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Cro soll wegen sexistischer und gewaltverherrlichender Texte von Festival verbannt werden

Nachdem in der Vergangenheit bereits Festivalauftritte von Kollegah und der 187 Strassenbande verhindert wurden, kritisiert der Studienausschuss der Uni Bielefeld nun scharf den Auftritt vor Cro – mit gemischten Reaktionen.

von Noisey Staff
20 Juni 2018, 3:29pm

imago | Hartenfelser

"Kein Bock auf Sexismus! Kein Bock auf Cro!" So kritisiert der Allgemeine Studierendenausschuss (kurz AStA) der Universität Bielefeld auf Facebook den Auftritt von Cro auf dem dortigen Campus-Festival am 21. Juni und fordert, den Rapper künftig nicht mehr auftreten zu lassen. Grund dafür sind Cros Texte, die laut AStA sexistisch und von Gewaltfantasien geprägt seien.

Auch wenn Cro nicht gerade der erste Rapper ist, der einem in den Sinn kommt, wenn es um Sexismus geht, ist es nicht das erste Mal, dass ihm dieser vorgeworfen wird. Sein letztes Album tru. wurde mehrfach wegen seiner oberflächlichen und machohaften Darstellung von Frauen kritisiert. Außerdem erntete der Teenie-Rapper heftige Kritik für einige Aussagen, die er während eines Interviews mit uns getätigt hatte. So unterstellte er Frauen beispielsweise, keine Hobbys zu haben und langweilig zu sein.

Der Sexismus-Vorwurf kommt also auf den zweiten Blick gar nicht mal so überraschend. Er hat sogar durchaus seine Berechtigung. Aber Gewaltverherrlichung? Dieser Vorwurf kommt einem in den Diskussionen über die Problematik von Cros Texten eher neu vor. Tatsächlich fällt es auch uns schwer, aus dem Stegreif eine gewaltdarstellende, geschweige denn eine gewaltverherrlichende Textstelle von Cro zu nennen.

Glücklicherweise belegt der AStA all seine Vorwürfe mit Beispielen und Links. So lernen wir, dass die Gewalt-Line, die dem AstA Sorgen bereitet, aus Cros Durchbruchshit "Easy" stammt: "Wenn sie heiraten will und nach drei Tagen chill'n / Schon dein ganzes Haus und deinen Leihwagen will, erschieß sie." Auch wenn auf diese Zeile ein relativierendes "Doch das würd ich mich nicht traun', ja, das weiß ich genau" folgt, argumentiert der AStA, "die Idee, eine Frau zu erschießen, scheint ihm [Cro] aber gut zu gefallen".

Die Reaktionen auf den geplanten Boykott von Cro in den Kommentaren unter dem Post schwanken zwischen ungläubig belustigt bis empört. Während die einen von Satire sprechen, ärgern sich andere darüber, dass nicht "die Belange der Studierenden" im Mittelpunkt der aktuellen Hochschulpolitik des AStA stünden, sondern dessen eigene politische Agenda.

In der Vergangenheit wurden bereits ähnliche Festivalauftritte wie von der 187 Strassenbande oder Kollegah und Farid Bang durch ähnliche öffentliche Beschwerden verhindert. Da das Campus-Festival Bielefeld schon am kommenden Donnerstag stattfindet, wird Cro dort auch definitiv auftreten – wenn es nach dem AStA geht, zum letzten Mal.

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