Feminisme

Zwischen Herzschmerz und Rache: wenn Menschen nach Trennungen durchdrehen

Vergiss drastische Kurzhaarschnitte und Gelage mit eimerweise Eiscreme—wenn dir das nächste Mal das Herz gebrochen wird, solltest du eine „Ratet mal, wer Single ist?“-Orgie veranstalten und nach Indien ziehen.
29.11.16
Photo by Jekaterina Nikitina via Stocksy

Es war im dritten Jahr meines Studiums. Ich saß auf meinem Bett und badete in dem warmen Glanz der Weihnachtsbeleuchtung, die ich nach sechs Monaten immer noch nicht abgenommen hatte. Dazu dröhnte „Stronger" von Christina Aguilera in voller Lautstärke aus meiner Anlage, während meine Freundin vor mir stand und eine Schere und eine Jogginghose von ihrem Ex in die Luft hielt.

Stofffetzen regneten zu Boden, während XTina keck blökte: „But uh uh, oh no, you're wrong." Ich saß da und feuerte meine Freundin an. Anschließend ging sie nach draußen und verbrannte alles, was der Typ in ihrem Zimmer zurückgelassen hatte. Es war ein bisschen verrückt, aber so sind Trennungen nun mal: Sie machen uns verrückt.

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„Menschliche Beziehungen sind seltsam", hat Charles Bukowski mal gesagt. „Man ist eine Weile mit einem Menschen zusammen, isst mit ihm, schläft mit ihm, lebt mit ihm, liebt ihn, redet mit ihm, fährt irgendwo hin mit ihm und plötzlich ist es vorbei." Genau dieses plötzliche Ende kann einigen von uns den Boden unter den Füßen wegziehen. In diesem Fall hat Herzschmerz nicht nur ein klischeehaftes Gelage mit tonnenweise Eiscreme und blau gefärbte Haare zur Folge, sondern kann auch dazu führen, dass du plötzlich 10.000 Euro für ein neues Gebiss zahlen musst oder du dich mit der Person verabredest, mit der dich dein Ex betrogen hat, nur um ihr heißen Kaffee ins Gesicht zu schütten.

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Da ich selbst nur eine einzige kurze und ziemlich friedliche Trennung hinter mir habe, bei der ich eigentlich nur erfolglos versucht habe, sein Facebook-Passwort zu knacken, war ich gespannt auf die anderen, extremeren Erfahrungen, die andere mit Liebeskummer gemacht haben.

Allerdings hatte ich nicht erwartet, dass es so schwer sein würde, Leute zu finden, die mir von ihren Erfahrungen erzählen wollen würden. Heather* hatte einen Herzschmerzdreier mit zwei (nicht miteinander) verheirateten Männern, die sie bei einer Hausparty getroffen hatte—in einem Haus, das keinem ihrer beiden Bekanntschaften gehörte. Ich habe sie um Details gebeten: Funkstille.

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Sid* hingegen war etwas auskunftsfreudiger. Er war die gesamte Mittelstufe über mit seiner ersten festen Freundin zusammen. Das heißt, ihre Beziehung hatte diese besondere Intensität, die nur pubertierende Jugendliche unter dem wahnwitzigen Einfluss von Hormonen verspüren. Nachdem die beiden Schluss gemacht hatten, schickt sie ihm ein Foto von sich, wie sie den Penis eines anderen Mannes im Mund hatte. Sie wollte ihn damit so richtig quälen. „Ich habe einen Screenshot davon gemacht und er ihrer streng religiösen Mutter geschickt. Danach hieß es für sie: Lebe wohl, Sommerferien. Hallo, Kirchenlager."

Das hatte ihm die Chancen bei seiner Ex natürlich komplett verbaut, aber zumindest hatte ihre Mutter noch ein sehr gutes Bild von ihm. „Sie bedankte sich bei mir und entschuldigte sich für ihre Tochter. Sie meinte das Übliche: ‚So habe ich sie nicht erzogen bla bla bla.' Sie ist eine wirklich sehr nette Frau. Wir laufen uns noch immer ab und zu über den Weg."

Harriet* hat etwas ähnliches erlebt, nachdem ihr erster Freund sie nach sechs Monaten Beziehung betrogen hat. „Ich habe seiner Mutter geschrieben, dass er Gras raucht und Drogen nimmt. Das habe ich selbst erst herausgefunden, nachdem wir Schluss gemacht hatten. Er wurde von seinen Eltern ziemlich zur Sau gemacht."

Foto: Chiara Cremaschi | Flickr | CC BY-ND 2.0

Seither haben sie nicht mehr miteinander gesprochen. Ich habe sie gefragt, ob sie danach ein schlechtes Gewissen hatte. „Der Mistkerl hätte mich nicht betrügen dürfen. Außerdem habe ich all seine Sachen verbrannt und ihm ein Foto davon geschickt. Ich war jung und unreif."

Die meisten dieser peinlichen Trennungsgeschichten kamen von Leuten, die damals 15 bis 18 Jahre alt waren—eine Zeit, in der man jedes Gefühl noch viel intensiver erlebt und man immer den aller extremsten Weg einschlagen muss, um über etwas hinwegzukommen. In ein anderes Land ziehen, zum Beispiel.

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Zak* war gerade mal 15, als er seine Mutter dazu überredete, von einer kleinen Stadt in Spanien nach Indien zu ziehen, nachdem ihn seine Freundin betrogen hatte. „Sie war 16 und wurde bald 17 und wir waren eigentlich auch nur vier Monate lang zusammen. Sie hat über MSN mit mir Schluss gemacht. Später habe ich dann über ihren Blog herausgefunden, dass sie mich betrogen hat."

Er war am Boden zerstört und ein Umzug nach Indien, wo sie Familie haben, schien der einzige Weg zu sein, um darüber hinwegzukommen. „Das hat mich total kaputt gemacht. Ich konnte es einfach nicht länger ertragen in Spanien zu sein."

Hat es ihm tatsächlich geholfen, über die Trennung hinwegzukommen? „Nein."

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Doch auch wer traditionellere Jammermethoden bevorzugt, um über eine Trennung hinwegzukommen, ist nicht immun gegen extreme Erfahrungen—vor allem, wenn sich der Partner als Vollidiot entpuppt. Milly* hat ihren Ex in einer Kneipe um die Ecke kennengelernt. Damals hatte sie noch keine Ahnung, was für ein Monster er in Wirklichkeit war.

„Nach ein paar Monaten hörte ich Gerüchte über ihn: dass er sich mit anderen Frauen treffen würde, dass er häufig Lügen erzählte und dass er oft vollkommen ohne Vorwarnung nicht zu Verabredungen erschien. Als wir zusammen Urlaub machten, verschwand er mal für einen ganzen Tag, ohne mir Bescheid zu sagen. Er ließ mich in einer fremden osteuropäischen Stadt komplett allein, obwohl wir den Urlaub eigentlich dazu nutzen wollten, unserer Liebe eine zweite Chance zu geben."

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Nach einer langwierigen Trennung, die aus zwei Jahren voller Tränen, Streit und flüchtigen Versöhnungen bestand, ließ Milly die Beziehung letztlich hinter sich—im Gegensatz zu ihrem Ex. „Ich konnte ihm einfach nicht entkommen. Er schrieb mir ständig Nachrichten, die so klangen, als wären wir noch immer zusammen."

„Den absoluten Tiefpunkt haben wir dann erreicht, als er eines Nachts in mein Haus einbrach und mir—für ich weiß nicht wie lange—beim Schlafen zusah, bis ich schließlich wach wurde und ihn rauswarf", sagt sie weiter. Statt zur Polizei zu gehen, unternahm sie nichts. Sie redete sich ein, dass er sich nur deswegen so furchtbar verhielt, weil er sie wirklich liebte. „Wenn ich es heute laut ausspreche, finde ich mich selbst absolut armselig." Mittlerweile bekommt sie nur noch alle paar Monate eine Nachricht von ihm.

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Doch nicht alle Trennungen führen zu emotionalen Qualen und obsessiven Stalkern. Rachel* hat mir erzählt: „Ich habe ein paar ‚Ratet mal, wer Single ist?'-Orgien und -Gangbangs veranstaltet. Das finde ich allerdings weder verrückt noch bedauernswert. Es ist absolut fantastisch."

Ich hatte noch nie Sex mit einem Ex und habe auch noch nie 60 Selfies mit verheulten Augen an einen Ex verschickt. Dafür habe ich habe ziemlich viele Mini-Marsriegel gegessen und eine ganze Flasche billigen Weißwein getrunken, weshalb ich aus einer Bowlingbahn rausgeworfen wurde. Wenn man gerade versucht über eine Trennung hinwegzukommen, dann sind das nie die Momente, auf die man später mit Stolz zurückblickt—oder um erneut Bukowski zu bemühen: „Die Liebe ist ein Höllenhund."


* Namen wurden geändert.

Foto: Sarah Scicluna | Flickr | CC BY-ND 2.0