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Eine Geschichte der ungewollten LSD-Trips

Rachsüchtige Schüler, menschenverachtende Experimente der CIA und die Beatles—wir erklären euch, wem wann und warum schon Drogen untergemischt wurden.
25.11.14
Bild von roten Pupillen

Im März kauften Ronnie Morales und seine Freundin Jessica Rosado in einem Walmart in Tampa für sich und ihre zwei Kinder Steaks, die angeblich mit LSD versetzt worden waren. Über den anschließenden Familienurlaub, während dessen die im neunten Monat schwangere Rosado ihr Kind zur Welt brachte, berichteten US-Medien flächendeckend. Acht Monate danach weiß immer noch niemand, wo das LSD herkam. Die Polizei von Tampa hat die gesamte Lieferkette vom Schlachthaus bis zum Supermarkt überprüft, doch die Ermittlungen lieferten keine Ergebnisse.

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Die Geschichte über die Walmart-Steaks ist verwirrend: Unter anderem hätte die Droge eigentlich unschädlich gemacht werden müssen, als die Steaks gebraten wurden (denn LSD verträgt keine Hitze). Es scheint somit wahrscheinlicher, dass die Droge sich im Wasser oder einer Beilage befand und nicht im Fleisch.

Die mysteriösen Geschichten über mit LSD versetzte Getränken und Nahrungsmittel reicht Jahrzehnte zurück und jedes Mal gibt es irgendwelche Ungereimtheiten. Zwischen Untermischen und Verzehren gibt es häufig einen zeitlichen und örtlichen Abstand, der Motive verzerren und für falsche Schuldzuweisungen sorgen kann.

MKULTRA – Das Gedankenkontrolle-Projekt der CIA, 1953

Als der ehemalige CIA-Agent Sidney Gottlieb 1999 starb, hielt man sein als MKULTRA bekanntes Projekt nicht mehr für eine weit hergeholte und absurde Verschwörungstheorie. Stattdessen stellte es sich lediglich als weiteres trauriges Kapitel im großen Buch der kranken Sachen heraus, die sich die amerikanische Regierung über die Jahre hat zu Schulden kommen lassen. Im Wesentlichen hatte sich die CIA gedacht, dass man LSD hervorragend zur Gedankenkontrolle und für Verhöre einsetzen könne, wenn es die Wahrnehmung verändert.

Das Ergebnis davon waren schreckliche Experimente, während derer viele Menschen, einschließlich der Freier von Prostituierten in San Francisco, und Patienten in psychiatrischen Kliniken und einer französischen Kleinstadt unfreiwillig LSD verabreicht bekommen haben. Nur wenige von ihnen hatten Spaß dabei.

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Der vielleicht interessanteste Einzelfall einer CIA-LSD-Untermischung ist die Geschichte von dem Militärwissenschaftler Frank Olson. Eines Abends bot ihm ein Kollege ein Glas Cointreau an. Olson ging davon aus, dass es sich um normalen Orangenlikör handelte und trank das Glas leer. Der Story zufolge sprang Olson während des darauffolgenden Trips aus dem Fenster (weil er glaubte, dass er fliegen könne) und stürzte in den Tod.

Andere Hinweise deuten allerdings nicht darauf hin, dass Olson durch die Droge sein Ende fand. Olson hatte Probleme, er wollte seine Stelle aufgeben und war außerdem in ein gewaltsames Verhör-Experiment hineingeraten, während dessen ihm der Schädel mit einem Pistolengriff eingeschlagen wurde. Das LSD war also nur einer von vielen Stressfaktoren, mit denen er in jenem Monat zu kämpfen hatte. So sprang er dann auch erst neun Tage nach seinem LSD-Trip in den Tod.

Der Beatles-Zahnarzt und der Kaffee mit LSD-Schuss, 1965

1965 geschah etwas, an dem die Beatles, ein Zahnarzt und Kaffee beteiligt waren—wir werden aber wohl nie erfahren was. Die Berichte stammen von den beiden bereits verstorbenen Beatles und deren Geschichten widersprechen sich etwas. Um es kurz zu machen: Ein Zahnarzt namens John Riley bot John Lennon, George Harrison und ihren Ehefrauen mit LSD-versetzten Kaffee an, möglicherweise ohne ihnen zu sagen, worum es sich handelte. Das Beste an der Version von Harrison ist der Teil über die angeblichen sexuellen Hintergedanken von John Riley:

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„Ich bin mir sicher, dass er dachte, es sei ein Aphrodisiakum. Ich kann mich daran erinnern, dass seine Freundin riesige Brüste hatte. Ich glaube, dass er darauf hoffte, dass wir eine Orgie feiern würden und jeder jeden nageln würde."

Abgesehen von dieser Theorie ist aber nur das Übliche passiert, was bei Trips eben so passiert: Zu glauben, dass der Fahrstuhl in Flammen steht, Harrisons Frau, die versucht, ein Fenster einzuschlagen, und sehr langsames Autofahren (setzt euch bloß nicht hinters Steuer, wenn ihr auf LSD seid). Es ist aber besser, wenn ihr die Geschichte von den Beatles mit ihrem ulkigen Akzent hört:

Ken Keseys Electric Kool-Aid LSD-Experimente, 1968

Einer der Hauptakteure, die aus einer angsteinflößenden, zur Waffe gewordenen Chemikalie ein Grundnahrungsmittel der Gegenkultur machte, war Ken Kesey—unter anderem der Autor von Einer flog über das Kuckucksnest. Tom Wolfe hielt in seinem bahnbrechenden Buch von 1968 fest:

„Dieses neue LSD-Ding in San Francisco und L.A. mit den verkorksten Kindern und dem Delirium-Rock-and-Roll erweckte den Eindruck, dass die Bedrohung durch LSD sich wie ein Lauffeuer unter den Jugendlichen verbreitet hat—was tatsächlich der Wahrheit entsprach. Nur wenige waren sich klar darüber, dass der Ursprung all dessen Kesey und die Merry Pranksters waren."

Ich weiß, Ken Kesey ist einer eurer Helden, aber die Sache ist die: Wenn ihr dieses Buch lest und eure Erinnerung an das auffrischt, was Kesey und seine Merry Pranksters damals veranstaltet haben, dann werdet ihr zugeben müssen, dass das irgendwie scheiße war. Sie haben den Leuten nicht erzählt, dass sie ihnen LSD einflößen. Sie haben ihnen noch nicht einmal erzählt, was LSD ist (zu der Zeit wusste das ja niemand so richtig). Wenn Leute zum Magic Bus kamen, hielt man ihnen einfach Kool-Aid hin und sagte ihnen, dass sie es austrinken sollen.

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Wer den Test nicht bestand und einen schlechten Trip hatte, wurde über ein Mikrofon aufgenommen und die Merry Pranksters übertrugen dann über Lautsprecher, was die völlig verstörten Menschen von sich gaben. Einige der Pranksters fingen an daran zu zweifeln, ob das, was sie da verzapften, moralisch vertretbar war—wohl auch deshalb, weil diese Aktionen so offensichtlich fragwürdig waren.

Die Ära des „Horrors an unseren Schulen", 1970 bis 1998

In den 1970ern und 1980ern entstanden zahlreiche Urban Myths und zwar nicht nur darüber, dass LSD euch umbringen kann, sondern auch die Geschichten über Perverslinge, die versuchen könnten, das Zeug euren Kindern unterzumischen. In Anbetracht der Tatsache, dass LSD teuer ist (zwischen acht und zwölf Euro für einen Trip, sofern ihr nicht bei einem Festival abgezockt werdet), macht das keinen Sinn. In den 70ern wurden Flyer verteilt, die Eltern vor Abziehklebetattoos warnen sollten, die angeblich mit LSD präpariert waren und die Kinder heimlich high machen sollten. Totaler Schwachsinn. Was hat man denn bitte davon, wenn man Kinder unter Drogen setzt, damit sie sich merkwürdig verhalten. Die verhalten sich sowieso merkwürdig.

In den 1990ern jedoch, als LSD sich wieder wachsender Beliebtheit erfreute, kam es in der Tat vor, dass in Schulen Getränke mit LSD versetzt wurden. Bei den meisten der Opfer handelte es sich allerdings um Lehrer, nicht um Schüler. 1996 wurde in Florida die Limonade der Englischlehrerin Linda Woodard mit LSD versetzt, doch jemand warnte sie, nachdem sie lediglich einen Schluck genommen hatte. Sie gab an, dass ihr übel war und sie sich etwas orientierungslos fühlte, doch sie hatte keine Halluzinationen und die Kinder wurden wegen eines schweren Verbrechens angeklagt.

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Laut eines Artikels in der Los Angeles Times mischte ein 13-jähriger Schüler aus San Diego 1997 seinem Lehrer LSD in den Eistee—als Rache für eine schlechte Note.

1998 berichtete CNN über eine Gruppe von Grundschülern, die ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten, nachdem sie ein Fläschchen von mit LSD versetzten Ice Drops in die Finger bekommen hatten. Während der LSD-Renaissance in den 1990er Jahren war das tatsächlich eine übliche Methode, um die Droge für den Konsum vorzubereiten. Von daher wird es sich in diesem Fall wohl um eine Verwechslung und nicht um ein heimtückisches Untermischen gehandelt haben.

Skream und Ben Fogle bekommen LSD verabreicht, 2013

Für manche Menschen ist es keine große Sache, wenn sie plötzlich ohne ersichtlichen Grund anfangen zu halluzinieren. Sie gehen einfach davon aus, dass jemand ihnen LSD untergemischt hat und machen einfach weiter mit dem, was sie gerade so tun. So scheint es gewesen zu sein, als dem britischen Dubstep-Künstler Oliver „Skream" Jones LSD untergemischt wurde, kurz bevor er ins Flugzeug stieg. Es scheint nicht gerade so, als ob der Mann ein Trauma davon getragen hat:

Ganz anders ist es Ben Fogle, einem britischen Fernsehstar, ergangen. Jemand hatte ihm LSD untergemischt, als er an einem Abend unterwegs war. Nachdem er nach Hause kam und eines seiner Kinder ins Bett gebracht hatte, fühlte er sich plötzlich seltsam. Als er sein zweites Kind hochnahm und sie sich „unglaublich leicht anfühlte, leicht wie ein Reiskorn", fing er an durchzudrehen, weil er überzeugt war, dass er sterben würde. Er musste im Schlafzimmer eingeschlossen werden, bis der Krankenwagen kam und ihn ins Krankenhaus brachte. Über den Witzbold, der ihm das angetan hatte, sagte Fogle dem Mirror: „Das werde ich ihm niemals verzeihen."

Solange es Pipetten, Streiche spielende Scherzkekse und LSD gibt, wird Leuten gegen ihren Willen auch LSD verabreicht werden. Das ist keine schöne Sache. Ein Trip kann eine lustige oder sogar übersinnliche Erfahrung sein, aber wenn ihr anfangt zu halluzinieren, ohne bewusst Drogen genommen zu haben, dann werdet ihr natürlich glauben, dass etwas Furchtbares mit euch geschieht. Mal abgesehen davon, dass es sich um eine Verschwendung von LSD handelt.