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Sex

YouTube ist eine Spielwiese für verkappte Zoophile

Neben Schminktutorials und Let's Plays gibt es eine weitere Webvideo-Kategorie, die Millionen Klicks sammelt: Tiersexvideos.

von Lisa Ludwig
05 Januar 2016, 11:49am

Titelfoto: James Cohen | Flickr | CC BY 2.0

Man kennt das. Eigentlich hat man nur das dringende Bedürfnis verspürt, mal wieder „Boys" von Band ohne Namen zu hören, dann klickt man sich von einem Jugendsünden-Musikvideo zum nächsten und ehe man es sich versieht, hat man sie überschritten. Die Grenze zur dunklen Seite von YouTube (und damit meinen wir nicht den „Boyfriend"-Tag oder die neueste Scherzanruf-Challenge). Ein bisschen so wie Simba in König der Löwen, der sich beim Spielen zu den Hyänen verirrt. Nur dass die bösen Aasfresser in diesem Fall Videos sind, die selbst auf Pornhub, xHamster und Co. gelöscht werden würden.

Während die herkömmlichen Pornoplattformen nämlich in aller Regel Clips ausschließen, die auch nur ansatzweise in Richtung Zoophilie gehen, scheint YouTube kein Problem damit zu haben, sexuelle Handlungen zwischen Mensch und Tier zu zeigen. Solange der Mensch dabei noch bekleidet ist. Klar: Hunde bespringen im Zweifelsfall alles. Sei es aus sexuellen Motiven heraus oder einfach nur als Imponier- und Dominanzgehabe. Wenn jemand allerdings Szenen, in denen Menschen das zulassen, vielleicht sogar provozieren, zusammenschneidet, hochlädt und das Ganze schließlich millionenfach geklickt wird, stellt sich schon die Frage nach der tatsächlichen Motivation. Sowohl auf Seiten des Uploaders als auch der Leute, die sich das Ganze angucken.

Sicherlich kann man Videos wie „Dog Humping Human Fail (Funny Compilation)" (9,1 Millionen Aufrufe) oder „Girl gets humped by dog!!!!!!" (71 Millionen Views) unterstellen, dass sie dieselbe Art von Leuten anziehen, die auch auf „Homevideo-Fail"-Videozusammenschnitte klicken und rammelnde Tiere genauso lustig finden wie umfallende Babys. Wenn im Kommentarbereich solcher Videos allerdings Sätze wie „Does enybody know web site where i posible to watch real animal sex with girls? " oder „We really enjoy your stuff. Keep the vids coming :)" fallen, liegt der Schluss nahe, dass damit eine ganz bestimmte Klientel bedient wird. Offensichtlich wird das bei dem Video „Pussy Licking Dogs Perform Cunnilingus on Two Japanese Girls" (8 Millionen Aufrufe), das wahrscheinlich nur deswegen noch nicht gelöscht wurde, weil die beiden Akteurinnen ihre Unterwäsche anbehalten.

Die absurde und traurige Geschichte von Mr. Hands, der beim Sex mit einem Pferd starb.

Bei anderen Clips scheint allein die Aussicht auf zoophile Handlungen für massenhaft Zulauf zu sorgen. „Girl playing with a pitbull dog xx"? Fast 34 Millionen Klicks. „A Girl and A Horse" mit einem Thumbnail, das den Unterbauch des Tieres zeigt und somit zumindest im Ansatz suggeriert, dass es sich hierbei nicht um ein Pferdeputz-Tutorial handelt (weshalb sich die Kommentatoren auch überaus enttäuscht und ernüchtert zeigen)? Über 105 Millionen Mal aufgerufen. Das sind Zahlen, die Deutschlands größte YouTube-Stars nur dann ansatzweise erreichen würden, wenn man die Views ihrer erfolgreichsten Videos zusammenrechnet. Und wenn man sich anguckt, wie bewusst Videotitel und Vorschaubild den Eindruck erwecken, dass man hier etwas Verbotenes zu sehen bekommt, dann kann das auch kein Zufall sein.

Viele werden sicherlich auch rein aus Neugier auf Videos klicken, die tierpornografisches Material suggerieren. Schließlich ist es kaum vorstellbar, dass die größte Videoseite der Welt, die demnächst auch eigene Formate à la Netflix produzieren möchte, Zoophilie eine Plattform gibt. Das beantwortet allerdings nicht die Frage danach, warum sich auch Videos, in denen Tiere miteinander kopulieren, größerer Beliebtheit erfreuen als Pickel-Ausdrücken mit Sami Slimani und den Finalistinnen der letzten fünf Germany's Next Topmodel Staffeln. Es gibt sogar ganze Channel, die sich ausschließlich dem Hochladen von Tiersexvideos widmen.

Vielleicht sind wir auch diejenigen mit den schmutzigen, falschen Gedanken, wenn wir es seltsam finden, wie unfassbar populär Videos sind, die Nahaufnahmen vom Deckakt bei Pferden zeigen. Vielleicht sind die 14 Millionen Leute, die sich „Vine 2014 + Horse Mating | Breeding ~ SHy Mare" angeguckt haben, Tiermedizinstudenten, die sich auf eine Klausur vorbereiten. Aber auch hier reicht ein Blick in die Kommentarspalten, um Zweifel daran aufkommen zu lassen, dass diese Videos aus rein wissenschaftlichem Interesse angeguckt werden. „he does have a nice..... Dong... But.. Shame he can't use it", schreibt eine Nutzerin mit Pferdefoto als Avatar beispielsweise. Unter anderen Videos fantasieren YouTube-Kommentatoren darüber, auch mal von einem Rassehengst penetriert zu werden („i'd like that in me") oder machen sich einen schönen Abend mit der „Animal Mating Best Moment Compilation 2015" („I fucking masturbated so hard to this that I nearly fainted!!!!").

Eine alte Regel besagt, dass es zu nahezu allem, was in unserer modernen Gesellschaft existiert, irgendeine Art von pornografischem Material gibt. Deswegen sprechen Leute bei Domian über die Liebe zu ihrem Gummibaum, oder schreiben Fanfictions über Call of Duty. Wahrscheinlich masturbieren da draußen schon seit Jahren so viele Leute regelmäßig zu den Schminktipps von Dagi Bee, dass es die Pornoparodie von Doggy Bi gar nicht gebraucht hätte. Aber wenn Millionen Menschen über YouTube Videos konsumieren, in denen Tiere zum Teil offensichtlich dazu aufgefordert werden, sexuelle „Handlungen" am Menschen vorzunehmen—ist es dann nicht an der Zeit, dass die Videoplattform irgendwie eingreift?

Insbesondere unter den Videos, in denen Hunde vermeintlich lustig Frauen besteigen, häufen sich Kommentare von Leuten, die das Video melden wollen. Vielleicht sollten wir das alle tun, wenn neben dem Minecraft-Let's Play plötzlich Tierpenisse und halbnackte Frauenkörper auftauchen. Wer Clips dreht, in denen Hunde Oralverkehr an kichernden Mädchen andeuten, geht auf anderen Seiten womöglich noch einen Schritt weiter und überschreitet dort endgültig die Grenze zur Tierpornografie. Was das mit der Psyche eines Tieres machen kann, hatten wir euch ja schon an anderer Stelle ausführlich erklärt.

Lisa ist nach Stunden auf der dunklen Seite von YouTube bereit für eine Therapie. Folgt ihr bei Twitter.


Titelfoto: James Cohen | Flickr | CC BY 2.0

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