Anzeige
Stuff

10 Unterhaltungen, die du nach deinem Studium nie wieder führen wirst

Wenn du noch so richtig ahnungslos, betrunken und idealistisch bist, dann kommen dabei Unterhaltungen heraus, die du dein Leben lang nicht vergessen—aber irgendwann nicht mehr führen—solltest.

von VICE Staff
11 Mai 2015, 6:00am

Foto: Jake Lewis

Die Universität. Gibt es einen besseren Brutkasten für Ideen? Eine viertelstündige Kaffeepause in der Mensa wird vielleicht zu einer einstündigen Unterhaltung über Gesellschaftstheorie mit dem Mädchen, das nie Schuhe trägt. Eine Stippvisite im Studentenwohnheim des Drogendealers deiner Wahl kann zu einer langen, langen Unterhaltung über die Vorstellung werden, dass—stell's dir nur mal vor—wir alle in einem Computer leben. Universitäten sind Orte des Experimentierens, wo Jugendliche verschiedene Erwachsenenhäute anprobieren, um herauszufinden, welche ihnen passt. Eine Woche versuchst du noch, dich endlich mal für Weißwein zu begeistern, und in der nächsten versuchst du schon, mit einem Verkehrskegel auf dem Kopf ernste Diskussionen über Kant zu führen.

Nach deinem Abschluss wirst du als seltsamer, kindlich-erwachsener Hybrid aus diesem tröstenden Kokon schlüpfen und in die Arbeitswelt entflattern, wo die meisten Unterhaltungen sich ums Wetter, deinen Arbeitsweg, oder die Unzufriedenheit mit deinem Job drehen. Also, Abschlussjahrgang 2015, haltet einen Moment inne, bevor ihr dieselbe Straße der Mühen entlangschreitet wie eure Vorfahren, und blickt zurück auf die Unterhaltungen, die man nur mit der Art naiven Zuversicht und dem Enthusiasmus führen kann, die Menschen während ihres ersten Studiums haben.

Die Diskussion darüber, wer der größere Alkoholiker ist

„OMG Ich bin wirklich betrunken seit sich DJ Gonzo bei der Erstsemesterparty vor drei Wochen eingeschissen hat LOL Ich bin offiziell Alkoholiker."

„Ich bin gerade betrunken. Und ich hab diese Woche nichts als Burger und Nudeln gegessen. Ich bin eine viel schlimme Alkoholikerin als du."

„Ja, aber ich bin noch vom gestrigen Restalk betrunken aufgewacht, hab mir erst mal gegen den Kater eine Ladung Wodka durch die Augen reingezogen und hab dann bei der Besprechung meiner Bachelorarbeit meinen Betreuer dazu gebracht, den Raum zu verlassen, weil ihm von meiner Fahne übel wurde."

„Ich bin seit ZWÖLF Tagen betrunken."

Wenn du erst einmal jemanden kennst, der im Suff furchtbare Dinge getan hat oder in die Entzugsklinik musste oder die von den Anonymen Alkoholikern vorgeschriebene Entschuldigungsrunde durchführen durfte—oder wenn du selbst zu dieser Person geworden bist—, dann klingen Witze über Alkoholismus plötzlich sehr viel weniger lustig. Irgendwann wirst du ganz still, wenn jemand sagt „Ich bin Alkoholiker", anstatt selbstzufrieden damit anzugeben, wie viel Captain Morgan du letztes Wochenende runtergekriegt hast.

Die Unterhaltung über das Wesen der Wahrheit

„Äh, eigentlich kannst du gar keine Vermutungen darüber anstellen, was Godards sogenannten ‚Absichten' waren, denn wie willst du überhaupt wissen, was wirklich in seinem Kopf vor sich ging?"

„Total, ich meine, was ist Kunst denn überhaupt, bis sie jemand interpretiert?"

„Dieses Sofa könnte Kunst sein, wenn ich einfach sagen würde: ‚Hey, dieses Sofa ist Kunst.'"

„Scheiße, du hast recht. So lange dir jemand glaubt, zählt es als Kunst."

„So lange jemand an etwas glaubt, ist es auch wahr. Der obdachlose Typ, der mit dieser grauenvoll aussehenden, aufgemalten Wunde rumläuft und um Geld bittet, damit er mit dem Taxi in die Notaufnahme fahren kann? Der ist im Grunde genommen mehr Künstler als Basquiat. Was ist die Welt schon, wenn nicht einfach ein Haufen Ideen, die zu glauben sich alle geeinigt haben?"

„Wenn wir übereinstimmen, dass etwas blau ist, dann ist es blau, auch wenn niemand dieselbe Farbe sieht."

„GENAU. Und alle Wörter sind einfach diese leeren Hülsen, nicht wahr? Wir füllen sie einfach mit egal was, mit unserem eigenen Blödsinn..."

Diese Art Unterhaltung ist die studentische, grasrauchgeschwängerte Version dieser Sache, die Dreijährige tun, wenn sie immer wieder „Warum?" fragen.

Die „Meine Eltern setzen mich so furchtbar unter Druck"-Unterhaltung

„Ich hab alles mit Zitaten aus der Fachliteratur belegt. Ich hab in der Quellenangabe die DIN-Norm eingehalten. Und sie gibt mir eine verdammte 1,6! Was will sie denn noch?"

„Na ja, sie hat doch geschrieben: ‚Unklare These'."

„Ihr ist Fairness bei der Benotung offensichtlich egal. Ich wette, sie ist sexistisch gegen Männer. Das wird's sein."

„Ähm ... OK. Hey, ich bin mir sicher, das wird schon passen. Ich krieg mit Glück noch eine 3,5 ..."

„Tja, du weißt halt nicht, wie es ist, Eltern mit hohen Erwartungen zu haben."

Pass auf, Kumpel: Deine Eltern wollen einfach nicht, dass du all die Jahre der Bildung, während der sie dich wahrscheinlich finanziell unterstützen, komplett in der Toilette des Studentenwohnheims runterspülst. Das macht dich nicht zu einem verdammten Kindersoldaten oder so. Vollständig Erwachsene gehen einander nicht mit ihren Noten auf den Zeiger, denn für solche Zwecke haben sie Ehen, Kinder, Jobs und Wohnungen.

Deine detaillierten Hollywood-Analysen

„Also, Rocky ist offensichtlich eine Anti-Nietzsche-Parabel—der starke Mann wird von dem Schwachen besiegt. Aber in Rocky IV wird es richtig deutlich: Der blonde Übermensch wird von dieser Personifikation der konventionellen Moralität niedergestreckt. Es ist eine Sklavenmoral, diese Vorstellung, dass der Held immer dieser arme Verlierer von nebenan sein muss. Mal ehrlich. Apollo Creed ist so offensichtlich der Coolere von beiden und der bessere Kämpfer. Er versprüht einfach Charisma. Warum feuern wir ihn nicht an? Hat er den Sieg nicht verdient? Warum sollen wir uns immer mit dem Durchschnittstypen identifizieren?"

„OK."

„Außerdem sind Tarantino-Filme rassistisch."

Falls du es noch nicht kapiert hast, habe ich hier einen Spoiler für dich: Manchmal tun megatalentierte Leute einfach Dinge intuitiv (und weil sie cool wirken), ohne in Wirklichkeit eine absurd ausgeklügelte Metahandlung konstruiert zu haben, die Pulp Fiction in einen heimlichen Wegweiser zum Sinn des Lebens verwandelt.

Jegliche ernsthafte Unterhaltung über Slavoj Žižek

„Ich finde, dieser Bernie Sanders klingt wie ein richtiger Sozialist."

„Hast du überhaupt The Sublime Object of Ideology von Žižek gelesen?"

„Äh, das meiste davon."

„Dann solltest du auch den grundlegenden Theoriefehler in Sanders' Vermutungen über den Marxismus erkennen."

„Kann sein. Kannst du meinem Gedächtnis auf die Sprünge helfen?"

„Žižek würde sagen, seine Art des Sozialismus erklärt nicht, warum eine Ware ihren Sozialcharakter bestätigen kann, sondern sie erklärt lediglich den Warencharakter des Produkts."

„Ach so, ja, absolut."

Slavoj Žižek ist ein charmanter, witziger Mann und ja, er ist der bekannteste marxistische Denker der Welt—doch wenn du nicht gerade eine Karriere in der Forschung oder in hochgeistigen Fachzeitschriften vor dir hast, dann wirst du vermutlich nie wieder so tun müssen, als hättest du ihn gelesen oder als könntest du seinen Namen aussprechen.

VIDEO: Slavoj Žižek ist tatsächlich sehr charmant und witzig. Wir haben uns mit ihm über Filme und Revolution unterhalten.

Der Masterplan für die Erneuerung der Gesellschaft / Der Optimismus der Jugend

„Ich glaube, ich hab gerade verstanden, wie man politische Korruption aus der Welt schafft."

„Echt?"

„Warum gibt es überhaupt eine Regierung? In einer direkten Demokratie könnten wir mit unseren Handys wählen. Mehrmals täglich."

„Jede Entscheidung wäre in den Händen der Bevölkerung."

„Keine Parteien, die betrügen könnten, keine Spendenaffären. Regierung von den Massen für die Massen."

„Irgendjemand müsste immer noch das sagen haben."

„Wieso?"

„Na ja, um Abkommen zu unterschreiben oder Befehle auszuführen. Wenn die Leute per Handy für Krieg stimmen würden, bräuchte es Generäle."

„Ein Wort: Roboter."

Der einzige Ort außerhalb von Universitäten, an denen diese Unterhaltung stattfindet, ist Silicon Valley, und dort findet sie jeden Tag statt.

Die Fantasievorstellung, niemals Geld verdienen zu müssen

„Weißt du was? Es ist vielleicht 3 Uhr morgens und dieses MDMA haut mehr rein als jemals zuvor im Leben ..."

„Mich auch ..."

„Aber das hier? Das hier ist echteres Glück, als man mit einer beschissenen Kreditkarte kaufen kann."

„Geld ist 'ne Falle, Mann. Es ist wie Buddhismus. Ein Kreislauf des Verlangens oder so."

„Du musst einfach nur deine eigene Farm haben. Einfach irgendwo auf leerstehendem Land oder so. Bau Karotten und Salat an—oder hey, bau Gras an—und tausch es gegen alles, was du brauchst. Noch ein Generator an ein Fahrrad anschließen ..."

„Moment, was?"

„Du kannst Geräte mit Pedalen antreiben. Bei Occupy hatten sie sowas."

Viele Leute träumen davon, eine autonome Gewächshaus-Kommunen-Farm irgendwo in der baskischen Wildnis zu starten, oder auf dem Teil von Ibiza, wo niemand hingeht, in einer Höhle zu leben. Aber nur sehr wenige gehen diesen Plänen dann nach, um sie wahrzumachen. Bald kaufst du Möbel, die nicht von IKEA sind, und Sachen für die Küche. Bald hast du ein Auto und andere Zeichen der Verantwortung. Ziemlich bald wirst du ein Haus haben und wahrscheinlich auch Kinder, und du wirst es für total gerechtfertigt halten, darüber zu motzen, wie viel Pflastersteine für den Garten kosten.

Wie die Gesellschaft junge Menschen diskriminiert

„Der Typ im Geschöft hat mich nur so blöd angeschaut, weil ich jung bin."

„Ja, totaler Quatsch. Wir können uns nicht mal ohne unsere Ausweise—die wir zwar haben, aber eben zu Hause—in diesem einen Geschäft Alkohol kaufen, aber wir können mit 16 schon in den Krieg und Leute töten."

In weniger als einem Jahrzehnt wirst du körperliches Unbehagen verspüren, wenn dir klar wird, dass alle anderen in der Bar Anfang Zwanzig sind und sich gerade auf einem Tinder-Date befinden.

Euch zusammen an etwas erinnern und dann langsam verstehen, dass ihr etwas Dummes getan habt

„Oh Mann, du warst so knülle, als du bei Minusgraden in Flipflops ausgegangen bist!"

„Ich weiß, und dann haben wir den Verkehrskegel gefunden und versucht, ihn von der Brücke zu werfen ..."

„Ja. Und dann hast du ihn gefickt. Du hast den Kegel gefickt, Mann."

„Haha! Und dann haben wir ihn einfach mitten auf der Straße stehen lassen ..."

Die Unterhaltung darüber, dass diverse Politiker „schlimmer als Hitler" sind

„Du wählst Bernd Lucke? Dann kannst du doch eigentlich gleich NPD wählen, oder?"

„Immerhin kümmern die sich um die Wirtschaft."

„Das haben sie über Hitler auch gesagt!"

Dein Hirn ist am leistungsfähigsten, wenn du jung und noch relativ unbelastet bist, aber bald wirst du einen Job haben, der dich so erschöpft, dass du abends nur noch Matsch im Kopf hast. Du wirst auch genug PolitikerInnen gesehen haben, die kamen und wieder gingen, um vom Kommen und Gehen Einzelner ziemlich unbeeindruckt zu bleiben. Für die meisten Medienkonsumenten fühlen sich Staatsoberhäupter irgendwann an wie nur eine weitere Fernsehpersönlichkeit. Irgendwann ist er oder sie dir in etwa so wichtig wie Micaela Schäfer.

Tagged:
uni
Hitler
nostalgie
Universität
Studium
Studenten
Alkoholismus
SLAVOJ ZIZEK
unterhaltungen
Vice Blog
Erwachsenwerden
Uni-Abschluss
Bescheuerte Dinge die Studenten sagen