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Ich habe eine Woche Tagebuch geführt und es mit meinem Horoskop verglichen

Sämtliche Tageszeitungen wissen ja schon im Vorhinein, wie unser Tag sein wird. Ich habe eine Woche lang ein Tagebuch geführt und es danach mit den Tageshoroskopen verglichen.
28.4.15
Grafik: VICE Media

Ich bin 23 Jahre alt, studiere Soziologie und bin allgemein eher ein Realist. Trotzdem stehe ich auf Horoskope. Und ja: Ich weiß, dass es für viele Bullshit ist. Ist es für mich ja auch, zeitweise. Also ich versuche nie, Menschen davon zu überzeugen—für mich ist Astrologie eine Glaubenssache. Umgekehrt versucht man mich schon immer davon zu überzeugen, dass eine meiner liebsten Freizeitbeschäftigungen unreflektierte Kinderverarsche ist. Danke, weiß ich eh. Ich glaube trotzdem weiter dran.

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Aber nie nehme ich Zeitungen oder Zeitschriften in die Hand, um meine Zukunft zu erfahren. Richtige Astro-Fans wissen nämlich, dass das einfach nur erfundener Bullshit ist und diese Medien mitverantwortlich sind, dass Astrologie auf dem Prestige-Hobby-Level irgendwo bei Magic-Karten-Sammeln ist. Natürlich kann man die Zukunft nicht voraussagen, Gott verdammt. Menschen, die das 2015 noch glauben, sollten wirklich innehalten und kalt duschen gehen.

Also habe ich die letzte Woche zwei Dinge gemacht, die ich nicht so gerne mache. Erstens habe ich mir jeden Tag die Krone gekauft. Zweitens habe ich ein Tagebuch geschrieben, das im Folgenden nun öffentlich gemacht wird. Alles nur, um endlich Fakten zu haben und herauszufinden, was an den Tagesprognosen dran ist. Vielleicht weiß Riccarda Ritter ja doch, was mich den Tag über erwartet und hat gute Ratschläge für mich. Die Prognosen habe ich gesammelt, erst am Ende dieser ziemlich abgedrehten Woche gelesen und dann mit meinem Tagebuch verglichen. Ich bin ich wirklich gespannt, was Riccarda mir vorhergesagt hat. Und vor allem, wieviel davon stimmt. Step up, Riccarda.

Montag, 20. April

Liebe: Heute habe ich eine Erinnerung von Tinder bekommen, dass meine Tinder-Matches auf mich warten. Ich hatte die letzten Wochen nicht einmal Zeit um zu tindern. Der Redaktionshund wollte gestreichelt werden. Ich habe mich heute nicht ungeliebt oder einsam gefühlt, aber mein tägliches Liebesniveau ist seit ein paar Wochen unten angesiedelt. Weit unten. Passt aber supergut und ich vermisse es auch gar nicht, weil ich eh keine Zeit habe.

Beruf: Ich war bis spät nachts arbeiten und es war ein erfolgreicher Arbeitstag. Ich habe viele zukünftige Aufträge bekommen, abgesehen davon war der heutige Tag mittelmäßig ertragreich. Die zwischenmenschlichen Beziehungen habe ich als äußerst angenehm empfunden und selbst war ich sehr kommunikativ. Außerdem hatte ich heute gute Ideen und jetzt das Gefühl, einiges vorangebracht zu haben.

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Geld: Nach meinem Amsterdam-Urlaub schau ich erst einmal nicht auf das Konto.

Gesundheit: Wieder einmal habe ich mehr als fünf Tassen Kaffee getrunken und mich zeitweise mit Koffein überdosiert. Außerdem bin ich verschnupft und mein Kopf tut weh. Meine Konzentration war nicht schlimmer als sonst, aber um die steht es generell nicht so gut. Zum Schlafengehen trinke ich ein Neo Citran. Bye bye Leber.

Horoskop:

Deckungsgleichheit: Sehr schwammige 50 Prozent. Der Punkt „Gesundheit" und „Beruf" sind generelle Haushaltsweisheiten, die aber an dem Tag gut gepasst haben. „Liebe" verstehe ich nicht und bei „Geld" kann ich nur müde lächeln. Ich hülle mich da selbst in Sicherheit. Indem ich nicht nachschaue.

Dienstag, 21. April

Liebe: Ich wurde von ein paar Typen angeschrieben, die ich nicht kenne—dieser Umstand wird unter „Beruf" erklärt. Ich zähle das jetzt mal bei Liebe auf, auch wenn es mir scheißegal ist. Aber irgendetwas muss man ja unter Liebe schreiben. Trotzdem auch heute: Ich habe mich nicht einsam oder ungeliebt gefühlt. Ich habe halt grad keinen Typen und auch kein Interesse einen zu haben—ich bin sehr glücklich mit mir selbst zur Zeit. Und ich hole mir Liebe von Freunden und im Job. Und von Mama.

Beruf: Heute hat Moneyboy mit all seinen Accounts mein Interview mit ihm gepostet. Das freut mich sehr, weil das Feedback gut ist und es so natürlich viel mehr Leute gelesen haben. Außerdem heißt es, dass Meisinger auch zufrieden ist. Und das finde ich am allerschönsten.

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Geld: Noch immer nicht geschaut. Versuche Geldausgaben zu vermeiden.

Gesundheit: Auch heute konnte ich mich nur schlecht konzentrieren. Außerdem hatte ich Kopfweh, Schnupfen und ein wenig Halskratzen. In der Nacht musste meine Mitbewohnerin die Rettung rufen, weil ich Atemnot hatte und mein Blutdruck gefährlich tief gesunken ist. Ich war dann bis heute früh in der Notaufnahme. Allergische Schockreaktion auf Unbekannt. Yeah.

Horoskop:

Deckungsgleichheit: 30 Prozent und ich fühle mich von Riccarda persönlich beleidigt. Ich nörgle nicht, ich merke an. „Beruf" und „Geld" bekommen eine ironisch-lächelnde Zustimmung.

Mittwoch, 22. April

Liebe: Heute bin ich flachgelegen und habe mich dann zeitweise schon nach jemanden gesehnt, der seinen starken männlichen Arm um mich legt und sich um mich kümmert. Es haben sich ganz viele Leute Sorgen gemacht, alleine war ich also nicht wirklich. Aber ja, heute habe ich ein Gspusi oder einen Freund an meiner Seite vermisst.

Beruf: Da ich flachgelegen bin und die Medikamente mich ausgeknockt haben, habe ich nicht wirklich viel machen können, was mich zeitweise geärgert hat. Dafür habe ich meine Rechnungen bezahlt und versucht, mein Zimmer aufzuräumen. Hat eher nicht geklappt.

Geld: Mama hat angerufen: Ich bekomme unerwarteter Weise meine Kinderbeihilfe überwiesen. Irgendwann im Laufe der nächsten Woche. Außerdem habe ich heute meine Telefonrechnung bezahlt, die anscheinend seit März offen ist. Noch immer kein Kontoauszug gemacht.

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Gesundheit: Haha.

Horoskop:

Deckungsgleichheit: -370 Prozent. Das ist nicht mal mit zugekniffenen Augen irgendwo in meinem Tag angesiedelt. Riccarda, also bitte.

Donnerstag, 23. April

Liebe: Ich bin heute richtig liebesbedürftig. Ich habe mit Freunden gekuschelt, dabei hasse ich kuscheln eigentlich. Der Redaktionshund hat mich eiskalt ignoriert. Ansonsten war heute eher ein Tag, an dem ich mich einsam gefühlt habe. Aber ich weiß, dass das vorbeigeht und es mit den Medikamenten zusammenhängt.

Beruf: Die Medikamente schießen mich ziemlich weg, aber die Kollegen sind in beiden Jobs sehr verständnisvoll. Obwohl ich, glaube ich, ziemlich viel Scheiße rede. Mir fällt es nur verzerrt auf. Arme Menschen. Ich habe heute auch endlich einige Sachen fertig gebracht, an denen ich seit Tagen arbeite. Trotzdem fühle ich mich nicht erfolgreich oder erfüllt—ich bin eher unzufrieden.

Geld: Ich schau nicht nach. Ich will noch nicht wissen, wie arm ich in Wirklichkeit bin. Nur noch ein paar Tage bis zum Monatsende.

Gesundheit: Ich mache mir wegen einer Untersuchung am Montag Gedanken, die ich wegen der Allergischen Reaktion machen muss. Aber ansonsten ganz gut, die Medikamente schießen mich zwar weg, aber auf eine sehr unterhaltsame Art und Weise. Meine Stimmung liegt irgendwo zwischen depressiv und ur depressiv. Aber hey, kein Kopfweh.

Horoskop:

Deckungsgleichheit: Gefühlte 52,4 Prozent. Weil unter „Liebe" und „Gesundheit" so generelle Floskeln stehen, dass man echt nichts dagegen sagen kann. Vielleicht hätte ich gegen meine Liebesbedürftigkeit aktiv etwas unternehmen können, anstatt mich selbst zu bemitleiden. Und vielleicht war eine Zigarette nach der anderen zu rauchen keine so kluge Idee in Kombination mit den Medikamenten. Kann mich mit dem Horoskop identifizieren, danke Riccarda.

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Freitag, 24. April

Liebe: Heute wurde ich von zwei Typen angesprochen und ich habe auch mit einem die Nummer ausgetauscht. Mein Selbstbewusstsein freut sich, ich bin wieder eine glückliche und selbstständige Single-Frau mit Drive. Bis zur nächsten medikamentösen/hormonellen/restfetten Verstimmung halt.

Beruf: Ich habe gestern Nacht auf Medikamenten einen Artikel geschrieben—ich bin überhaupt nicht zufrieden. Er hatte trotzdem viele Zugriffe und das freut mich zwar, aber es ärgert mich auch, weil er besser hätte sein können. Shit. Wenn mein eigener Anspruch nicht erfüllt ist, nehme ich jeden noch so dummen Kommentar doppelt so ernst.

Geld: Ich bin mir sehr sicher, dass ich sehr pleite bin und ich werde einfach weiterhin konsequent nicht schauen. Adrenalinkick beim Milchkauf. Ging noch.

Gesundheit: Ich bin noch immer auf harten Medikamenten, aber ansonsten ganz gut. Bisschen groggy, Aufmerksamkeitsspanne einer 2-Jährigen—aber das ist normal. Natürlich habe ich trotzdem einen Spritzer getrunken, aber das Gute ist, dass der sich wie fünf angefühlt hat. Nicht einmal das Loco könnt keine bessere Sauf-Aktion machen. Vielleicht kommt das unter „Geld"? Ersparnisse von Freitagabend?

Horoskop:

Deckungsgleichheit: 100 Prozent. Riccarda, gratuliere! Deine Floskeln waren heut nicht nur sehr schlau, sondern vor allem sehr treffend.

Fazit

Ich hasse Tageszeitungshoroskope weiterhin, werde sie aber bei Gelegenheit heimlich lesen und die Weisheiten eventuell anwenden.