Anzeige
Noisey Blog

KimBo erklärt, wie du dich als Rapperin in der Schweiz durchboxt

Starke Meinung trifft auf starke Reime: KimBo war dieses Jahr als eine von vier Frauen am Cypher – und hat ein paar Zeilen für zukünftige Mitstreiterinnen parat.

von Noisey Staff
16 Februar 2018, 9:54am

Foto: VYBEZBILDER

Der diesjährige Cypher zeigte etwas Aussergewöhnliches: Wenn Frauen eine Plattform erhalten, dann unterstützen sie sich besser als jede offizielle Rap-Crew. Mit dabei war auch KimBo. Am Freitag tauft die Basler Rapperin im Sommercasino ihre neue EP ‘Trip Infinito’. Bevor es für sie aber auf die Bühne geht, richtet sie hier ein paar Zeilen an zukünftige Mitstreiterinnen – mögen sie das Rap-Game übernehmen.

Liebe zukünftige Rapperin,

Du hast dich dafür entschieden. Du möchtest deine Träume erfüllen und eine saugeile Rapperin werden. Gratuliere! Dieser Entscheid wird dein Leben verändern. Und wenn du an deinen Visionen festhältst, wird der Tag kommen, an dem du von deinen eigenen Songs stark beeindruckt sein wirst. Bevor es soweit ist, musst du aber Schwimmen, Tauchen, Laufen und Bergsteigen lernen. Nicht alles auf einmal natürlich. Und Ruhephasen sind mindestens genauso wichtig wie intensive Arbeitsphasen. Aber tu es! Lass dich von deiner Lust und Neugier leiten und gehe deinen Weg – Schritt für Schritt. Wenn du merkst, dass du nicht weiterkommst, leg eine Verschnaufpause ein. Entweder du siehst vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr, brauchst Hilfe von aussen oder deine Idee entwickelt sich schlicht nicht so, wie du es dir gewünscht hast. Sei lieb zu dir und lass dir Zeit.

Mein grösster Tipp an dich: Lerne rasch, deine eigene beste Freundin zu sein. Begleite dich mit Wärme und Zuversicht. Du bist die einzige Person, die immer für dich da ist. Ist das nicht faszinierend? Mit konstruktiver Kritik kannst du deine Schritte im Tagebuch kommentieren, deine Fortschritte honorieren und deine (aktuellen) Grenzen anerkennen. Der Prozess der Selbsteinschätzung ist gewiss nicht einfach. Deine Gedanken können von "Fuck yeah!" zu "Ich muss JETZT aufhören" pendeln. Aber das ist OK so, du wirst lernen, damit umzugehen. Bleib einfach geduldig am Ball und vertraue auf deine künstlerische Entwicklung. Oder anders gesagt: Die Jahre vergehen sowieso, also dranbleiben und stetig besser werden.

Wenn du den ersten grossen Schritt in die Öffentlichkeit wagst, akzeptiere, dass du einen Teil der Kontrolle abgibst. (Unzufriedene?) Leute wollen dich stolpern sehen, Macho-Männer mit kleinen Egos wollen dich klein machen und manchmal wird ganz viel Arbeit und Fleiss von sehr wenigen Menschen überhaupt wahrgenommen. Deshalb rate ich dir: MACH NIEMALS DEIN GLÜCK VON AUSSEN ABHÄNGIG! Bleibe deine beste Freundin und erinnere dich immer wieder daran, weshalb du wirklich Musik machst. Aber natürlich wirst du auf deiner Reise auch begeisterte Supporter und spannende Menschen kennenlernen.

Leider ist es nicht immer einfach als junge Frau in der Men's World der Musikindustrie. Also verwandle – bei Bedarf – deine innere beste Freundin zum Gorilla! Du musst nicht brüllen, klar. Aber sei bestimmt, strahle Selbstbewusstsein aus (auch wenn dir nicht danach ist) und hol dir, was dir zusteht. Lass es dir auf keinen Fall gefallen, wenn sie dir gar keinen, oder einen zu kleinen Platz zuweisen – sprich, wenn sie dich wie ein unmündiges Mädchen behandeln. Am besten du arbeitest mit Leuten, die dich als vollwertigen Mensch ansehen. Es gibt nämlich viele tolle Rapper*innen da draussen im Dschungel.

So, abgesehen von !!! BLEIB DIR TREU !!! kann ich dir im Moment keine weiteren Tipps geben, da ich selbst noch so einige Etappen vor mir habe. Ich wünsche dir jedenfalls viel Freude und Erfüllung beim Spitten und freue mich dich bald kennenzulernen.

A presto, bis bald,

Kim aka KimBo


Wir haben unter anderem mit KimBo über Sexismus und Homophobie im Rap geredet:


Folge Noisey Schweiz auf Facebook, Instagram & Spotify

Tagged:
Music
Noisey
Rap
battle
HipHop
Brief
Schweiz
Feminismus
Sexismus
freestyle
cypher
sexistische Kackscheiße
KimBo