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In Deutschland könnte es zur größten Vereinigung seit der Wiedervereinigung kommen

Aldi Süd und Aldi Nord wollen enger zusammenarbeiten.
15.2.18
Collage: VICE | Aldi Süd: imago | revierfoto | Aldi Nord: imago | STP

Discounter-Besitzer schaffen es regelmäßig unter die "reichsten Deutschen". Die Aldi-Besitzer kommen sogar zwei Mal vor. Denn sie haben das Land unter sich aufgeteilt, in Nord und Süd. Deswegen stehen die Eigentümer von Aldi Nord mit einem Vermögen von 18 Milliarden Euro auf dem sechsten Platz der Liste des Manager-Magazins. Ausgestochen werden sie vom Süden, deren Besitzer belegen mit 21,5 Milliarden Euro Platz fünf. Noch vor ihnen aber liegt der Lidl-Eigentümer Dieter Schwarz.

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Also: Fusion. Nord und Süd denken darüber nach, die Unternehmen langsam zusammenzulegen, als eine Art Super-Discounter, mit so erheblich höherem Umsatz. Das Manager-Magazin berichtet in seiner aktuellen Ausgabe von diesen Plänen und beruft sich dabei auf das Protokoll einer Sitzung von Aldi-Managern im vergangenen November. Sie wollen dabei langsam vorgehen, erst einmal bestimmte Waren zusammen einkaufen, dann langsam die Sortimente angleichen. "Perspektivisch sollte dann auch über weitere organisatorische Schritte der Kooperation nachgedacht werden", heißt es im Protokoll.

Ob es tatsächlich zu einer Zusammenlegung kommt ist unklar. Nach der Veröffentlichtung des Artikels hat sich Aldi Süd auf Facebook gemeldet: "Eine Fusion von ALDI SÜD und ALDI Nord ist weder geplant noch beabsichtigt. Natürlich arbeiten wir auch weiterhin kontinuierlich an einer Optimierung unserer Zusammenarbeit."

Dabei hatten sich Familien, die durch den Aldi-Äquator getrennt sind, womöglich schon Hoffnung gemacht. Oft gab es Streit: "Nord ist besser", "Nein, Süd", "Nein, nein, nichts geht über Lidl". Türenknallen, Drohungen. Allein Google findet 217.000 Treffer auf die Frage, welcher von beiden Märkten besser ist.


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Aldi Nord wird oft dafür gefeiert, den Charme einer Lagerhalle zu haben und "River Cola" zu vertreiben. Die Märkte gelten als besonders trist, während Aldi Süd angenehmes Licht, saubere Luft und schön bunte Verpackungen hat. Es wird als besonders fancy empfunden: "Feinwaschmittel oder Tiramisu aus dem Frischeregal bekommt man dort, wann immer der Supermarkt geöffnet hat", schrieb eine Welt-Journalistin.

Ein VICE-Kollege, der direkt am Äquator in Essen aufgewachsen ist, fasst es so zusammen: "Nord sieht lieblos aus Süd hat geilere Produkte. Direkt vor meiner Haustür war Aldi Nord, aber immer wenn es möglich war, bin ich zu Aldi Süd gegangen." Eine andere VICE-Kollegin bekommt sogar Care-Pakete ihrer Mutter aus München mit vegetarischem Brotaufstrich von Aldi Süd nach Berlin geschickt.

Warum, ja warum haben sich Aldi Nord und Süd überhaupt aufgespalten? Tatsächlich auch wegen eines Streits. Die Gründer-Brüder Theo und Karl Albrecht konnten sich nicht einigen, ob sie Zigaretten in das Sortiment aufnehmen sollten. Theo wollte sie und gründete 1961 Aldi Nord, Karl wollte sie nicht und spaltete sich mit Aldi Süd ab.

Die Aussöhnung begann eigentlich schon 2003, als sich letztendlich auch Aldi Süd entschloss, Zigaretten zu verkaufen. Wird also Zeit, dass ganz Deutschland auch in den Genuss der "blühenden Landschaften" in den Regalen von Aldi Süd kommt. Läuft ja sonst auch ganz rund mit Wiedervereinigungen in Deutschland.

Update 15. Februar 2018, 16.55 Uhr: Wir haben den Text um das Statement von Aldi Süd ergänzt.

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