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R. Kelly wird weiterhin fleißig für Shows gebucht – allerdings nur in Deutschland

Angeblich kann man sogar ein Meet and Greet mit R. Kelly kaufen. Wir haben einen der Veranstalter gefragt, warum. Die Antwort beweist, dass auch 2019 Täter immer noch mehr geschützt werden als Opfer.

von Nina Damsch
10 Januar 2019, 1:42pm

Foto: imago | ZUMA Press

Wer geht 2019 noch auf ein Konzert von R. Kelly? Antwort: die Deutschen! Wie das Klatsch-Portal TMZ berichtet, wird R. Kelly weiterhin fleißig gebucht, "but only in Deutschland".

Ein Blick auf R. Kellys Facebookseite und Eventim bestätigt: Die einzigen R. Kelly-Konzerte, die in der nahen Zukunft geplant sind, finden in Ludwigsburg, Hamburg und laut TMZ angeblich auch in Oberhausen statt, wofür wir aber bisher keine offizielle Veranstaltung finden konnten.

Zwischen 100 und 124 Euro kostet es, am 12. und 14. April in Ludwigsburg beziehungsweise Hamburg R. Kelly live "bumpen" und "grinden" zu sehen. In Ludwigsburg wollen das laut Facebook-Veranstaltung immerhin 931 Leute (Stand 10.1., 13 Uhr). Die ganz Mutigen können laut TMZ sogar für etwas mehr als 300 Euro ein Meet und Greet mit dem Sänger erwerben.

Zum Hintergrund: Nach der Ausstrahlung der Enthüllungs-Doku-Serie "Surviving R. Kelly", die weltweite Bestürzung und den Aufruf #MuteRKelly auf Twitter auslöste, ist die Entscheidung, in Deutschland fröhliche R. Kelly-Shows zu planen, fragwürdig. Man bedenke: In den USA wurden bereits 2017 zahlreiche Konzerte seiner "After Party"-Tour gecancelt, nachdem Buzzfeed die erste Enthüllungsgeschichte über R. Kellys angeblichen Sexkult veröffentlicht hatte.

Am 3. Januar begann der US-Kabelsender Lifetime, episodenhaft über drei Tage hinweg "Surviving R. Kelly" auszustrahlen. In über 50 Interviews, die im Zuge der Doku geführt wurden, schildern Opfer, Freunde, Familienangehörige, Kolleginnen, Experten und Aktivistinnen Missbrauchs- und Pädophilievorwürfe gegen den Sänger, der als kontrollsüchtiger, aggressiver Meister-Manipulator beschrieben wird.

Inzwischen hat sich die Staatsanwaltschaft Georgia eingeschaltet und ermittelt gegen den Sänger. R. Kelly hingegen weist alle Vorwürfe von sich, ja droht sogar damit, sämtliche Mitwirkenden von "Surviving R. Kelly" zu verklagen.

Selbst ohne seine Vorgeschichte hinterlässt die Doku mindestens ein starkes Übelkeitsgefühl. 2002 wurde R. Kelly vorgeworfen, Geschlechtsverkehr mit einer damals 13-Jährigen gehabt und dies auf Video aufgezeichnet zu haben. 2008 wurde er in allen Punkten freigesprochen. Angeblich soll der Mann in dem Video ein anderer gewesen sein.

Auf Anfrage von Noisey, ob "HipHop Dates Stuttgart", einer der Veranstalter des Ludwigsburg-Konzert, plant, angesichts der aktuellen Vorwürfe das Konzert eventuell zu canceln, bekamen wir die Antwort:

"Zu den Vorwürfen gegen die Privatperson R. Kelly möchten wir keine Position einnehmen. Wir sind Veranstalter von Beruf und buchen den Künstler aufgrund seiner nicht bestreitbaren musikalischen Karriere und Leistung. R. Kelly hat weltweit zahlreiche Fans, die den Künstler und seine Musik gerne live erleben möchten."

Außerdem sei "HipHop Dates Stuttgart" bewusst, dass "einige von Euch" aufgrund von diversen Vorwürfen gegenüber der "Privatperson" R. Kelly auf keinen Fall das Konzert besuchen möchten. Daher bitten sie, zu respektieren, dass sie Veranstalter sind und "KEINE Ermittler, Rechtsanwälte oder Richter".

"Wir möchten gerne, dass Menschen, die von Berufs wegen einen objektiven Überblick über Fakten, Zeugen, Aussagen und Sachverhalte haben, ein Urteil darüber fällen, was richtig oder falsch ist. Veranstalter veranstalten, dabei möchten wir bleiben."

Wer heute noch uneingeschränkt an R. Kellys Unschuld glaubt und ihn als Musiker finanziell unterstützt, hat vermutlich ein sehr positives Menschenbild – oder zumindest kein Problem damit, die Machtstrukturen, die R. Kelly möglich gemacht haben, weiterhin aufrecht zu erhalten. Denn leider ist das 2019 immer noch so – und zwar nicht "only in Deutschland".

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