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So stellst du fest, ob dein Sextoy gefährlich ist

Sexspielzeuge können schädliche Chemikalien enthalten und auch nach dem Reinigen Krankheiten übertragen. Kennerinnen erklären, worauf du achten musst.

von Paisley Gilmour
06 März 2018, 11:09am

Links: Aktivistin Sarah Bryn Holliday | Foto mit freundlicher Genehmigung; rechts: Ein Jelly-Dildo | Foto mit freundlicher Genehmigung von Emmeline Peaches

Sexspielzeug ist eine schöne Sache. Frauen in aller Welt haben mit Vibratoren und Dildos ihre Sexualität besser kennengelernt. Aber so segensreich Sextoys sein mögen, sie können auch gefährlich sein. Schlecht verarbeitet, falsches Material oder schwer zu sterilisieren – Mängel können in vielen Bereichen auftreten und zu Verletzungen und Infektionen führen.

Es gibt keine EU-Richtlinien spezifisch für Sexspielzeug. Die Richtlinien für Kinderspielzeug sind sehr streng, aber die Toys für Erwachsene unterliegen diesen Regeln nicht. Es hat in Deutschland schon Bemühungen gegeben, strengere Schadstoffrichtlinien einzuführen, aber letztendlich müssen die Regelungen auf EU-Ebene beschlossen werden.

Wie können wir also wissen, welche Sextoys gefährlich sind? Broadly spricht mit Aktivisten, ethischen Sextoy-Herstellern und anderen Expertinnen.

Die Spitze eines Jelly-Vibrators, voll mit Staub und Schmutzpartikeln | Foto mit freundlicher Genehmigung von Emmeline Peaches

Vermeide billiges Jelly und PVC

Oft werden Einweg-Sextoys wie Penisringe und Bullet-Vibratoren als "Spaßartikel" verkauft. Der Großteil dieser Billigprodukte ist aus sogenanntem Jelly-Gummi oder Polyvinylchlorid (PVC). Die meisten Shops listen die genaue Zusammensetzung dieser Toys nicht auf, also lässt sich unmöglich sagen, wie gefährlich sie sind. Dass sie schädlich sein können, wissen wir allerdings.

Studien haben gezeigt, dass manche Jelly- und PVC-Toys Chemikalien namens Phthalate enthalten. Diese Weichmacher sind schädlich und können aus dem Spielzeug austreten. Phthalate können den Hormonhaushalt stören und die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen. Nonprofit-Organisationen haben einen Zusammenhang zwischen den Weichmachern und Brustkrebs festgestellt, norwegische Forscher bringen sie mit Asthma in Verbindung. Inzwischen sind Phthalate in der EU in Kinderspielzeug, Kosmetika und Lebensmittelverpackungen verboten – ein Grund mehr zu fragen, was diese Stoffe in Sexspielzeug zu suchen haben.

"Der Markt ist voll mit billigen Toys aus unbekannten Materialien, weil sie günstig sind", sagt Savva Panayiotou, Mitgründerin des ethisch orientierten Sexshops Peepshow Toys. Es gebe viele Horrorstorys über Spielzeug, das schmilzt, Öle schwitzt oder streng riecht. "Das ist wirklich besorgniserregend."

Augen auf beim Dildo-Kauf

Die erste Frage beim Sicherheitscheck ist also das Material. Francesca Cross ist die Inhaberin des Online-Sexshops The Pleasure Garden. Sie warnt vor Materialien, die sich nicht vollständig reinigen lassen: "Überprüfe, ob das Material porös ist – das heißt nämlich, dass Bakterien, Viren und Pilzsporen hineingelangen können." Selbst wenn man solche Toys reinige, könnten die Organismen in dem Material sich erneut vermehren.

"Das kann Pilzinfektionen auslösen oder sogar Geschlechtskrankheiten übertragen, wenn mehrere Personen das Spielzeug benutzen", warnt Cross. Jelly-Toys sind besonders porös und damit sehr schwer zu reinigen. Auch der britische Staat warnt davor, dass nicht-steriles Sexspielzeug Krankheiten wie Syphilis, Herpes, Hepatitis und HIV übertragen kann.

Stattdessen solltest du nach Toys Ausschau halten, die von Aktivisten und ethischen Shops als unbedenklich eingestuft wurden. "Wenn nicht klar ist, aus was das Spielzeug besteht: Finger weg", sagt Cross. In ihrem Shop gebe es nur Toys aus Silikon, ABS-Kunststoffen, Glas, Metall, Holz und Keramik.

Wie sicher dagegen thermoplastische Elastomere (TPR) sind, ist nicht klar: Sie sind phthalat-frei, aber porös. Manche ethische Sexshops verkaufen sie, aber warnen, dass diese Toys nicht zum Teilen geeignet sind.

Peaches' bedenkliche Sexmaschine | Foto mit freundlicher Genehmigung von Emmeline Peaches

Nimm dich in Acht vor ejakulierenden Sexmaschinen

Die Sextoy-Rezensentin Emmeline Peaches hatte ein Erlebnis mit einer Sexmaschine, die nur Besorgnis statt Lust erregte. Die Maschine sollte mit einem Dildo zustoßen und Wasser spritzen können.
"Sie spritzte nicht. Ich drehte dieses riesige Teil um und versuchte ewig, das Wasser rauszuschütteln, das da hervorgetröpfelt kam", sagt sie Broadly. Letztendlich habe sie aufgeben müssen. Die Dildos, die mit der Maschine geliefert wurden, seien außerdem aus unsicheren Materialien gewesen. "Erst als ich die Materialien recherchierte, verstand ich, warum meine Maschine so giftig nach Chemie stank."

Der Hersteller, von dem Peaches die Maschine hatte, hat das Produkt inzwischen aus dem Sortiment genommen.

Wenn das Spielzeug in dir verschwinden kann, ist es nicht sicher genug

Billig-Toys aus schlechten Materialien sind häufig auch in anderer Hinsicht gefährlich. Die Muskeln im Gesäß spannen sich reflexhaft an, das heißt, wenn du Gegenstände anal einführst, können sie von dieser Bewegung "angesaugt" werden und in deinem Darm verschwinden. Das solltest du dir merken, wenn du keine Lust auf einen ziemlich peinlichen Besuch in der Notaufnahme hast.

"Anal-Spielzeug sollte immer einen breiten Griff oder eine breiteren Fuß haben", sagt Cross. So könne nichts verlorengehen. "Es gibt Toys, die als Buttplugs für Anfänger vermarktet werden, und dann haben sie unten nur einen Ring, der gar nicht als Stopper fungieren kann!", warnt sie. Diese Ringe sind nämlich oft kein bisschen breiter als das Toy selbst.

Girl on the Net ist Sextoy-Aktivistin und eine der Organisatorinnen der Sexblogger-Convention Eroticon UK. Bei ihrem ersten Sextoy-Kauf wählte sie Liebeskugeln aus Kunststoff, die mit einer Schnur verbunden waren. "Als ich damit spielte, merkte ich auf einmal, dass die Schnur gerissen war." Sie habe schon Panik bekommen, doch der Krankenhausbesuch blieb ihr erspart: Ihr Freund habe sie mit einem langstieligen Teelöffel von der Kugel befreien können.

Sextoy-Aktivistin Emmeline Peaches | Foto mit freundlicher Genehmigung

Warum sollte es mir wichtig sein, aus was meine Sextoys bestehen?

"Ohne Aufklärung über die Stoffe, mit denen wir in Berührung kommen, können wir keine informierten Entscheidungen für unser Sexleben treffen", sagt Sarah Brynn Holliday, die als Beraterin für Sextoy-Hersteller agiert. "Ich versuche, die Firmen zur Verantwortlichkeit zu bewegen und ethische Standards in der Branche zu fördern."

Holliday klärt außerdem Studierende darüber auf, wie gefährlich giftige Sextoys sein können. Vor Kurzem hat sie einen Vortrag an einer Universität in Boston gehalten. "Die queere Studierendengruppe hat mich eingeladen, um über Sextoy-Basics, Sicherheit und ethische Firmen zu referieren."

Seit ihrer Erfahrung mit der tröpfelnden Sexmaschine will auch Peaches in ihren Rezensionen warnen und aufklären. "Ich sage den Leuten, dass sie bestimmte Produkte, Materialien und Firmen meiden sollen", sagt sie. "Für gelungenen Aktivismus ist wichtig, dass die Menschen Informationen kriegen."

Körperliche Schäden wie sexuell übertragene Krankheiten oder Krebs sind nicht der einzige Grund, warum das Thema Aktivistinnen wichtig ist. "Sex ist ein Lebensbereich, in dem wir sehr verletzlich sind", sagt Peaches. "Wenn ein Sextoy jemandem schadet, hat die Person vielleicht danach nie mehr Lust, ein Toy auszuprobieren. Oder schlimmer noch, womöglich denkt sie, sie und ihr Körper wären daran schuld."

Die Tendenz auf dem Sextoy-Markt stimmt allerdings zuversichtlich. "Mehr Hersteller versprechen, nur noch sichere Materialien zu verwenden", sagt Cross. "Wenn wir die Kundinnen und Kunden genug aufklären, werden sie mit ihrer Kaufkraft den Rest erledigen."

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