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Rechte Medien

Rechtsextreme schreiben beim 'Postillon' ab

Das schweizer Blatt 'Recht+Freiheit' schreit "Lügenpresse" und produziert selber Fake News.

Kamil Biedermann

Kamil Biedermann

Screenshot: Twitter

Wenn es etwas gibt, das noch unterhaltsamer ist als die Satire-Artikel des Postillon, dann die Leute, die ersthaft so tun, als würden sie glauben, was da steht. Das war zumindest lange so, doch inzwischen ist es 2018 und auch der hinterletzte Internetnutzer müsste bei allzu absurden Headlines automatisch checken, ob der Postillon dahinter steckt. So auch beim Artikel "USA kündigen Teilverkauf der BRD GmbH an", der bereits 2015 beim Postillon erschien.

Diese Alarmglocken hat die rechtsextreme Schweizer Zeitung Recht+Freiheit noch nicht aufgehängt. Zu gut passte die Meldung wohl in ihr Weltbild, wonach die USA "Teile von Deutschland verkaufen wollen". Die Theorie, dass der deutsche Staat keine Legitimation habe und eine GmbH sei, ist in rechten Kreisen und bei sogenannten Reichsbürgern besonders beliebt. Wie der Postillon selbst auf seinem Twitter-Profil schreibt, übernahm Recht+Freiheit ganze Passagen sowohl direkt als auch sinngemäß und verwies dabei auf die gar nicht existierende, vom Postillon erfundene, Nachrichtenagentur "dpo" – die wohl nicht ganz zufällig Ähnlichkeit zur wirklich existierenden Deutschen Presse-Agentur "dpa" hat.

Die Aussage "Als mögliche Top-Interessenten gelten China, die Illuminaten, die jüdische Familie Rothschild" druckte die Zeitung ab, schnitt aber den letzten Teil "und ein Konsortium in der Antarktis lebender Nazis" ab. Warum der Autor des Textes bei dieser Passage nicht merkte, dass er da vielleicht völligen Stuss abschreibt, bleibt wohl sein Geheimnis.

Hinter der Zeitung Recht+Freiheit steht der Verein "Presseclub Schweiz" aus Basel – nicht zu verwechseln mit dem Schweizer Presseclub in Genf. Laut der Zeitung Beobachter wurde der Vereinsvorsitzende Publizist Ernst Indlekofer wegen mehrfacher rassistischer Diskriminierungen verurteilt. Die Webseite im 90er-Jahre-Look bleibt der stramm rechten Linie konsequent treu: Statt Anglizismen zu verwenden, schreibt Recht+Freiheit von "Weltnetzinformationen". Eines der Hauptanliegen der Zeitung ist "die Bewahrung der Schweiz vor dem Anschluss an marxistische Machtstrukturen". Neben Einwandererhass, Holocaust-Leugnung und einer Menge Verschwörungstheorien schreibt Recht+Freiheit besonders gerne gegen die "Lügenpresse" an. Dumm nur, wenn man selbst ein Teil davon ist und offensichtliche Satire als bare Münze verkauft – aber wen scheren schon valide und wahre Quellen, wenn sogar die beliebteste Partei der Schweiz in Fakten-Checks ständig gnadenlos durchfällt.

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Dieser Artikel erschien ursprünglich auf VICE CH.