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Nationalratswahl 2013

Wahlkampf ist besser als Weihnachten

Wahlkampf ist besser als Weihnachten, weil man von allen Geschenke bekommt und am Schluss (hoffentlich) eine neue Regierung.
20.9.13


Klickt auf das Bild, um zu sehen was Jesus in der Hand hält. (Fotomontage: VICE Media Alps)

Oh, Weihnachten. Die einzigen, die bei diesem Wort nicht an Geschenke denken, sind Kinder von antikapitalistischen Hippies. Und auch, wenn man ab einem gewissen Alter im Zusammenhang mit Geschenken eher die immensen Ausgaben im Hinterkopf hat, sehnt sich doch jeder an die Zeit zurück, als man zwar nicht mehr so ganz an das Christkind geglaubt hat, sich aber mit gutem Gewissen verarschen und von Eltern, Tanten, Onkels und vor allem Großeltern beschenken ließ.

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Dass man mit Geschenken am liebsten die kindliche Glückseligkeit verbindet, wissen die Parteien natürlich ganz genau und beschenken uns Wähler daher im Monat vor der Stimmabgabe mit so vielen unnötigen Dingen, dass man sich zwischen den Haufen von Kugelschreibern und Feuerzeugen richtig geborgen und fröhlich fühlt, wie der kleine Jesus in der Krippe.

Die Wahlgeschenke sind zwar nicht Weihrauch, Myrrhe und Gold und man wird auch in 2000 Jahren nicht mehr über sie sprechen, aber für die, die immer noch nicht wissen, wen sie am 29. September wählen sollen, hier das Battle der Wahlgeschenke. Ob euch die Parteien überzeugen, die kein Steuergeld für Wahlgeschenke verprassen, oder die, die auf möglichst viele Sachen ihr Logo drucken, überlassen wir völlig euch.

SPÖ:

Der dünne Streifen im Vordergrund ist das Geschenk der SPÖ. Foto: VICE Media Alps

Aus sicherer Quelle weiß ich, dass die SPÖ mehr Wahlgeschenke hat, als sie in die Redaktion schicken ließ. Gerade, wo doch bei der Finanzierung der Wahlplakate gespart wurde, sollte eigentlich Geld für Geschenke an uns geblieben sein, mit denen man die bei VICE arbeitenden Wähler wirksam von der Vertrauenswürdigkeit der Partei überzeugen könnte. Doch der Geschenkebrief (!!!) war dünn und ernüchternd. Worst. Christmas. Ever. Gummibärchen, ein Kugelschreiber und ein Lanyard. Wenigstens in weihnachtlichem Rot-und-weiß.

FPÖ:

Beitrag auf HC Straches Facebook Seite. Schlagende Argumente. ODER? Lilly??

Wenn euch diese Argumente nicht überzeugt haben, dann tun es doch bestimmt die Wahlgeschenke der FPÖ. Sie punktet damit, dass sie alles in zweifacher Ausführung schickt. Geschenke für mich und meinen (österreichischen, heterosexuellen) Partner—sogar für meinen Hund.

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Der traditionelle FPÖ-Wähler und Wahlgeschenke-Empfänger zündet nun am Stammtisch mit einem blauen FPÖ-Feuerzeug, unter den staunenden Blicken seiner Freunde, die Zigarette an, oder auf dem Heimweg den türkischen Supermarkt ums Eck.

Oben: FPÖ. Unten: Hannas Schoß. Foto: VICE Media Alps

Außerdem gibt es Kugelschreiber, unförmige Österreich-Schlüsselanhänger und neueste Styling-Accessoires für den modebewussten Hund (oder sollten wir uns doch eher selber das Hundehalsband umlegen, Heinz-Christian?).

Als kleines Wahlzuckerl verteilt der allseits beliebte Ring Freiheitlicher Jugend (RFJ) Kondome ("Amor Blue") mit der Aufschrift "Stark im Kommen" und "Um Längen voraus". Wirklich. Ich kann die Verhütung unter den Mitgliedern des RFJ jedenfalls nur unterstützen.

BZÖ:

Journalistische Integrität hält genau so lange, bis das BZÖ Strohhüte schickt. Foto: VICE Media Alps

Das BZÖ ist zweifellos die neue Freundin des Vaters im Geschenkegeben. Die niedrigen Sympathiewerte werden durch eine Unzahl an Geschenken ausgeglichen, wenn auch nicht wirklich erfolgreich. Das Paket war jedenfalls riesig. Unzählbar viele Kugelschreiber, Luftballons, Strohhüte, Spielkarten, Schreibblöcke, Feuerzeuge, Gummibärchen und das Kochbuch von Josef Bucher (auf dessen Titelblatt die unwahrscheinlich schwierige Aufgabe gelöst wurde, wie man einen Koch, eine Ananas und einen Kochlöffel auf möglichst kleinem Raum abbilden kann).

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Das BZÖ, das politisch doch sehr am traditionellen Bürgertum hängt, hat zumindest mit einem Teil der Wahlgeschenke sein Gespür für die moderne Welt der Jugend bewiesen. Gummibärchen in Form von Facebook-Likes: "BZÖ—Gefällt mir!" Die Euphorie der Erstwähler, egal ob Bürger oder Bohemiens, wird nicht zu bändigen sein.

Die Grünen:

Foto: VICE Media Alps

Bei den Grünen kann man sich online aussuchen, was man alles haben will. Das ist super, weil man dann selbst schuld daran ist, welchen Scheiß man geschickt bekommt. Ein grünes Kondom mit Minzaroma und der Forderung nach "mehr öffentlichem Verkehr", Bierdeckel, Feuerzeuge, Kugelschreiber und Kräutersalz; natürlich gibt es auch sämtliche Plakate und Fahnen, von "Belämmert" bis "Bildunk". Sehr ökonomisch und alles, was bio sein kann, ist es selbstverständlich auch (Biokondome gibt es offensichtlich nicht).

ÖVP:

Rechts: ÖVP. Weiter rechts: BZÖ. Foto: VICE Media Alps

Die ÖVP liefert ihre Geschenke in einem Paket und hat somit den Wähler schon sehr gut verstanden. Briefumschläge unter dem Weihnachtsbaum bekommt man schließlich erst, seit die Großeltern nicht mehr wissen, wie alt man überhaupt ist und deswegen Geld und Gutscheine verschenken. Praktisch, aber Auspack-Eurphorie kommt da nur wenig auf. Doch auf das freudige Auspacken kommt auch schnell die Ernüchterung: Es handelt sich schließlich um Wahlgeschenke. Ein Feuerzeug, das so klein ist, dass ich es nicht zum Funktionieren bekomme, ein Luftballon, Soletti, Minzbonbons, ein Flaschenöffner, Lanyard, Einkaufsmünze und eine Mischung aus Tuch und Fahne, deren Sinn mit bisher nicht bekannt ist.

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Neos:

Foto: VICE Media Alps

Die Neos haben im Gegensatz zur SPÖ und vor allem zur FPÖ offensichtlich keinen 80-jährigen Grafiker. Ein Schreibblock, Kugelschreiber, Textmarker, Post-its, Bierdeckel, Wasserbälle (falsche Jahreszeit), Sticker, Feuerzeuge und Kekse haben wir von HP Haselsteiner bekommen. Fragt sich, was ich in den nächsten 500 Jahren alles schreiben und anzünden kann, um den gesammelten Vorrat an Stiften und Feuerzeugen aufzubrauchen.

Der Wandel:

Fotos: VICE Media Alps

An das Wahlgeschenk des Wandels erinnert mich nur noch der dicke Bauch, der mich gerade am Schreiben und Denken hindert. Bei einem persönlichen Besuch haben sie uns einen Kuchen vorbeigebracht. Nicht mehr, nicht weniger. Ob das schon Teil ihrer Umverteilung (von den kapitalistischen Konditoreien hin zu unserer ausgehungerten Redaktion) ist, hat mir der Kuchen nicht beantwortet.

Team Stronach:

Fotomontage: VICE Media Alps

Die Wahlgeschenke des Team Stronach sind nie angekommen. Vielleicht, weil ich noch nie Löhne bezahlt habe, oder weil Frank Stronach in unseren Artikeln nie so wirklich gut davon kommt (zum Beispiel hier oder hier oder da). Der Mann, der schon so viel für Österreich gegeben hat (Geld und Arbeitsplätze und Steuern und Löhne und Geld und Löhne und Steuern), hat mir wohl nichts zu geben, worauf ich ihn am Samstag bei seinem Gala Dinner mit Dieter Bohlen ansprechen werde (ja, ich werde dort sein und darüber berichten).

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Zusammenfassend kann wohl gesagt werden, dass es Spaß macht, Dinge auszupacken. Das Problem an der Sache ist, dass es halt Wahlgeschenke sind. Die sind zwar eigentlich praktisch, aber trotzdem werde ich (genau wie JEDER ANDERE ATMENDE, VERNUNFTBEGABTE MENSCH) meine Notizen auf der Uni nicht mit einem SPÖ-Kugelschreiber auf einem ÖVP-Block machen und dazu einen BZÖ-Hut tragen. Und was ich mir mit einem Lanyard umhängen soll, solange ich kein Fahrkartenkontrolleur bin, weiß ich auch nicht. Und bevor ihr euch über das Steuergeld aufregt, das (ihr nicht bezahlt habt und) ich mit dieser Recherche verschleudert habe, beruhigt euch: Es hat trotzdem alles seine Verwendung gefunden. Mein Hund sieht jetzt sehr viel bunter aus.

Mehr Interviews zur Nationalratswahl 2013:

So klein und schon Partei: Neos

So klein und noch Partei: BZÖ

So klein und schon Partei: Der Wandel

So klein und schon Partei: Die Piraten

So klein und schon Partei: Team Stronach

So klein und schon Partei: KPÖ

So klein und schon Partei: Die Christen

So klein und schon Partei: Sozialistische Linkspartei