Film

Von roher Gewalt bis Drogenrausch: Das sind die verstörendsten Filme aller Zeiten

Beschwert euch nicht bei uns, wenn ihr nach dieser Liste nicht mehr schlafen könnt.

von Josef Zorn
14 September 2017, 3:28pm

Foto: VICE Media


Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der Wiener Redaktion.

Mit zehn Jahren bin ich das erste Mal hinter den "Ab 18"-Vorhang in einem Filmmuseum geschlichen. Dort lief ein Stummfilm, in dem ein Junge mit einem Messer vergewaltigt wird, während ein bärtiger Mann das Ganze durch ein Fernrohr beobachtet, lacht und Tee trinkt. Das Gesehene hat mich zwar nicht in den Wahnsinn getrieben, aber es brannte sich definitiv tief in mein Gehirn ein.


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Es gibt viele Filme, die einen nachhaltig verstört zurücklassen. The Intern, Men in Black 3 oder die ersten filmischen Gehversuche diverser YouTube-Stars zum Beispiel . Im Gegensatz zu Emoji-Movies und dem Tausendsten Transformers-Teil gibt es allerdings auch Streifen, die so krank sind, dass sie schon wieder gut sind. Und die kommen jetzt.

Fear and Loathing in Las Vegas

Starten wir direkt mit einem vertrauten Titel aus dem vermeintlichen Drogenverherrlichungsgenre – obwohl der Macher, Terry Gilliam, nie auch nur annähernd psychotrope Drogen ausprobiert hat.

Jeder drogenaffine Mensch, vom kiffenden Studenten bis zum LSD-Superfreak, liebt diesen Film – zumindest ein bisschen. Acid-Halluzinationen und überreizter Rauschwahnsinn werden perfekt in Filmbildern nachempfunden, bis man vor lauter Passiv-High nur noch bestätigend nicken oder verzweifelt mitlachen kann.

Der Hintergrund ist freilich die semi-fiktionale Geschichte von Gonzo-Journalist Hunter S. Thompson und seinem Anwalt, die Anfang der 70er-Jahre für einen Schreibauftrag nach Las Vegas fahren und ganz nebenbei so ziemlich alle der Menschheit bekannten Drogen nehmen. Vom "Fledermausland" über haarige Busenmonster auf Adrenochrom bis hin zu bumsenden Dinosauriern in der Hotelbar, bietet Fear and Loathing das cineastische Äquivalent zu einem Picasso-Gemälde; und das vor dem ziemlich politischen Hintergrund von Nixons Anti-Vietnam-Amerika und dem Untergang des Amerikanischen Traums am Beispiel des disneyfizierten Vegas.

WTF-Punkte: 7 von 10


Der Mann, der lacht

Nicht dass die deutschen Expressionisten an sich besonders geistig gesunde Filme gemacht hätten – man muss nur an Das Cabinet des Dr. Caligari denken –, aber dieser Horrorstummfilm gehört bis heute mit zum Gestörtesten, was nicht nur das Genre, sondern das gesamte Kino hervorgebracht hat.

Und das liegt zu einem guten Teil an Conrad Veidt, dessen festgefrorenes Joker-Lachen selbst Jack Nicholson schlaflose Nächte bereiten könnte. Ganz so überraschend ist es also nicht, dass Veidt schon bei Dr. Caligari den schlafwandelnden Killer gespielt hat. Nichts gegen Heath Ledger, aber dieses Gesicht wird sich euch genauso einbrennen wie ihm das Lachen im Film.

WTF-Punkte: 8 von 10 (alleine schon, weil man von Stummfilmkino was Harmloseres erwartet)


Paprika

Anime-Filme sind immer ein dankbarer Kandidat in Punkto Wahnsinn – siehe Tekkonkinkreet, Ghost in the Shell oder der Hentai-Klassiker Adventure Kid. Auch Paprika lässt sich in Sachen entfesselter Wahnsinn nicht lumpen und zeigte schon vier Jahre vor Inception, dass die Träume anderer Menschen ein ziemlich furchtbarer Ort sein können.

Paprika, eine Therapeutin beziehungsweise ihr Alter Ego, steigt mit einem psycho-invasiven Gerät in die Träume ihrer Patienten ein. Ein mysteriöser Fall um einen Ermittler löst eine Lawine an Surrealismus und genialen Szenen voller Traum-Logik aus, die über die reale Welt in einem typisch über-übernatürlichen Finale à la Akira hereinbricht. Warum? Keine Ahnung. Es gibt ganze Foren voller Leute, die den Film nicht verstehen.

Alles, was ich weiß, ist, dass die Parade an Dämonen, Monstern und Babuschka-Puppen, die durch die Stadt wüten, wie mit einem Ghosterbusters-Protonenstrahler aus Hayao Miyazakis Frontallappen herausgeschnitten scheinen. Häutungen zerfließender Körper, Urängste und Schattenwesen – wer danach noch problemlos einschläft, ist ziemlich hart im Nehmen.

WTF-Punkte: 8 von 10


Slaughtered Vomit Dolls

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Foto: Lucifer Valentine & Unearthed Films

Gibt es eine IMDb-Liste der "Filmtitel, die einem den Schlaf rauben, und die Existenz Satans in den Köpfen der Menschen verifizieren"? Wenn nicht, würde allein dieser Streifen rechtfertigen, eine zu erstellen. Inhaltlich bekommt der geneigte Zuschauer dann genau das, was der Titel verspricht: Rednecks, die Mädels die Arme absägen, um sie sich anschließend in den Hals zu stecken und Blut zu kotzen – ganz ohne Spezialeffekte. Die Kotze sammelt der Erbrecher in einem Bierglas und trinkt sie aus, um sie dann wieder auszukotzen. Das ist aber noch lange nicht alles.

Ein Callgirl, das mit ihrer tief-gepitchten Stimme wie Luzifer persönlich klingt, schwört dem Teufel ewige Treue, hält verdrogte Monologe, tanzt komplett nackt an einer Stripper-Stange und kotzt natürlich auch regelmäßig. Wenn sie nicht gerade mit einem Kruzifix masturbiert. Dazwischen werden in extrem blutigen Splatter-Szenen Augen ausgelöffelt, und alles in allem kann man die Macher nur als komplett wahnsinnig bezeichnen. Wenigstens ist das Ganze aber sehr gekonnt und überlegt geschnitten.

WTF-Punkte: 10 von 10


Tetsuo: The Iron Man

Dieser japanische Experimental-Geniestreich von 1989 könnte durch seine Strobo-Cuts und die sprunghafte, verrückte Kameraführung hingegen leichte Anfälle und Desorientierung auslösen. Stockmaterial von Großstadtwetter und Industriemaschinerie wurde hier mit einer Werwolfgeschichte gegengeschnitten, die das Opfer zu einem metallenen Schrottmonster mutieren lässt.

Extrem coole Stop-Motion-Spielereien, die Inspiration für Dutzende spätere 90er-Musikvideos sein MÜSSEN, treffen auf mechanophilen Body Horror. Anschließend folgen Metallhexen, ein riesiger Bohrerpenis und diverse Schlauchpenetrationen, denn es wäre kein abgefuckter Film, wenn es nicht auch irgendwie um Sex ginge. Beim Endkampf trifft der verfluchte Herr des Lötzinns dann auf den zum Blech-Dämonen gewordenen Metallfetischisten. Schließlich vereinen sie sich, um die ganze Welt in Metall zu verwandeln.

WTF-Punkte: 7 von 10 (aber schaut euch bloß nicht die anderen Tetsuo-Teile an!)


Irreversible

Irreversible ist ein Film, der es sich fest vorgenommen hat, seine Zuschauer psychisch zu brechen. Direkt zu Beginn sehen wir, wie einem Mann mit einem Feuerlöscher der Schädel eingeschlagen wird, der einprägsamste Moment kommt allerdings in der Mitte des Films: Monica Belluccis Hauptfigur wird in einer Fußgängerunterführung vergewaltigt und anschließend ins Koma geprügelt. Die schreckliche und nervenzerfetzende Szene dauert knapp zehn Minuten – und sorgte bei den Filmfestspielen in Cannes für mehrere Ohnmachtsanfälle.

Das vielleicht Grausamste an Gaspar Noés Skandalfilm ist allerdings, dass die Ereignisse rückwärts ablaufen. Der Film endet in heiler Welt und Sonnenschein, während man sich als Zuschauer weinend in der Dusche zusammenkrümmen will.

WTF-Punkte: 1 von 10 (weil in einer Welt, die rückwärts läuft, 1 nun mal 10 ist)


Holy Motors

Ein schlaksiger Typ, gespielt von Denis Lavant, der wie eine Kreuzung aus einem Leprechaun und Helge Schneiders Bruder erscheint, fährt mit einer Limousine von einem surrealistischen Kurzfilm zum nächsten. In jeder Sequenz nimmt er eine andere Rolle ein, samt Verkleidung – ob stummer Anbeter von Eva Mendes, besorgter Papa, Lynchesquer Lauscher von Kylie Minogue, blutiger Selbstzerstörer oder anarchistischer Ziehharmonika-Spieler.

Jede Sequenz in diesem französischem Fest der Crazyness hat andere Sensibilitäten, einen anderen Look und eben die völlig unterschiedlichen Darstellungstypen von Lavant. Umwerfend und komplett gaga.

WTF-Punkte: 7 von 10


Import/Export

Warum gerade der, wenn alle Filme von Ulrich Seidl zur Wahl stünden? Bei Import/Export gibt es diese eine Szene, die mir den Verstand raubt – jedes Mal, wenn ich an sie denke.

Der fette Stiefvater und Chef von Pauli, der in der Ukraine Spielautomaten aufstellt, holt eine wahrscheinlich minderjährige Prostituierte in deren räudiges Hotel-Zimmer. Der grindige Wiener hat Sex mit der Kleinen und will Paul ständig überreden, dass er sie doch auch ficken solle. Ihr Zittern, der glasige Ausdruck in ihren Augen – der Realismus in diesen Szenen ist furchtbar. Wie auch immer das alles zustande gekommen ist, es ist wahnsinniges Filme-Machen in Rein- und Rohform.

WTF-Punkte: 5 von 10


Hobo with a Shotgun

Ich war so dermaßen besoffen, als ich mir diesen Film angesehen habe, dass mir der Irrsinn noch irrsinniger in Erinnerung geblieben ist: Wirklich grausliche Weihnachtsmänner, sadistische Bubis mit scharfen Eislaufschuhen und viel over-saturated over-the-top Gewalt wüten durch den Film, dass einem schwindelig wird. Rutger Hauer als der obdachlose Racheengel dezimiert mit seiner Wahlwaffe die "Plage" und das Verbrecherkartell. Die Bösen werden als abartige und gewissenlose Biester und komplett legitimes Kanonenfutter für den Hobo etabliert.

Brennende Schulkinder sind dabei nur die Spitze des Eisbergs aus Splatter und Psycho-Action und am Ende bleibt die Erkenntnis: Kanadier – alle verrückt!

WTF-Punkte: 6 von 10


Cannibal Holocaust

Italiener sind aber auch nicht ohne. In verschiedensten Kunstformen waren sie schon Vorreiter – und so auch in diesem blutig grausamen und rassistischen Höhepunkt des Mondo/Exploitation-Genres, rund um eine Gruppe Dokumentarfilmer im Amazonas. Bei so viel Menschenfresserei, Pfählung und Vergewaltigung kann wohl nur noch Gesichter des Todes mithalten.

Italiens Trash-Splatter-Elite hat sich ein Jahr später überlegt, in Punkto Titel und Trash-Faktor mit Porno Holocaust noch eins drauf zu setzen und zeigt nach 40 Minuten klassischem Porno plötzlich einen riesigen Zombie-Eingeborenen, der die Mädels zu Tode bumst. Der Film gipfelt in einem Blowjob auf einem Rettungsboot und dürfte selbst jeden, den das Ganze auch nur ansatzweise erregt hat, mit ziemlich vielen Fragen zurücklassen.

WTF-Punkte: 8 von 10


Antichrist

Eines meiner Lieblingszitate, an das ich immer denken muss, wenn ich im Wald bin, stammt aus diesem Film: "Nature is Satan's church." Aber machen wir es kurz, weil ich vor Phantomschmerzen sterbe, wenn ich zu lange an diese eine Szene in Lars Von Triers depressivstem Werk EVER denke – Kindstod und Willem Dafoes Gesicht inklusive.

Charlotte Gainsbourg schneidet sich mit einer Schere in der unheiligsten Nahaufnahme aller Zeiten die Klitoris ab. Und Tschüss!

WTF-Punkte: 9 von 10


A Clockwork Orange

"Well, well, well, well, well, ..." Alex ist für mich das inoffizielle Vorbild der Punk-Bewegung – wie nicht nur ein Lied der Toten Hosen beweist – und anderer antiautoritärer, autonomer, anarchistischer Fans von Prügeleien. Und wer wünscht sich nach diesem Film eigentlich nicht eine riesige Penis-Gipsskultpur?

In Großmeister Kubricks Zukunftsvision einer psychologisierten Zwangs-Läuterung wird ein überstilisierter Vandale und gewaltbereiter Gang-Leader in altmodischer Unterwäsche samt Lidstrich zum hilflosen Sandsack umkonditioniert. Und das mit Hilfe von Beethovens Musik, die als moralischer Schlag auf die Finger fungiert.

WTF-Punkte: 6 von 10


Jodorowsky's Dune

Das wirkliche Wahnsinnige an dieser Dokumentation über einen Film, den es nie gegeben hat, ist eigentlich das "Kopfkino-Erlebnis", das entsteht, wenn man dem verrückten Chilenen bei seinen Ausführungen zuhört.

Jodorowsky wollte ein Sci-fi-Epos kreieren, das uns sonst nur H. R. Gigers Horrorkunst geboten hätte. Darüber hinaus hätten wir Orson Welles, Mick Jagger, David Carridine, Udo Kier und Salvadore Dali ( Un Chien Andalou gehört eigentlich auch in dieser Liste erwähnt) in diesem Monumental-Projekt vereint erleben können. Man stelle sich nur die psychedelischen Effekte und unmöglichen Sets vor!

WTF-Punkte: 0 von 10 (weil es den wahnsinnigen Film aus meiner Vorstellung nicht gibt)

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