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Erst fuhr er mit einem Hitler-Schriftzug durch Graz, jetzt soll er zwei Menschen erschossen haben

Der Flüchtige hatte Kontakte zu Pegida und rechten Parteien.

Paul Donnerbauer

Paul Donnerbauer

Foto vom Kleinbus des Täters. Screenshot via Google+

Friedrich F. war seit einer wirren Aktion im letzten Jahr bereits vielen Österreichern bekannt. 2016 pinselte er die Worte "Heil Hitler" auf die Heckscheibe eines weißen Kleinbusses und fuhr damit durch Graz. Darunter hatte er die Adresse seiner Website geschrieben. Jetzt steht er im Verdacht, zwei Menschen getötet zu haben.

Am Sonntag soll der 66-Jährige im österreichischen Dorf Stiwoll in der Steiermark zwei seiner Nachbarn erschossen und eine weitere Nachbarin schwer verletzt haben. "Es steht ein Nachbarschaftsstreit im Raum, was aber wirklich zu dieser Handlung geführt hat, das können dann nur die Vernehmungen klären", sagte Polizeisprecher Leo Josefus am Sonntagnachmittag zum möglichen Motiv des Täters gegenüber dem ORF.

Nach der mutmaßlichen Tat flüchtete Friedrich F. im selben Kleinbus, aufgrund dessen er 2016 bekannt wurde. Gegen Sonntagmittag wurde die Fahndung auf ganz Österreich ausgeweitet, mittlerweile sucht die Polizei im gesamten Schengenraum nach dem Mann. Die Polizei geht davon aus, dass F. noch immer bewaffnet ist.

Die Polizei fahndet öffentlich im gesamten Schengenraum nach Friedrich F. | Foto: Landespolizeidirektion Steiermark

Friedrich F. lieferte sich seit Jahren eine Auseinandersetzung mit der österreichischen Justiz. Auf seiner Seite justiz-gewalt.at prangerte er einen angeblichen Justizskandal an und wollte beweisen, dass die "SPÖ-Mafia" sämtliche Richter des Landes unter ihrer Kontrolle habe. Auf seiner Website dokumentierte er Prozesse und Verfahren rund um Verleumdungsklagen. Außerdem veröffentlichte er Verträge, die Sachverständige angeblich gefälscht hätten und warf Richtern vor, in ihre eigene Taschen zu wirtschaften.

Ein Kommentar von F. unter einem Artikel über die österreichische Justiz

Einzig der österreichischen Politikerin Irmgard Griss dürfte F. zunächst noch vertraut haben. Er unterstützte die Bundespräsidentschaftskandidatin 2016 im Wahlkampf, indem er mit einem mit Wahlplakaten und Transparenten verzierten Traktor für sie Werbung machte und ein bizarres Video von der Aktion auf YouTube veröffentlichte. Als allerdings Griss in der Stichwahl den grünen Kandidaten Alexander Van der Bellen unterstütze, wandte sich F. von der jetzigen NEOS-Politikerin ab und unterstütze den Kandidaten der rechtspopulistischen FPÖ, Norbert Hofer.

Friedrich F. hatte sich bereits davor ein Netzwerk an Kontakten zur FPÖ aufgebaut. In seiner Facebook-Freundesliste finden sich fast 50 Personen, die als Arbeitsplatz die FPÖ oder FPÖ-nahe Organisationen angeben haben und dort auch tatsächlich arbeiten oder zumindest bis vor Kurzem gearbeitet haben. Darunter teils auch prominente Politikerinnen und Politiker, wie zum Beispiel die Landtagsabgeordnete Ursula Stenzel, sowie zahlreiche Gemeinderäte und Lokalpolitiker vor allem aus der Steiermark und Niederösterreich, von denen viele noch am Sonntag Friedrich F. aus ihrer Freundschaftsliste auf Facebook gelöscht haben.

Neben diesen Kontakten zur FPÖ ist Friedrich F. aber auch mit der extremen Rechten vernetzt, zum Beispiel mit bekannten deutschnationalen Burschenschaftern und Sympathisanten von Pegida.

Ob F. ein ideologisch überzeugter Rechtsextremer ist, wie manche vermuten, ist fraglich. Er selbst schrieb dazu auf seiner Website: "Mit Wiederbetätigung habe ich nichts zu tun! Ich halte diesen Richtern/Staatsanwälten vor sich wie Natzi [sic!] Richter Roland Freisler aufzuführen!!!" und: "Mit einem Traktor und der Aufschrift 'SPÖ Politjustiz' 'Heil Hitler, oder wie oder was?' bin ich einige Tage in Graz herumgefahren. Von der Justiz und Presse wurde alles vertuscht. Anstatt zu hinterfragen."

F. wirkt vor allem wirr. Laut eigenen Angaben fühlte er sich von der SPÖ verfolgt. Dennoch steht aber auch fest, dass er für seinen abstrusen Kampf gegen die Sozialdemokratische Partei Österreichs eine Allianz mit der FPÖ forciert und auch eine Zusammenarbeit mit Rechtsextremen zumindest nicht gescheut hat. Und das rechte Lager scheint Friedrich F. nicht daran gehindert zu haben, hat sich mit ihm auf Facebook vernetzt und ihm zum Geburtstag gratuliert.

Josef Riemer ist Nationalratsabgeordneter der FPÖ

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