„Job ist Job“—Kitty Blair über ihre NPD-Verbannung, Sex mit Schwarzen und Undankbarkeit

Kitty Blair war nicht nur Pornostar, sondern auch NPD-Cheerleaderin Nr. 1. Jetzt ist beides vorbei, weil den Kameraden nicht gefiel, dass sie beim Sex mit einem Schwarzen gefilmt wurde.

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Juni 24 2014, 10:11am
 


Ina Groll hat es im Moment nicht leicht. Das liegt vor allem an ihrem Versuch, zwei Welten zu verbinden, die schließlich doch nichts miteinander zu tun haben wollten: Pornos und Nazis. Denn Ina Groll drehte nicht nur jahrelang als „Kitty Blair“ Pornos, sie war gleichzeitig eine extrem engagierte NPD-Cheerleaderin, die zum Beispiel auf so illustren Veranstaltungen wie der Geburtstagsparty des damaligen Generalsekretärs Peter Marx die Stimmung anheizte.

Eine Zeitlang ging dieser Spagat gut. Auf ihrer Facebook-Seite kam die Mischung aus halbnackten Fotos und ausländerfeindlichen Parolen unter dem Motto „Nationalismus kann auch sexy sein“ ziemlich gut an. Aber als die Fotos von Peter Marx' Geburtstagsparty (inklusive Stripperin und Kuchen in Penisform) veröffentlicht wurden, wurde es ein paar von den prüderen Kameraden zu bunt. Als dann noch jemand auf ein Video von ihr stieß, indem Kitty Blair mit einem schwarzen Darsteller Sex hat, schlug der braune Shitstorm endgültig über ihr zusammen:

„Diese Frau hat Hochverrat an ihrem Volk und Blut begangen“, schrie das rechte Netz, das sei „weltweit auf ewig im Netz öffentlich einsehbare Rassenschande“ und Kitty eine „verkommene NPD-Porno-Sau“. Die rechte Masse kochte, Peter Marx musste als Generalsekretär der NPD zurücktreten, und Ina Groll wurde von der Parteispitze zur „unerwünschten Person“ erklärt.

 


Kurz darauf sorgte die Berichterstattung dafür, dass wiederum die Kollegen aus der Pornobranche von Kitty Blairs politischen Neigungen erfuhren und prompt verlauten ließen, dass sie jetzt auch nichts mehr mit ihr zu tun haben wollten. Kitty Blairs hehres Unterfangen, Rassenhass auf spielerische Art und Weise mit Rassenspaß zu verbinden, war grandios gescheitert—und Ina Groll muss sich seitdem überlegen, wie es ohne NPD und ohne Pornos weitergehen soll.

Als Reaktion auf den Ausschluss hatte sie zuerst gedroht, geheime Perversitäten anderer NPD-Funktionäre zu verraten. Im Sinne der Volksaufklärung haben wir uns natürlich sofort um ein Interview bemüht. Von der medialen Aufmerksamkeit vielleicht etwas überrumpelt, hat Frau Groll sich aber ein paar Monate Bedenkzeit erbeten. Schließlich hat sie sich aber doch bereit erklärt, uns unter anderem die eine, brennende Frage zu beantworten: Wie kann man gleichzeitig Pornostar und rechtsradikal sein?

 


Frau Groll, würde es in Ihrem idealen Deutschland eigentlich Pornos geben? 
Diese Frage kann ich nicht mit ja oder nein beantworten. Im Betracht auf ein wirklich ideales Deutschland, nein. Aber realistisch gesehen, ja.

Jeder dritte deutsche Mann hat mindestens einen Pornofilm zu Hause und jeder hat sich schon mal einen Porno angeschaut. Ich finde, es ist auch nichts Verwerfliches. Das „Gewerbe“ ist schließlich das älteste Gewerbe der Welt, und in der heutigen Zeit gehören nun mal auch Pornofilme dazu.

Aber wie lässt sich denn das wertekonservative Frauenbild der meisten Rechten mit einer Karriere in der Erotikbranche vereinbaren?
Das wertekonservative Frauenbild, das viele haben, gehört in meinen Augen der Vergangenheit an. Wir leben im Jahr 2014 und nicht mehr im Mittelalter. Jede Frau, die ein wenig auf sich hält, und ein entsprechendes Selbstbewusstsein in ihrer Persönlichkeit verankert weiß, kleidet sich frei nach ihrem Geschmack und ihrem Stil. Und das darf auch schon mal sexy sein.
 
Egal, was für einen Beruf man hat, es hat doch nichts mit der politischen Einstellung zu tun. Darf eine Erotikdarstellerin keine nationalpolitische Einstellung haben? Das ist einfach nur lächerlich.

Job ist Job, und in der heutigen Zeit ist der Beruf einer Erotikdarstellerin ein Beruf wie jeder andere auch.

Also gut. Aber Sie machen keine Pornos mehr und haben auch nichts mehr mit der NPD zu tun—wie geht es jetzt weiter für Ina Groll?
Na ja, politisch will ich auch weiterhin aktiv bleiben. Vielleicht werde ich mit ein paar anderen Kameraden eine Kameradschaft aufbauen, ich bin da noch unschlüssig. Ich will auf jeden Fall weiter politisch aktiv sein, aber momentan fehlt mir halt die geeignete Plattform, deshalb bin ich dabei, mir was eigenes aufzubauen.

Gäbe es denn genug Leute, die das mitmachen würden?
Ja natürlich, jede Menge! Das sieht man ja auch auf meiner Facebook-Seite, die steigt jeden Tag.

Seit wann sind Sie eigentlich so rechts eingestellt?
Interessiert habe ich mich dafür schon seit meiner frühesten Jugend, weil ich da schon in der Schule und in Kameradschaften Kontakte in die rechte Szene hatte. Schon lange, bevor ich überhaupt ins Rotlicht oder in die Pornobranche gekommen bin.

 

Mitgefühl scheint nicht so ihr Ding zu sein.

Waren Sie jemals Mitglied in der NPD?
Nein, Mitglied war ich nie. Aber ich war schon sehr engagiert, weil ich mit dem, was die NPD verändern will, vollkommen übereinstimme. Ich bin da politisch der gleichen Ansicht wie die NPD, und deswegen habe ich die auch unterstützt.

Sie haben viel Werbung für die NPD gemacht, jetzt wurden Sie zur „unerwünschten Person“ erklärt. Sind Sie von der Partei enttäuscht?
Ja. ich kann es auch nicht wirklich nachvollziehen. Aber das ist deren Entscheidung.

Gab es vor dem aktuellen Skandal schon öfter Anfeindungen aus der rechten Szene wegen Ihrer Arbeit?
Nein. Gar nichts. Das ist nur davon gekommen, dass ein paar von der NPD das so hochgepusht haben, dass die ganzen Medien das aufgefangen haben. Vorher ist da nie irgendwas gewesen.

 


Die meisten Kameraden haben sich über die Szene mit einem schwarzen Darsteller aufgeregt.
Ja, genau, diese einzige Szene, die keine fünf Minuten geht! Und die ist Jahre her. Das war ganz in meiner Anfangszeit. Ich finde es einfach lächerlich, sich wegen einer noch nicht mal fünfminütigen Szene, die Jahre zurückliegt, so aufzuziehen. Job ist Job, ganz einfach.

War Ihnen das damals schon irgendwie unangenehm, als diese Szene gedreht wurde?
Ja, natürlich, ich wollte das erst gar nicht machen, aber ich sag mal so: Wenn ich als Verkäuferin hinter der Kasse stehe, kann ich mir ja auch nicht aussuchen: „Den bedien ich jetzt, das ist ein Deutscher, und den bedien ich nicht, das ist kein Deutscher“—das geht leider nicht anders. Sogar viele aus der rechte Szene müssen zwangsläufig mit Ausländern zusammenarbeiten—weil wir jetzt einfach überlaufen sind. Man kann sich das leider nicht immer aussuchen.

Waren Sie über die Heftigkeit der Reaktion überrascht?
Ich kann das nicht verstehen, denn es geht doch um das Hier und Jetzt! Und wenn sich jetzt jemand so für eine Partei engagiert und einsetzt, dann sollte man eigentlich dankbar dafür sein und auf die Vorgeschichte scheißen. Jeder hat seine Vergangenheit, ich bin bestimmt nicht die einzige, die Leichen im Keller hat. Da gibt es andere, die haben weitaus mehr.

Gab es nicht auch Ärger wegen einer Penis-Torte?
Ja, das ist doch auch total lächerlich! Das war eine ganz normale Geburtstagsparty, und der Peniskuchen war ein Geschenk für das Geburtstagskind! Wir waren da auf einer ganz normalen Party in einer öffentlichen Kneipe eingeladen, wo jeder dazukommen konnte. Dass daraus so ein Riesenskandal wurde, kann ich wirklich nicht verstehen.

Haben Sie noch Kontakt zu Peter Marx?
Nein.

Gäbe es irgendwas, das Sie den Kameraden von der NPD mitteilen wollen?
Ne, ich halte mich da jetzt erstmal komplett fern von. Das Thema ist für mich beendet. Da habe ich zu viele negative Erfahrungen gemacht.

Hat der Skandal etwas an Ihrer Einstellung zu rechten Sache geändert?
Nein, da hat sich nichts dran geändert, da wird sich auch nie was ändern.

 


OK. Was auch immer das bedeutet.

Folgt Matern auf Twitter: @m_boeselager

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