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Wir haben junge Frauen gefragt, warum sie heiraten

Für die meisten von uns ist die Ehe ein Thema, das uns erst mit Mitte 30 beschäftigt—wenn überhaupt. Mittzwanziger Bräute erklären uns ihre Beweggründe.

von Franz Lichtenegger
21 Juni 2016, 5:00am

brett jordan | Flickr | CC BY 2.0

Heutzutage lässt sich mithilfe von sozialen Medien recht schnell herausfinden, ob ein vermeintliches Phänomen womöglich nur ein kleiner Furz ist, der innerhalb der eigenen Filterblase weht, oder eben tatsächlich eine richtige Sache, die nicht nur einen selbst beschäftigt und gerade da draußen stattfindet. Wenn zum Beispiel Snapchat einer Thematik eine eigene Live Story widmet, dann, liebe Freunde, ist das so eine Sache.

So geschehen erst kürzlich, als eine der verfügbaren Live Stories—die ansonsten eher größeren gesellschaftlichen Events wie Fußball, Song Contest oder Wahlen vorbehalten sind—plötzlich "Wedding Day" hieß und Aufnahmen von Hochzeiten aus der ganzen Welt zusammenfasste. Am selben Wochenende hat übrigens auch Daniela Katzenberger im Fernsehen geheiratet und damit einen Twitter-Trend ausgelöst. Die Ehe scheint das verstaubte Image, das ihr in den vergangenen Jahren aufgedrückt wurde, langsam aber sicher wieder abzuwälzen.

Vorerst lässt sich dieser Trend allerdings noch nicht aus dem Durchschnittsalter der Brautpaare ablesen—das steigt laut Statistiken nämlich weiterhin an. Unsere Eltern haben es zwar noch mit Anfang 20 getan, Britney auch, seither wurde der Gedanke einer Hochzeit aber immer mehr zu einem, mit dem wir uns erst Mitte 30 ernsthaft beschäftigen würden. Man könnte an dieser Stelle vielleicht auch behaupten, junge Leute hätten weniger ein Problem mit dem Heiraten selbst als mit der Partnersuche.

Nichtsdestotrotz scheint das Konzept der Ehe inzwischen wieder ein bisschen von seinem abschreckenden Staub verloren zu haben und eine ganze Reihe an Twentysomethings empfindet die Vorstellung einer Hochzeit plötzlich ähnlich reizvoll wie Analog-Kameras und Vinyl. Auch wenn es letztendlich oft nur der Bund für einen Lebensabschnitt bleibt.

Foto: Gui Sez | Flickr | CC BY-SA 2.0

Sarah Silverman hat mal in einem Interview gesagt, sie habe nicht vor, zu heiraten, solange die Ehe nur einer bestimmten Gruppe von Menschen zugänglich bleibt. Sie verstehe den Gedanken nicht, einer Art Club beitreten zu wollen, der im Grunde genommen elitär ist—so, wie es jetzt ist, sei es nichts anderes als etwa ein Country Club, der Juden und Schwarze ausschließt, so Silverman. Auch in Deutschland ist die Ehe nach wie exklusiv für Hetero-Pärchen. Wer würde schon gerne so einem Club beitreten?

Und überhaupt: Warum eigentlich? Wir haben junge Leute—in diesem Fall sind es ausschließlich Frauen—in ihren frühen, mittleren und späteren Zwanzigern gefragt, was sie dazu bewogen hat, an diesem Zeitpunkt in ihrem Leben eine Entscheidung zu treffen, die für viele Gleichaltrige nicht sofort nachvollziehbar ist.

Magda, 26

"Warum wir heiraten? Tom und ich kennen uns jetzt schon seit 12 Jahren und sind—mit einigen Unterbrechungen—auch fast so lange schon ein Paar. Seit drei Jahren haben wir auch eine Tochter, Ella. Der Antrag war am Abend. Ich im Halbschlaf auf der Couch, Tom irgendwie komisch hibbelig. Dann hat er mich gefragt und mir dabei einen Armreif angesteckt, der aussieht wie eine Handschelle. Ein bisschen enttäuscht war ich schon, dass ich nicht den klassischen Verlobungsring bekommen habe, Aber der Tom kann irgendwie nie was normal machen, wie alle anderen halt auch.

Dass wir irgendwann mal heiraten würden—also, wenn wir sonst nix vorhaben und es so gut weitergeht wie bisher—, das hab ich mir schon so ausgemalt. Aber dass das diesen Sommer schon passiert, das war Tomas Idee. Für mich ist unsere Hochzeit nochmal ein nächster Schritt, eine Vertiefung der Beziehung. Da wir beide gerne Party machen, wird unsere Hochzeit ein großes Fest werden. Wir wollten mit allen, die wir gerne haben, feiern und unsere ganze Familie dabei haben.

Ein großer Grund dafür ist natürlich Ella—und dass wir rechtlich als eine Familie angesehen und abgesichert werden möchten. Bei mir ist es so ein Bauchgefühl. Er ist der Mann, mit dem ich alt und grau werden will. Darum passt mir diese Hochzeit eigentlich recht gut."

Lena, 27

"Warum ich heirate? Gute Frage. Weil mir mein Freund, mit dem ich schon sieben Jahre lang zusammen bin, einen Antrag gemacht hat, vor zwei Jahren. Ich glaube, er hat geglaubt, dass man das so machen muss. Obwohl ich ganz oft gesagt habe, dass ich nicht wirklich an das Konzept der Ehe glaube—vor allem nicht an diese kitschige, erwartungsgeladene Vorstellung der romantischen Liebe. Er hat auch bei meinen Eltern um meine Hand angehalten, ganz kitschig halt. Im Laufe der Zeit haben wir uns dann öfter gefragt, warum wir das eigentlich machen. Vor allem in der Phase, in der es dann mit der Organisation ernst wurde. Irgendwann haben wir dann einfach beschlossen, wir ziehen es durch.

Mittlerweile stehen wir dem ganz gelassen gegenüber, freuen uns auf ein nettes Fest und schöne Erinnerungen. Weil zusammen bleiben wir sowieso, ob verheiratet oder nicht. Irgendwie laden auch alle anderen diese Hochzeit mit so viel Bedeutung auf, das nervt manchmal. Aber um ehrlich zu sein, haben wir uns noch gar nicht so viel damit auseinandergesetzt, welche Änderungen auf uns zukommen. Weil wir eigentlich davon überzeugt sind, dass alles gleich bleiben wird."

Eva, 23

Foto: brett jordan | Flickr | CC BY 2.0

"War haben uns tatsächlich auf Facebook kennengelernt—nachdem wir beide neu in der Stadt waren, haben wir über eine Gruppe für frisch Zugereiste versucht, Freunde zu finden. Ein halbes Jahr später wurde schließlich mehr daraus. Dass zwischen uns ein Altersunterschied von 12 Jahren liegt, war für uns beide anfangs eine sehr große Hürde, da wir glaubten, auf unterschiedlichen Ebenen unseres Lebens zu sein. Aber es fühlte sich richtig an, also haben wir es ausprobiert. Und, naja, wie man sieht, war es das einzig Richtige, es zu 'riskieren'.

Das mit dem Heiraten war dann so: Wir wurde immer öfter gemeinsam auf Hochzeiten eingeladen und irgendwann haben wir auch begonnen, uns mehr und mehr mit dem Thema auseinanderzusetzen. Irgendwann kam dann plötzlich der Antrag und dann war auch recht schnell klar, dass wir nicht lange warten wollen würden. Wir haben schließlich im kleinen Rahmen 'Ja' gesagt und unseren Hochzeitstag abends in gemütlicher Runde zuhause mit Freunden ausklingen lassen.

Ich habe den Mann, mit dem ich alt werden möchte, nun mal recht früh in meinem Leben getroffen und inzwischen wissen wir, dass wir auch in schwierigen Zeiten zueinanderhalten. Warum wir also geheiratet haben? Auch wenn es kitschig klingt, aber der Grund ist einfach: Weil wir uns lieben. Außerdem hat mein Papa gesagt, ich dürfe den nicht mehr loslassen."

Julia, 26

"Den Antrag hat er mir vor ungefähr einem Jahr bei einem Grillfest bei seiner Familie in Bayern gemacht. Meine Eltern und meine Schwester waren auch dabei. Es passierte im engsten Kreis und war unfassbar schön, er ist sogar auf die Knie gegangen!

Wir wussten relativ früh, dass wir heiraten und eine Familie gründen wollen. Unser Beweggrund war und ist der aus meiner Sicht einzig wahre Grund—die Liebe. Wir haben unsere Seelenpartner gefunden und wollten dieses Glück mit unseren Liebsten feiern. Da wir auch nur standesamtlich geheiratet haben, fällt der traditionelle Brauch sowieso weg—und das ist auch gut so. Ich kann's nur jedem, der sich aufrichtig liebt, empfehlen. Es war ganz großartig."

Nicole, 25

"Ich war 23, als ich geheiratet haben, meine Mann war 27. Wir waren zum damaligen Zeitpunkt vier Jahre lang zusammen. Was meiner Ansicht nach ein wichtiger Faktor war—beziehungsweise immer noch einer ist—ist die Tatsache, dass wir beide keine Studenten sind. Je nachdem, ob man noch in Ausbildung ist oder schon arbeitet, unterscheiden sich die Lebensstile meiner Meinung nach doch gravierend.

Mein Mann ist Meister und hat seinen eigenen Handwerksbetrieb, ich bin ausgebildete Buchhalterin und arbeite inzwischen in seinem Betrieb mit. Mit 26 hat er sich selbstständig gemacht und uns war immer klar, dass das nur funktionieren würde, wenn ich ihn bei diesem Vorhaben zu 100 Prozent unterstützen würde. Dazu gehörte für ihn allerdings auch, rechtlich alles auf eine Schiene zu bringen, sprich: zu heiraten.

Geplant wurde das Ganze rund um den Besuch meiner amerikanischen Gasteltern, bei denen ich eineinhalb Jahre gelebt habe. Ich wollte, dass mein Gastpapa mich gemeinsam mit meinem Vater zum Altar führt. Leider wollte es das Schicksal anders und sie konnten letztendlich nicht kommen—wobei die Hochzeit sowieso ganz anders verlief, als geplant: An dem Tag, an dem ich mein Kleid kaufen wollte, nachdem die Einladungen bereits verschickt waren, habe ich erfahren, dass ich schwanger war. Somit wurde aus einer ordentlichen Sause am See eine 'Kärntner Hochzeit'—sagt man bei uns so, wenn die Braut schwanger ist. Und ich war immerhin im achten Monat."

Christina, 25

Foto: Billy Bob Bain | Flickr | CC BY 2.0

"Die Wahrheit ist: Ich habe mich verlobt, ohne wirklich zu wissen, warum ich überhaupt heiraten will, auch wenn ich schon länger ein Gefühl hatte, dass es Zeit für eine Art Vertiefung der Beziehung wird. Es war recht spontan und hatte etwas mit nächtlichem Übermut und am Wegrand stehenden Kaugummi-Automaten zu tun. Zum jetzigen Zeitpunkt bin ich aber verdammt glücklich darüber, dass ich in der besagten Nacht nicht nur Kaugummis, sondern überraschenderweise auch einen Plastikring in der Hand hatte.

Anfangs etwas abschreckend fand ich, dass mir so viele Leute von früher gratuliert haben. Menschen, mit denen ich nichts zu tun haben möchte und die ganz andere Lebensmodelle verfolgen. Darum ist ein kleiner Beweggrund für mich, 'gegen das System' zu heiraten: Ich will keine Ehe wie meine Eltern oder meine ehemaligen Dorfnachbarn. Und das wird auch jeder spüren. Sich das Ja-Wort zu geben, muss nicht automatisch heißen, sich in total verkrustete Beziehungsmodelle zu begeben.

Der wichtigste Grund fürs Heiraten ist für mich aber ein romantischer, sentimentaler—ich gebe meiner Beziehung einen höheren Stellenwert, auch wenn sich im Alltag und für andere spürbar nur sehr wenig verändern wird. Ich will meinem Partner mit meiner Heirat sagen: Hey, du bist derjenige, der über allen anderen steht. Du bist der, mit dem ich auch irgendwann mal ganz viele kleine Babys machen möchte. Für mich ist es wichtig, meinem Partner zu zeigen: Egal, was ich für Bullshit mache—du bist der rote Faden, der sich durch mein Leben zieht und ziehen wird."

Macht Franz einen Antrag auf Twitter: @FranzLicht


Header: brett jordan | Flickr | CC BY 2.0