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Warum WGs das Beste sind, das dir passieren kann

Es ist immer was los und im Zweifelsfall hat irgendjemand anderes schon Alkohol eingekauft—warum sollte überhaupt jemand alleine wohnen wollen?

von Sophie Claassen
24 Februar 2015, 6:02am

Screenshot: YouTube

Das Zusammenleben mit Anderen kann sich oft schwierig gestalten. Die meisten von uns haben zumindest bis zu ihrem 18. Lebensjahr mit Menschen zusammen unter einem Dach gewohnt, mit denen sie Stammbaum und Gene teilen, aber oft nicht viel mehr. Der Schritt in die Freiheit ist ein erhabenes Gefühl, doch der Traum von der eigenen Unabhängigkeit zerplatzt schnell, wenn er auf die graue Realität trifft. Spätestens dann, wenn du am Wochenende allein rumhängst und feststellen musst, dass der Kühlschrank leer ist und keiner von deinen Freunden ans Telefon geht, weil sie Besseres zu tun haben.

Dann, wenn sich die soziale Interaktion mit anderen Menschen auf die Kommentarspalten bei Facebook beschränkt und du dir stundenlang Serien im Internet reinziehst, in denen die Leute ununterbrochen miteinander reden, nur nicht mit dir. Der Entschluss, deinen Alltag und die eigenen vier Wände mit anderen zu teilen verspricht sicherlich keine pure Harmonie, dafür macht er dein Leben um einiges spannender. Die Gründe hierfür findest du in unseren fünf unschlagbaren Vorteilen des WG-Lebens.

Zugezogen und trotzdem nicht sozial isoliert

Das Leben in der Großstadt ist nicht einfach, besonders dann, wenn man neu zugezogen ist. Zwar kannst du tun und lassen, was du willst, ohne dass irgendjemand es mitkriegen würde, aber die Anonymität der Großstadt führt auch schnell zur Einsamkeit. Falls dieses Gefühl so weit fortgeschritten sein sollte, dass dir der Gedanke, alles hinzuschmeißen und wieder bei deinen Eltern einzuziehen, auf einmal ziemlich verlockend erscheint, ist es also höchste Zeit, dir eine WG zu suchen. Nichts hilft besser dabei, neue Leute kennenzulernen, als mit ihnen die Adresse und das Badezimmer zu teilen. Und mit etwas Glück findet ihr darüber hinaus auch noch ein paar mehr Gemeinsamkeiten.

Nie wieder Tütensuppen-Diät aus Geldmangel

Foto: Maik Meid | Flickr | CC BY-ND 2.0

Die Zeiten, in denen WG-Zimmer so billig waren, dass man sie ohne Probleme mit dem Lohn eines schlecht bezahlten Studentenjobs finanzieren konnte, sind endgültig vorbei. Doch obwohl die Mieten in den letzten Jahren in Großstädten wie Berlin oder Hamburg genauso wie in kleinen Studentenenklaven wie Münster oder Erlangen deutlich in die Höhe geschossen sind, und man in München inzwischen sogar durchschnittlich mehr als 500 Euro für ein paar Quadratmeter hinblättern muss, ist ein WG-Zimmer immer noch billiger und einfacher zu finden als eine eigene Wohnung. Im Hinblick auf die aktuelle Lage auf dem Wohnungsmarkt ist es außerdem fairer, die heiß umkämpften Single-Wohnungen denjenigen zu überlassen, die sie wirklich nötig haben: Menschen, die älter und sozial viel inkompetenter sind als du.

Ein weiterer finanzieller Vorteil besteht darin, dass du dir beim Einzug in eine WG nicht einen ganzen Hausstand zulegen musst und dir das Geld für lästige Anschaffungen wie Töpfe, Pfannen, Kaffeemaschinen oder Kühlschränke sparst. Auch bei kleineren Dingen können sich gut ausgestattete Mitbewohner als sehr nützlich erweisen. Wenn dir die Zigaretten ausgehen, kannst du bei deinem Zimmernachbarn fragen und musst nicht extra zum nächsten Kiosk rennen. Wenn dein Shampoo alle ist, gibt es mindestens eine Alternative im Badezimmerschrank, und wenn du jemanden abgeschleppt hast und im entscheidenden Moment feststellst, dass keiner von euch beiden Kondome hat, finden sich bestimmt noch welche beim Mitbewohner in der Sockenschublade.

Die Party kommt zu dir nach Hause

Foto: Grey Hutton

Machen wir uns nichts vor: Höchstwahrscheinlich ist es deine unsichere finanzielle Lage, die deine Entscheidung, in eine WG zu ziehen, nicht unerheblich beeinflusst hat. Wenn es dir dein Kontostand also nicht ermöglichen sollte, dein Geld in teure Drinks, Club-Eintritte und die anschließende Taxifahrt nach Hause zu investieren, ohne am nächsten Tag mit Kopfschmerzen und Tränen in den Augen in die gähnende Leere deines Portemonnaies zu starren, kannst du trotzdem eine Menge Spaß haben. Dafür musst du nicht einmal das Haus verlassen. Alles, was du brauchst, sind ein Kasten Bier, ein paar feierwillige Mitbewohner und ein paar Boxen für deinen Laptop.

Mit diesen wenigen Requisiten lässt sich ein gemütliches Beisammensein in der Küche problemlos in eine gelungenen Abend verwandeln. Eine richtige WG-Party erfordert etwas mehr Vorbereitung, ist die Mühe aber in jedem Fall wert. Wenn du aus dem Grund, das harmonische Zusammenleben nicht zu gefährden, sexuelle Kontakte zu deinen Mitbewohnern ablehnst, kannst du immer noch mit ihren Freunden oder Bekannten ins Bett gehen. So kannst du Sex mit einem Fremden haben, ohne dass du dich vorher rausbewegen musst oder dir auf Tinder die Finger wund wischst. Perfekt.

Soziale Kompetenz statt Egomanie

Ein friedliches Miteinander unter den Menschen auf dieser Erde ist eine Utopie. Länder werden annektiert, ganze Völkergruppen aus ihrer Heimat vertrieben und Menschen dafür umgebracht, dass sie den Glauben oder die Meinung eines anderen nicht teilen. Die persönlichen Interessen einzelner Egomanen machen die Welt zu einem Schlachtfeld. Grund genug, es im Kleinen besser zu machen. Wer mit anderen zusammenlebt, lernt seine persönlichen Interessen zu verteidigen, aber auch, die seines Gegenüber zu akzeptieren.

Das WG-Leben bietet jedem, dessen soziale Ader nicht vollkommen verödet ist, die Möglichkeit, seine zwischenmenschlichen Fertigkeiten zu verbessern. So kannst du, indem du nach dem Essen dein Geschirr abwäschst und nicht stundenlang das Bad blockierst, schon dabei helfen, diese Erde zu einem ein ganz klein bisschen besseren Ort zu machen. Im Gegensatz zum Leben in einem Single-Haushalt verringert das tägliche Miteinander außerdem erheblich die Gefahr, kauzig und egozentrisch zu werden oder tagelang tot in der Wohnung zu liegen, ohne dass es jemand merkt.

Leute lernen, dein wahres Ich zu lieben

Eine WG ist der perfekte Ort, um—ganz unauffällig und diskret—gehaltvolle Studien über die Natur des Menschen durchzuführen. Vielleicht lassen sich an der Zeit, die dein Mitbewohner täglich auf seine Körperhygiene verwendet, oder an der Art, wie er sein Frühstücksbrötchen schmiert, verblüffende Rückschlüsse auf seinen Charakter ziehen. Das Zusammenleben gibt uns den Blick frei auf andere Menschen, wie sie wirklich sind. Fast niemand ist dazu in der Lage, über mehr als zwei Wochen eine perfekt inszenierte Show abzuziehen und den anderen ein unglaublich interessantes, immer spannendes Leben vorzuspielen.

Die Maske fällt und was übrig bleibt, ist ein Alltagswesen, das morgens die Milch überkochen lässt und sich abends im Bett Ravioli aus der Dose reinschaufelt und dazu Galileo schaut. Das Gute daran ist, dass auch du niemandem etwas vorspielen musst. Jeder braucht die Möglichkeit, sich zu Hause entspannen zu können, und es ist ein schönes Gefühl, wenn Menschen immer noch mit dir befreundet sein wollen, obwohl sie dich faul, krank, verheult, verkatert oder aus Versehen auf dem Klo gesehen haben.

Zusammen ist man weniger allein

Foto: Gergana Petrova

Selbst der überzeugteste Einzelgänger wird zugegeben müssen, dass es Dinge gibt, die du zweit einfach mehr Spaß machen als allein. Einen Kasten Bier die Treppe rauftragen, zum Beispiel. Vieles geht einem einfacher von der Hand, wenn man nicht ausschließlich auf sich selbst angewiesen ist. So wie es leichter fällt, an einem Sonntagmorgen das Bett zu verlassen, wenn schon jemand anders in der Küche den Kaffee gekocht hat. WGs sind kein 5-Sterne-Hotel und auch keine Ersatzfamilien, sie sind viel besser. Schon alleine, weil es sich im besten Fall um einen Zusammenschluss gleichberechtigter Menschen handelt, die mehr miteinander teilen als eine Wohnung, die sie sich alleine niemals leisten könnten.

Natürlich bringt auch das Zusammenleben Probleme mit sich. Konflikte, die darüber hinausgehen, wer seine Stromrechnung nicht bezahlt hat oder wer wann den Müll runter bringt, aber diese Konflikte sind es wert. Das Leben in einer WG gleicht einer Seifenoper. Vielleicht nicht einer mit den besten Requisiten oder den talentiertesten Schauspielern, aber immerhin einer Seifenoper, in der du selbst eine der Hauptrollen spielst und das Geschehen beeinflussen kannst, anstatt nur zuzusehen. (Serien wie Friends oder How I Met Your Mother wären wohl kaum so erfolgreich, wenn es darin um allein lebende Leute ginge, die zu Hause vor dem Fernseher sitzen.) Im Idealfall ist eine WG ein Zuhause, in dem sich immer jemand findet, mit dem du reden, kochen, feiern oder nur zusammen rumhängen kannst, und der dich vermisst, wenn du nicht da bist. Ein Zuhause ist erst ein richtiges Zuhause, wenn jemand da ist, der darauf wartet, dass du nach Hause kommst.