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Was haben Hitler, Jesus und Kiffen gemeinsam?

Am heurigen Ostersonntag fallen einige kontrastierende Anlässe zusammen. Hier ein paar Facts und Kopfschüttler zu dieser teils unheiligen Dreifaltigkeit.
17.4.14

Die Planeten stehen in der genau richtigen Konstellation, ein oberösterreichischer Dämon hat Jubiläum, ein Tischlersohn wurde mit seiner vermeintlichen Auferstehung zum allerersten Walking Dead—und das alles an diesem Sonntag, der das Ganze in dicke Ganja-Rauchschwaden hüllt.

Abgesehen davon, dass genau auf den diesjährigen 20. 4. 2014 der Ostersonntag fällt, ist da auch wie jedes Jahr Adolf Hitlers Geburtstag sowie ein definitiv schönerer Anlass: der international im Kifferkalender groß angestrichene 4:20 Tag. Kiffen mag jeder, Jesus mögen auch viele und Hitler ganz wenige. Aber die mögen wir wiederum nicht. Versuchen wir zusammen irgendwie einen roten Faden durch diese grundverschiedenen Ausbildungen unserer wahnsinnigen Menschheit zu finden.

Von Rihanna gibt es ganz schön viele Bilder, in denen sie sich mit Blunts räkelt. Einfach mal „Rihanna Blunts" googeln.

Nur weil ein paar Stoner, die selbsternannten „Waldos", sich Anfang der 70er immer um 4:20 bei einer Statue von Louis Pasteur getroffen haben, hat sich der 20. April zu einer Legende und zum Synonym fürs Ganja-Verstecken entwickelt—und schon ist die Osterrelation ist hergestellt.

Unsere Rubrik Jeden Tag 4/20 erzählt genau das und was wir über Weed und Leute noch nicht wussten. David hat auch schon die moderne österreichische Anbaukultur durchleuchtet. Es ist schließlich immer die richtige Zeit für einen Blunt. Darum hier noch mal „eine" Erklärung zu 4:20 aus der Serie Code Monkeys, eine Überfüllung an Pixel-Retro, die man über die Feiertage durchaus Bingewatchen kann, die aber eben nicht viel mehr hergibt als verkifften Humor und Fickwitze. In Italien ist die Show sehr erfolgreich.

Ich bin katholisch aufgewachsen und weiß natürlich, dass Jesus zu Ostern seine Auferstehung feiert. Den liturgischen Überlieferungen nach, hat er ja beim Weg ins Himmelreich ziemlich gelitten. Manchen Menschen reicht es darum nicht, sich den Magen aufopfernd am Osterbraten zu verrenken—sie wollen die Leiden ihres Heilands nachempfinden. Peitsche, Fesseln und offene Wunden auf dem Kreuz. Das hat was Masochistisches und auch fast Sexuelles—da es Flagellation, Streckbänke für die intime Heimkreuzigung und ähnliche Praktiken auch in der Bondage- bis S&M-Szene gibt. Manche lassen sich lediglich wegen der Aufmerksamkeit oder aus PR-Zwecken ans Kreuz nageln.

Auch wenn es keine Ostertradition ist, sondern das Vegetarier-Festival in Phuket, Thailand, wäre es für geneigte Selbstbestrafer-Christen eine Art den Gründonnerstag zu feiern.

Es gibt einige wahrhaftig blutrünstige Ostertraditionen, die eben meist mit Selbstkasteiung zu tun haben. So lassen sich in den Philippinen die Leute, die am nächsten Tag vor dem Nachbarn damit angeben wollen, wie gläubig sie sind, ans Kreuz nageln. Vielerorts in Südamerika wurden die Extremen dieser Inszenierung des Leidenswegs und der Passion verboten. Aber die Philippinen haben sich die Verwendung echter Nägel noch erkämpfen können. Gratulation.

Auf der Insel Chios in Griechenland gibt es den ähnlich sinnfreien Brauch. Am Samstag vor dem Ostersonntag beschießen sich die Schäfchen der Sankt Markus Kirche und die Gemeinde der ein paar hundert Meter entfernten Kirche der Jungfrau Maria Erethianis gegenseitig mit Feuerwerksraketen.

Den thematischen Übergang von „Zurückschießen" und blutigem Fanatismus zu Adolf Hitler, kann man durchgehen lassen. Das furchtbarste Problemkind unserer Nation würde diesen Ostersonntag runde 125 Jahre alt werden. Manche Idiotenautoren behaupten ja, er hätte bis 1984 in Brasilien gelebt, aber das ist sogar mir—der gerade einen Artikel über den Zusammenhang von Ostern, Hitler und Kiffen schreibt—, zu absurd.

Zum Glück ist die Gefahr klein, dass es zum 125. Jubiläum von Hitler einen dieser nervigen TV-Rückblicke gibt, in denen Ingo Appelt, DJ Ötzi, Badesalz oder andere deutschsprachige B-Celebritys vor einem Greenscreen mit NSDAP-Einspielungen über „damals" witzeln. Das erinnert mich direkt an die Sammlung von verschiedensten Werbekampagnen, in denen der Ex-Führer die Kaufkraft der Deutschen mobilisieren sollte. Wir merken hier aber viel mehr, dass er eine abartige Provokationsmaschine mit Antichrist-Aura und einfach nur Click-Bait geworden ist. Ich wage einen verschmitzten Blick auf unsere Headline.

Laut eines Archivs aus München verbrachte Hitler seinen 35. Geburtstag im Gefängnis, wegen Kleinigkeiten wie dem bayrischen Putschversuch und Hochverrat. Adolfs Entscheidung mit der Invasion Polens den 2. Weltkrieg loszutreten, kam ihm bei den megalomanischen Feierlichkeiten seines 50. Geburtstags. 50 Limousinen fuhren durch Berlin und ein Heeresaufmarsch, wie sie vergleichbar heute nur noch in Nord Korea zelebriert werden, hat ihn offenbar inspiriert Europa zu verwüsten.

Ein Fake-Foto von Hitler, das schon einige Runden im Netz gemacht hat und erstaunlich gut in das heurige Feiertagsarrangement passt. (Bild von Flickr)

Manche feiern den beschissensten Diktator der Weltgeschichte aber lieber als Jesus. Wie die Huffington Post Chicago berichtet, waren am 20.4.2011 um die 60 Leute in einem Festsaal der Windy City versammelt um Adolfs 122. Geburtstag zu zelebrieren—und bei dem Anlass auch gleich den Beginn des amerikanischen Sezessionskriegs mitzufeiern. Neben Hakenkreuz-Bannern gab es Geburtstagstorten mit Aufschriften wie „Happy Birthday Adolf Hitler" und „The South Was Right. White Men Fight." Ein Mann mit Rucksack hat, nachdem er nach Angaben der Polizei einen Käsetoast bestellt hat, eine Rauchbombe in der Toilette gezündet.

Weniger Schadenfreude erzeugen die Berichte aus Österreich, wenn Hitlers Geburtstag jährt. 2012 hat der Linzer FPÖ-Sicherheitsstadtrat Detlef Wimmer beispielsweise typisch feig-zynische FB-Postings wie „Heut strahlt die Sonne ja besonders schön. Muss wohl ein wichtiger Tag sein" und „Nicht vergessen, der Chef hat heute Geburtstag" geliket. Lächerlich und gleichzeitig eine Frechheit, dieses schelmische Glorifizieren von Nazitum. In anderen Kaffs wird der Hitlergruß zur Zeit verwendet, wie anderenorts Fistbumps, und meistens von Menschen, die mindestens eine Generation zwischen Nazideutschland und ihrer Geburt aufweisen.

Es ist traurig, aber zum Glück organisieren sich Gruppen wie Braunau gegen Rechts mit Demos und Sticker-Aktionen proaktiv, damit ihre Stadt nicht zur Glatzenpilgerstätte mutiert—nur weil da mal ein rechtsextremes Arschloch und Maskottchen für Intoleranz geboren wurde. Die rechte Szene der Region hat aber zurückgeklebt oder besser gesagt überklebt, mit Stickern wie „NS-Zone", „Deutschland Multikulti—wir bleiben braun" und „Nationale Sozialisten Deutschland". Da hilft nur noch Kopfschütteln und Eierpecken.

Wie sich letztlich Weed, Hitlers Birthday und der Stairway to Heaven von Gottes Sohn wirklich miteinander vereinen lassen, könnt ihr euch dann lautstark diskutierend bei diesen Events ausmachen:

DONNERSTAG:

Wenn der Grinch Weihnachten klaut, vielleicht will er auch Ostern haben?! Egal Hauptsache grantig. Um 23:00 geht es los im Opera Club mit #grinchcore - Prost Internet 1.1. DJSafeforwork, DjP4ri$L4d¥ und Forever Trax legen auf bei dieser Feier gegen Feiertage.

FREITAG:

Wenn ich wiederauferstehen müsste, dann in der Pratersauna, Waldsteingartenstraße 135, 1020 Wien. ERESURECTION hat alle Vorzüge eines Karfreitags: Gratis Eintritt und überzeitgemäße Werke namenhafter Künstler wie Diamond Terrifier (live), Wieland Speck, Hans Fädler, Artur Singer, Peter Weibel, Edgar Retro, Selina de Beauclair, Paul Divjak, Conny de Beauclair, Marianne Vlaschits, Martin Grandits und Milan Mladenovic. Das alles wird kuriert von Aram Haus.

Einlass ist ab 20:30 und um 21:00 geht es los.

SAMSTAG:

Motsa lieben wir uns die Grelle Forelle auch, deswegen heute zu Schönbrunner Perlen mit ebenjenem, genau dort hin.

SONNTAG:

10 Jahre Urban Vibes im Volksgarten. Montag ist Feiertag, deshalb kann und sollte man da auch hingehen.

MONTAG:

Nach den elterlichen Fressorgien und der folgenden Gastritis schauen wir ins rhiz zum DORCELCIUS. Elektroniker verknoten Optik und Sound, um mit Trance die Welt zu retten. Popsimonova macht uns im Alleingang Laptop-Musik und Jessica93 dafür dann auch noch die Vorstadt-Brittney. Grunge Dance Machines und Psychotropen. Gute Mischung.

Wohlsein

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