemeldet, die gerne mitteilen wollten, wie sie die Bürotoilette mit ihren Körperflüssigkeiten verschönern.

Es wirkt schon mal grundsätzlich so, als fänden die Leute, die auf der Arbeit masturbieren, ihr Verhalten gar nicht so unnormal. Eine Frau erzählte mir, sie fühle sich in ihrer Büro-Masturbation gerechtfertigt, seit sie gesehen habe, wie Matthew McConaughey als wild dreinblickender Banker in The Wolf of Wall Street behauptet, er würde es sich jeden Tag nach dem Mittagessen machen.

„Ich mache es ständig", sagte Josh, ein Typ in seinen 20ern, der in einem Büro arbeitet. „Ich habe es schon immer als Methode eingesetzt, um mich zu beruhigen und um manchmal mitten am Arbeitstag Stress abzubauen."

Andere sehen das ähnlich. Ein Typ namens Brad* sagte mir: „Als ich noch in Vollzeit bei einer richtigen Anwaltskanzlei gearbeitet habe, war mir jeder Grund recht, um mal 15 Minuten Pause vom Dokumenteabheften zu kriegen. Sich einen runterzuholen, ist eine wirklich gute Art, eine Viertelstunde rumzukriegen, und manchmal stellte es sich als Highlight meines Tages heraus."

Ein Mann namens Charles* sagte mir, er habe bei seinem Zeitarbeitsjob masturbiert, um sich die Langeweile vom Leib zu halten. „Ich war [mit meiner Arbeit] Stunden früher fertig, als es mein Vorgesetzter erwartet hatte, und dann musste ich rumhängen und warten, während sie versuchten, sich weitere Aufgaben für mich auszudenken. Ich habe das als eine Art Mittagspause oder Raucherpause betrachtet."

Die Gründe, welche die Leute für die Arbeitsselbstbefriedigung angaben, waren teils pragmatisch—als Last-Minute-Katermittel, zum Stressabbau, um Zeit totzuschlagen—und teils erotisch: Für Manche ist es erregend, das Tabu der Sexualität am Arbeitsplatz zu brechen. Für Edward traf beides zu: „Ich denke, ich bin produktiver, nachdem ich gekommen bin, oder zumindest weniger abgelenkt", sagte er mir und fügte hinzu: „Ich find es auch wirklich sexuell, aber vielleicht liegt das daran, dass ich schon immer das Männerklo als einen sexuell geladenen Ort gesehen habe. Die Angst vor dem Erwischtwerden törnt auch total an."

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Peter, der während seiner Arbeit in einer Kfz-Werkstatt auch oft Flötensoli gegeben hat, ließ es so klingen, als würde die „Mastarbeition" einen in Bear Grylls verwandeln: „Wenn du mittendrin steckst, sind deine Sinne geschärft. Dein Gehör ist perfekt, also hörst du sofort, wenn die Tür aufgeht. Deine Sicht ist kristallklar. Es ist, als wärst du mindestens so sehr in Verteidigungshaltung, wie du geil bist."

Viele Leute sagten mir, sie fänden, diese Aktivität sollte entstigmatisiert werden. „Ich finde nicht, dass sich einen runterholen besser oder schlechter ist als kacken", sagte ein Typ namens Tony*, der während seiner Schulzeit bei einigen Jobs masturbiert hat. „Es ist sogar eigentlich besser, weil es nicht stinkt." Tony sagte mir, er habe masturbiert, als er die Punktetafel bei einem Softballspiel bedienen musste, während er eigentlich eine Eislaufbahn überwachen sollte und auch während seiner Arbeit bei einem Fastfood-Restaurant.

„Ich bin mir sicher, dass Teenager sich ständig in der Arbeit einen runterholen", sagte ein Mann namens John*. „Ich bin mir hauptsächlich sicher, weil ich es getan habe." John hat als Tischabräumer in einem Jachtklub gearbeitet, wo er „drei bis fünf Minuten lang intensiv masturbierte", wenn er Servietten aus dem Lagerraum holen musste. „Es war nicht so, dass ich jemandem das Essen ruinieren wollte", sagte er mir, „aber rückblickend bin ich mir nicht so sicher, dass ich mir hinterher die Hände gewaschen habe."

Eine Frau namens Jenny* hat hingegen bei sich im Büro masturbiert, weil es einen „Akt der Rebellion" darstellte und warnt nun, dass Leute, die heimlichen Widerstand leisten oder ihre Langeweile lindern wollen, es sich zweimal überlegen sollten, bevor sie Fünf gegen Einen am Arbeitsplatz spielen. „Nicht wegen Moral oder Anstand oder so", stellte sie klar, „sondern weil Masturbation nichts ist, was man hastig an genau dem Ort tun sollte, an dem man es hasst, sich jeden Tag aufzuhalten."

Timothy Faust, ein VICE-Autor und Manager für Indie-Wrestling in Austin, Texas, bekam Wind davon, dass ich über Masturbation am Arbeitsplatz schreibe, und schickte mir eine E-Mail, um zu erklären, ein solches Handeln könne potentiell „einen gemeinsam genutzten Raum auf eine Art und Weise sexualisieren, die andere Leute nicht schätzen." Er führte aus: „Es sich auf der Arbeit zu machen, bricht einen unausgesprochenen gesellschaftlichen Vertrag: dass die Toilette ganz uns gehört, als Privatraum, in dem wir kurz unseren Sorgen entfliehen können. In Zeiten des Großraumbüros ist die Toilettenkabine der einzig verbleibende private Ort, und damit sehr wichtig."

Vielleicht sollte die Masturbation am Arbeitsplatz aber auch weniger wie ein Tabu und mehr wie etwas behandelt werden, das manche Menschen ab und zu machen. „Ich bin mir nicht sicher, ob ich jetzt ein Zitat irgendeines Fachexperten aus einer Talksendung oder Jack Bauer aus der letzten Staffel von 24 umformuliere, als es darum ging, dass Geheimdienstler im Namen der nationalen Sicherheit foltern dürfen sollten", sagte mir Mark*, „aber ich werde tun, was auch immer ich tun muss, um meinen Arbeitstag durchzustehen, doch das heißt nicht, dass das, was ich tun werde, nicht extrem dreckig sein wird."

*Name geändert

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