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Dieser Typ hat ein System entwickelt, mit dem du die Musik richtig aufdrehen kannst, ohne deine Nachbarn zu nerven

Xergio Córdobas Masn´live©-Patent macht es Clubs möglich, die Lautstärke aufzudrehen, ohne dabei den Dezibel-Wert zu verändern.

von Iago Fernández
15 April 2015, 4:00am

Titelfoto: Xergio Córdoba

Xergio Córdoba ist ein spanischer Mastering-Ingenieur, der eine Methode patentieren ließ, die es Konzerthallen und Clubs mit Hilfe der Psychoakustik möglich macht, die Lautstärke bei gleichbleibendem Schalldruckpegel zu erhöhen. Seine Erfindung trägt den Namen Masn´live© und ist im Grunde nur ein Prozessor, den man in ein Soundsystem einbaut und dann die Musik in der vorgesehenen Qualität genießen kann, ohne dabei irgendwelche Lärmschutzvorgaben zu brechen.

Anders gesagt ist es dir so möglich, die Lautstärke ordentlich aufzudrehen, ohne dass deine nervigen Nachbarn oder die umliegenden Gebäude irgendetwas davon mitbekommen. Handelt es sich hierbei um den Heiligen Gral aller Partygänger? Wir haben uns mit Xergio über seine Erfindung unterhalten.

VICE: Wie bist du auf die Idee für diese Technologie gekommen?
Xergio Córdoba: Die Idee ist mir vor ein paar Jahren gekommen, als ich mit einem Kunden redete, der einen Nachtclub besaß. Die gesetzlichen Vorgaben im Bezug auf Lärm können es vielen Diskotheken-Betreibern schwer machen, ihr Unternehmen ordentlich zu führen. Diese Lärmemissionsvorgaben sehen niedrige Schalldruck-Werte vor und die Sound-Qualität leidet dann massiv, wenn man die Emission von niedrigen Schallfrequenzen beschränkt. Ein schlechter Sound kann den Ruf eines Clubs wirklich kaputt machen.

Aber helfen solche Vorgaben deiner Meinung nach nicht auch dabei, unnötigen und potenziell gefährlichen Lärm einzudämmen?
Nun ja, früher waren die ganzen Clubs ja noch „gesetzloses Gebiet", wo alles möglich war. Also machen die Gesetzgeber schon das Richtige, wenn sie sich um die Umwelt sorgen und dabei auch an die Menschen, deren Wohnhäuser und die Geschäfte denken. Davon abgesehen müssen aber auch Unternehmer und Clubbesitzer die ganze Sache richtig angehen und überprüfen, ob ein Gebäude und die Umgebung wirklich für einen Nachtclub geeignet sind oder nicht.

Was sind die ersten Schritte beim Bau deines Tools?
Wir testen das Equipment und gehen nach unzähligen Stunden ohne Schlaf alle Korrekturen und Lösungen durch. Nachts scheint man einfach irgendwie freier denken zu können. Der Großteil dieses Systems wurde tatsächlich in schlaflosen Nächten entwickelt und dabei hatte ich nur ein kleines Aufnahmegerät zur Speicherung meiner verrückten Ideen zur Verfügung. Ganz so einfach war es dann jedoch auch nicht.

Wenn die Erfindung eigentlich schon fertig gebaut in den Startlöchern steht, dann muss man das Ganze erstmal beim Patentamt anmelden und zusammen mit dem Entwicklerteam alle Einzelheiten bis ins kleinste Detail aufschreiben—und zwar so, dass es jeder sofort versteht. Man hat auch ständig die Befürchtung, dass plötzlich eine Firma daherkommt und behauptet, dass sie so etwas bereits gebaut hat. Es gibt nämlich viele Dinge, die zwar patentiert, aber dann nie veröffentlicht wurden. Es gab sogar tatsächlich ein anderes Unternehmen, das sich ebenfalls mit unserer Technologie beschäftigt hat. Die wollten dann auch unser Patent blockieren, aber wir haben uns letztendlich durchgesetzt.

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Xergio mit seiner Patenturkunde

Kannst du uns kurz und in verständlichen Worten erklären, wie euer System funktioniert?
Nun ja, es ist schon ziemlich kompliziert, den Vorgang vereinfacht darzustellen, aber im Grunde geht es sowohl um die physikalische Schallwelle als auch darum, wie das Gehirn diese Schallwelle aufnimmt. Reine Psychoakustik eben.

Hier ein Beispiel: Man hört sich eine MP3-Datei mit seinen Kopfhörern an. Das Schlagzeug oder der Bass setzt ein, aber die Kopfhörer sind zu klein, um den Sound richtig wiederzugeben. Unser Gehör versucht dann, diesen Umstand auszugleichen—ein Vorgang, den wir auch oft beim Mastering anwenden und der bei unserem System ebenfalls zum Tragen kommt, damit wir unsere Ziele erreichen.

Schützt euer System auch vor überschüssigem Lärm und potenziellen Hörschäden?
Hörschäden kommen durch zu hohe Dezibel-Werte und die Dauer, die deine Ohren diesen Werten ausgesetzt sind, zustande. Leider bietet unser System davor keinen Schutz, aber es lässt dein Gehirn die Musik lauter wahrnehmen, als sie eigentlich ist. So minimiert man die Belastung durch schädliche Frequenzen.

Wann wusstet ihr, dass ihr euer Ziel erreicht habt?
Wir waren uns unseres Erfolgs bewusst, als wir Bass-Frequenzen erzeugen konnten, die mächtiger wirkten, als sie eigentlich waren. Wir haben es geschafft, die Lautstärke zu verdoppeln und dabei den Dezibel-Wert beizubehalten. Im gleichen Zug haben wir auch noch die Audioqualität und die Wucht verbessert.

Die doppelte Lautstärke beim gleichbleibenden Dezibel-Wert, das klingt ja schon ganz gut. Gibt es da nach oben hin eine Grenze?
Nun, die doppelte Lautstärke ist für uns schon mehr als genug—vor allem wenn man bedenkt, dass sowohl Audio-Integrität als auch -qualität gleich blieben. Vor Kurzem haben wir in einem ziemlich bekannten Club Madrids die dreifache Lautstärke erreicht, aber weil der Club so voll war, nahm die Qualität ab. Da die Betreiber aber ein Jubiläum feierten, haben sie sich trotz dem etwas schlechteren Sound dazu entschieden, die Lautstärke beizubehalten.

Wo könnte das System noch zum Einsatz kommen? Vielleicht bei einer Hausparty?
Wir haben das Ganze sogar wirklich schon mal bei einer Hausparty in Barcelona ausprobiert. Trotzdem besteht unsere hauptsächliche Zielgruppe immer noch aus Künstlern, die ihre musikalische Botschaft in der bestmöglichen Qualität rüberbringen wollen. Uns ist es möglich, wahre Wunder zu schaffen—und das quasi ohne Sound-Probleme. Im Grunde ist das hier das Gleiche wie Audio-Mastering, bloß eben in einem Club anstatt in einem Studio. Es klingt einfach alles besser, klarer, schärfer und detailreicher. Wir haben unser System schon an verschiedensten Orten getestet und dabei immer überraschend gute Resultate erzielt. Dabei war es auch egal, ob nun Blues, Pop, Salsa, Rock oder irgendein anderes Genre gespielt wurde.

Man könnte jetzt meinen, dass das Ganze auch bei Raves im Freien funktioniert. Wäre so etwas möglich?
Auf jeden Fall. Eigentlich kann es überall eingesetzt werden, wo ein gutes Soundsystem vorhanden ist. Es hat sich sowohl in geschlossenen Räumen als auch im Freien bewährt. Wir haben beim Sonar Festival verschiedene Szenarios durchgespielt und versuchen, unser System dieses Jahr bei vielen weiteren renommierten Festivals anzubringen.

Wie geht es jetzt für euch weiter? Werdet ihr das Ganze kommerziell aufziehen?
Ja, genau. Aber das ist gleichzeitig auch der schwierigste Teil, denn man muss etwas Neues erschaffen, das aber auch nicht zu neu ist, weil es die meisten Leute sonst nicht verstehen werden. Es geht vor allem darum, dass wir die musikalische Erfahrung auf eine Art und Weise „verschlüsseln", die das Gehirn dann wieder „entschlüsseln" kann. Dieser nächste und gleichzeitig finale Schritt ist definitiv nicht einfach.

Vielen Dank für das Gespräch.