Boykott von Red Bull: Club beendet Zusammenarbeit und verbannt alle Getränke

Wegen "fremdenfeindlicher Äußerungen von Red-Bull-Inhaber Dietrich Mateschitz" macht ein Schweizer Club ernst. Ein Club in Jena hat dies schon längst.

|
02 November 2018, 11:28am

Foto: Jean-Christophe Dupasquier | Red Bull Content Pool

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der Zürcher Redaktion.

Turbulenzen auf Red Bulls Höhenflug in der Musikszene: Nachdem das Berliner Label und Künstlerkollektiv Live From Earth seine Zusammenarbeit mit dem Energydrink-Giganten bereits im Oktober beendete, nimmt die Kritik an den fremdenfeindlichen Äußerungen von Mitbegründer und Geschäftsführer Dietrich Mateschitz nun auch in der Schweiz zu. Der Zürcher Club Zukunft trennt sich von Red Bull.

Wie die Macher des Clubs am Freitag auf Facebook bekannt gaben, hätten sie vergeblich den Dialog mit Herrn Mateschitz gesucht. Aus der Konzernzentrale wäre jedoch kein Statement gekommen. "Wir ziehen deswegen Konsequenzen: Wir werden ab 2019 nicht mehr mit Red Bull und der Red Bull Music Academy zusammenarbeiten. In unserem Club gibt es ab dann auch keine Red-Bull-Produkte mehr zu kaufen", schreiben sie.


Der Hintergrund

Letztes Jahr gab Mateschitz ein seltenes Interview – und damit Einblick in Teile seines Weltbilds. Dabei fiel er mit zynischen Aussagen zur Asylpolitik Österreichs sowie dem "Meinungsdiktat der politisch Korrekten" auf. Außerdem sympathisiert der Multimilliardär offen mit Putin und Trump und finanziert neben seinen zwei Fußball- und Formel-1-Teams auch einen fragwürdigen TV-Sender.

Servus TV ist der private Heimatsender von Mateschitz und nicht selten ein Sprachrohr gegen liberale Medien . "Talk im Hangar-7", eine Diskussionssendung, bietet Rechtsextremen auffallend häufig ein Forum. So traten dort schon Martin Sellner (Identitäre Bewegung Österreich), Stefan Magnet (Autor des rechtsextremen Magazins Info Direkt) und Martin Lichtmesz (Autor des neurechten Magazins Sezession) auf.

Red Bull und die Zukunft

Seit Red Bull die Events der Red Bull Music Academy vor drei Jahren nach Zürich importierte, fanden in diesem Rahmen auch immer Konzerte und DJ-Sets in der Zukunft statt. Obwohl die Veranstalterinnen und Veranstalter sich kompetent für Qualitätsmusik einsetzen würden, habe man nicht mehr über CEO Mateschitz hinwegsehen können. Weil dessen Äußerungen und Ansichten den Prinzipien der Zukunft widersprechen würden: "Clubkultur – so wie wir versuchen, sie an der Dienerstraße 33 zu leben – ist ein Vehikel für Vielfalt. Pluralismus tanzt in der Nacht."

Die Veranstaltungen im Rahmen des Red Bull Music Festivals vom 5. bis zum 10. November werden trotzdem noch im Club an der Langstrasse stattfinden. Einen Teil der Eintrittseinnahmen aus dem diesjährigen Festival wolle man für einen wohltätigen Zweck spenden. Die Zukunft erhalte darüber hinaus keine Geldzahlungen von Red Bull.

Für das Kappen der Geschäftsbeziehungen erhält die Club-Führung derweil viel Zuspruch von DJs, Veranstalterinnen und befreundeten Clubmachern. Auch der Zürcher DJ Nicolas Kazimir hatte bereits vor drei Wochen zum Boykott von Red Bull aufgerufen. "Wir Kulturschaffende müssen ganz klar ein Zeichen gegen jegliche Eingemeindung von rechtem Gedankengut setzen, um diesem globalen Rechtsrutsch irgendwie mit den uns verfügbaren Mitteln entgegenzuwirken", schreibt er.

Jenaer Club boykottiert Red Bull schon länger

Bereits Mitte Oktober hatte das Kassablanca in Jena der Energy-Drink-Firma via Facebook die Freundschaft gekündigt. Man wolle ab sofort keine Getränke mehr von Red Bull verkaufen. Die Gründe sind die gleichen.: Die "rechtspopulistische Statements" von Mateschitz und dessen "hauseigener TV-Sender, der Personen aus Kreisen der Identitären Bewegung und Neuen Rechten eine eigene Sendezeit" gebe, seien nicht mit den Club-Prinzipien vereinbar.

**


Mehr zum Thema:

Folgt Noisey Deutschland auf Facebook, Instagram und Snapchat.

Folgt Noisey Austria auf Facebook, Instagram und Twitter.

Folgt Noisey Schweiz auf Facebook, Instagram und Spotify.