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Das denken Deutsche über Österreicher

Keller, Trachten, Titel – so denken unsere deutschen Kollegen über Österreich.
3.8.15
Foto: _dChris via flickr

Foto: _dChris | flickr | cc by 2.0

Es heißt, was Österreicher und Deutsche trennt, ist die gemeinsame Sprache. Allerdings heißt es das nur in Österreich. Wahrscheinlich, weil wir es hierzulande dringender nötig haben, eine Ausrede dafür zu finden, warum niemand auf der Welt uns versteht und wir trotzdem glauben, das richtigere Deutsch zu sprechen.

Jedenfalls haben Österreicher und Deutsche immer schon leichte Kommunikationsschwierigkeiten nicht nur sprachlicher Natur. Ein Grund ist, dass wir uns unsere Meinung über die „Piefke" und „Preußen" zirka 1866 gebildet und seitdem nicht mehr wesentlich verändert haben.

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Deshalb dachten wir uns, dass es vielleicht nicht schadet, auch mal die deutsche Sicht auf unsere komische kleine Nation mit dem gigantischen Minderwertigkeitskomplex zu hören. Hier sind die größten Vorurteile von Deutschen über Österreicher.

Sie sind behäbig

Screenshot aus Österreich unter alliierter Besatzung 1945 – 1955, via Google Books

Es ist jetzt nicht so, dass Deutsche unbedingt immer die schnellsten und hellsten wären, aber Österreicher sind einfach immer ein bisschen … langsamer. Sie sitzen gerne stundenlang in Kaffeehäusern und tauschen untereinander die Zeitungen, bis es endlich Zeit zum Mittagessen ist.

Selbst wenn ein Österreicher mal etwas schneller durch den Tag kommen wollte, dann würde ihn seine eigene Sprache daran hindern: Immer wieder muss irgendeine Silbe so elendig langgezogen werden, als würde sie sich nur extrem widerwillig aus der warmen Mundhöhle in die kalte Welt wälzen lassen. Deshalb waren auch die Kriege zwischen Preußen und den Habsburgern nie wirklich fair: Während die Österreicher sich noch mit einem ausgedehnten „Geh bitttteeeeeeeee" über die freche Kriegserklärung empörten, hatten die Preußen bereits die Hälfte ihrer Territorien besetzt.

Ihr Sexualleben spielt sich ausschließlich im Keller ab

Foto: Thomas & Dianne Jones| flickr| cc by 2.0

Das muss man eigentlich kaum noch erklären. Nachdem die Fälle Kampusch und Fritzl diese eigenartige Vorliebe der Alpenbewohner international bekannt gemacht hatten, hat sich sogar der beste österreichische Filmemacher in diese Wahrheit gefügt und dreht jetzt nur noch Filme, in denen sich Österreicher in Kellern auspeitschen. Sorgen machen muss man sich erst dann, wenn Belgier und Österreicher auf die Idee kommen, einen Tunnel aufeinander zu zu graben.

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Sie laufen andauernd in Tracht herum

Vielleicht liegt es daran, dass sie sich ein bisschen für ihre Keller-Eskapaden schämen, aber wenn sie dann doch mal herauskommen, dann haben die Österreicher eine befremdliche Vorliebe für spätfeudalistische Landmode.

Andererseits ist Tracht natürlich auch einfach eine großartige Erfindung: Die Männer können die ganze Zeit ihrer heimlichen Liebe für Uniformen frönen, ohne sich als Faschisten beschimpfen lassen zu müssen, und die Frauen tragen permanent natürliche Push-up-Bras in Form von Dirndln (was dann dazu führt, dass sich alle bald wieder paarweise in den Keller zurückziehen). Die heimliche Liebe der Österreicher zu Uniformen hängt auch eng mit dem nächsten Punkt zusammen:

Sie sind besessen von Titeln

Foto: decar66 | flickr | cc by 2.0

Offiziell wurden die Adelstitel in Österreich irgendwann abgeschafft, was aber nur dazu geführt hat, dass es für Außenstehende völlig undurchsichtig geworden ist, warum alle so wahnsinnig nett zu dem einen Typen mit der hängenden Unterlippe sind, obwohl er weder besonders intelligent oder unterhaltsam ist (denn die Österreicher wissen natürlich immer noch ganz genau, wer „eigentlich" ein Graf ist).

Zweitens hat es dazu geführt, dass sie sich wie die Wahnsinnigen alle möglichen eigenartigen Titel für jeden Berufsstand ausgedacht haben. Kommerzialrat, Frau Oberstudienrat, Blockwart—wenn man in Österreich einen Handyvertrag abschließt, muss man im Dropdown zwischen circa 15 verschiedenen Titeln wählen—der Spiegel behauptet, es gibt im Ganzen 869 davon. Und das beste ist: Sie benutzen diese Titel dann auch wirklich im täglichen Leben. „Ich würde sehr gerne mal ihren Keller sehen, Herr Außerordentlicher Professor!"—da glühen jedem Österreicher vor Freude die Ohren.

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Sie haben sich ihre Sprache ausgedacht, um Deutsche zu ärgern

Je mehr man sich mit dem österreichischen Dialekt beschäftigt, desto mehr erhärtet sich der Verdacht, dass das ganze Ding das größte Trolling-Experiment der Linguistik ist. Warum sagen sie „Sessel", wenn sie „Stuhl" meinen? Was sagen sie denn, wenn sie „Sessel" meinen? Muss man „Tomaten" wirklich „Paradeiser" nennen, oder dient das eigentlich nur dazu, um sprach-affine Deutsche zu zermürben?

Für Deutsche fühlt sich die österreichische Sprache an wie ein Schlaganfall—kaum ist man da unten, kennt man die Bezeichnungen für die einfachsten Gebrauchsgegenstände nicht mehr. Man kann der Sprache nicht mehr trauen, und das führt zu tiefen Verunsicherungen. Am Ende ist man so durcheinander, dass man anfängt, sich Fantasie-Wörter auszudenken: Im ersten Absatz zum Beispiel war ich mir nicht sicher, ob Österreicher überhaupt zum „Mittagessen" gehen—oder ob sie nicht doch irgendwas Albernes wie „Vesper", „Jause" oder „Dejeuner" sagen. Fast hätte ich mein Glück mit „Mezzo-Mahlzeit" versucht.

Übrigens: Wenn der Deutsche dann schon völlig zerrüttet ist, gibt der Österreicher ihm den Rest, indem er nonchalant versichert, er spreche übrigens das einzig richtige Hochdeutsch. Der Deutsche bricht daraufhin fassungslos wimmernd zusammen.

Sie backen die besten Süßigkeiten der Welt

Das ist halt einfach so. Kaiserschmarrn, Marillenknödel, Topfenknödel, Germknödel, Apfelstrudel, Palatschinken, Powidltaschen, Kärntner Reindlinge: Das ist Vokabular, das man sich gerne aneignet. Die Österreicher können sich jedem direkt ins Herz backen—wo sie dann anfangen, die Arterien mit Zucker zu verstopfen.

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Sie haben einen latenten Hang nach rechts

Foto via Eau de Strache.

Die Österreicher haben ihren eigenen Beitrag zum tausendjährigen Piefke-Reich so blindwütig unter den Teppich gekehrt, dass sie bis heute andauernd darüber stolpern. Wenn man von außen drauf schaut, kann man nicht anders, als polternde Austrofaschisten wie Haider und Strache irgendwie süß zu finden—vor allem, weil sie es nie wirklich schaffen, ihre Rolle als Alpen-Harlekine abzulegen. Wenn man als Ausländer oder Flüchtling in Österreich leben muss, ist das Ganze aber ziemlich sicher deutlich weniger witzig. Aber dann machen sie einem wieder einen Kaiserschmarrn, und man kann ihnen nicht lange böse sein.

Sie haben den besseren Humor

Vom Wiener Aktionismus bis zu Manfred Deix: Österreicher können ziemlich lustig sein. Was vielleicht auch daran liegt, dass man es mit Humor nehmen muss, wenn man in Rekordzeit von einem Weltreich zu einem Produkttestland für Zigarettenkonzerne zusammenschrumpft. Woran auch immer es liegt: Bis auf Sigmund Freud und Thomas Bernhard (die beiden unlustigsten Deutschsprachler aller Zeiten) haben die Österreicher es irgendwie drauf, mit lässiger Dekadenz jeden Deutschen an die Wand zu knatschen.

Sie wollen heimlich alle wieder Deutsche sein

Screenshot aus unserer Dokumentation über Burschenschaften in Österreich.

Also gut, stellen wir ihren Humor mal so richtig auf die Probe, indem wir diese unbequeme Wahrheit aussprechen: In ihrem tiefsten Herzen wollen die Österreicher nur eins—wieder Deutsche sein. All ihre Posen und krampfhaften Abgrenzungsversuche („Eiskasten", ich bitte euch) sind nur ein (ziemlich durchschaubarer) stummer Schrei nach Liebe. Bis heute haben sie nicht verwunden, dass sie sich damals genau ans falsche Deutschland angeschlossen haben, und sie wissen, dass eine zweite Chance so bald nicht wieder kommen wird.

Und so flüchten sie sich in Trachten-Uniformen, Wiener Schmäh und Zuckerbäckerei, um diese germanischste aller Daddy-Issues zu verarbeiten. Und bevor sich jetzt einer richtig aufregt: Ihr habt diesen Psychoanalyse-Mist in die Welt geworfen—jetzt müsst ihr es auch aushalten, wenn das jemand mit euch macht. Baba!