Popkultur

Menschen erzählen von dem Augenblick, in dem sie sich für eine Schönheitsoperation entschieden haben

Größere Brüste, transplantierte Haare, angelegte Ohren – Was das Leuten gebracht hat.

von Chris Bethell
28 März 2018, 11:28am

Pornos, Instagram, Germany’s Next Topmodel – Schuldige für die kontinuierliche Zunahme von Schönheits-OPs sind schnell genannt. Und tatsächlich legen aktuelle Statistiken wie die der Fachvereinigung DGÄPC nahe, dass es einen Zusammenhang zwischen sozialen Medien und dem Anstieg ästhetischer Gesichtskorrekturen gibt. Am Ende erklären solche Statistiken aber auch nur bedingt, warum sich Menschen unters Messer legen. Wir haben einige von ihnen gefragt, wie sie heute über ihre Entscheidung denken.

Sheriffa Owusu, 25, @talldark_mya

VICE: Was für eine Operation hattest du?
Sheriffa: Eine Brustvergrößerung.

Kannst du den Augenblick beschreiben, in dem du dich für den Eingriff entschieden hast?
Ich habe meine flachen Brüste gehasst. Am Anfang habe ich noch gewartet, wie sich mein Körper entwickelt. Mit 21 begann ich dann aber, mich für Brustvergrößerungen zu interessieren. Mit 25 wurde es ernst. Ich habe selbst schon immer Witze über meine Brüste gemacht, die ich wirklich lustig fand. Dann meinte ein Kollege aber aus Spaß, dass sogar seine Brüste größer seien als meine. Das war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Ich bin sehr selbstbewusst und habe mich immer als eine neun von zehn gesehen. Wegen meiner Brust war ich aber eben nur eine neun. Also dachte ich mir irgendwann: "Warum eigentlich nicht?"

Wie ging es dir danach?
Nach dem Eingriff stand ich schon etwas unter Schock. Ich lag bandagiert im Bett, meine Arme noch steif, weil sich auch meine Muskeln erholen mussten. Es war nicht wirklich angenehm und irgendwann dachte ich mir: "Was habe ich mir da angetan?" Aber andererseits: Ich hatte es endlich getan! Ich konnte kaum abwarten, unter den Verband zu gucken, hoffte aber auch, das nichts schiefgelaufen war.

Fünf Monate ist der Eingriff her und das Schlimmste habe ich hinter mir. Das Beste steht mir noch bevor. Es heißt, dass man das Endresultat zwischen sechs und zwölf Monaten nach dem Eingriff sehen kann.

Wie hat sich dein Leben verändert?
Das neue Selbstbewusstsein ist großartig. Ich habe meinen Freund einen Monat nach meiner Operation kennengelernt. Ich hatte etwas Angst, dass er mich dafür verurteilt. Aber er hat mich so akzeptiert, wie ich mich akzeptiert habe. Ich bin 25, aber es fühlt sich wie meine zweite Pubertät an: Ich kann jetzt Kleider tragen und mich wie die Frau fühlen, die ich immer sein wollte.

Edward Lemont, 33, @discerningman

VICE: Was für einen Eingriff hattest du?
Edward: Ich hatte eine Haartransplantation, auch bekannt als Follicular Unit Extraction oder FUE. Der Eingriff nimmt zwei Tage in Anspruch. Weil man hinten generell dickere Haare als vorne hat, eignet sich hinten als Spenderbereich. Im Endeffekt haben sie 2.000 Haare – einzelne Strähnen – von meinem Hinterkopf nach vorne bewegt. Vier Stunden lang wurden alle einzeln rausgenommen und dann – nach einer kurzen Pause – vier Stunden lang wieder eingesetzt. Im Grunde kannst du so deinen Haaransatz neu definieren.

Wann hast du dich dazu entschieden?
Ich habe sehr schnell meine Haare verloren. Ein paar Jahre lang war es OK und ich hatte ein paar Stellen, die etwas lichter waren. Dann aber fielen sie mir vorne in so einer Hufeisenform aus und ich hatte nur noch einen Büschel stehen. Ich konnte das auch nicht mehr verstecken. Irgendwann hat mich das sehr beschäftigt – insbesondere als Blogger. Das alles hatte etwa sechs Monate nach dem Beginn meiner Blogger-Karriere angefangen. Dafür war es ja wichtig, vor der Kamera zu stehen. Ich war nach Shootings immer entsetzt darüber, wie meine Haare auf den Fotos aussahen. Ich hatte eine Transplantation schon in Erwägung gezogen, als mir eines Tages zufälligerweise eine Haarklinik bei Twitter folgte. Ich habe dann angefragt, ob sie mit Bloggern zusammenarbeiten, und zu meinem Glück hatten sie Lust darauf.

Wie hat sich dein Leben dadurch verändert?
Ich würde sagen, dass sich mein Selbstbewusstsein total gesteigert hat. Ich kann jetzt Frisuren machen, die ich immer machen wollte. Ich bin nicht mehr so unsicher und bearbeite Fotos nicht mehr so stark. Womit ich aber nicht gerechnet hatte, waren die vielen Nachrichten und E-Mails, die ich jeden Tag bekomme. Leute suchen im Internet nach Behandlungen und sehen jetzt Bilder von mir und anderen. Ich wusste nicht, dass ich dadurch zu einem Botschafter für Haartransplantationen werden würde! Aber diese Krone trage ich gerne.

Jodie Tuck, 27, @j4y_uk

VICE: Welche Operation hattest du?
Jodie: Ich hatte eine Brustvergrößerung. Ein ziemlich normaler Eingriff heutzutage.

Kannst du mir von dem Moment erzählen, in dem du dich dafür entschieden hast?
Jahrelang schwirrte das schon in meinem Kopf rum. Ich habe zwei Kinder, eine sechsjährige Tochter und einen zweijährigen Sohn. Ich habe beide mit der Brust gestillt. Dir sagt aber niemand, dass du dadurch Brustvolumen verlieren kannst. Nachdem ich meinen Sohn abgestillt hatte, habe ich mich für die Operation entschieden.

Wie war dein Leben vor der Operation?
Ich würde nicht sagen, dass es so viel anders war. Ich habe mich beruflich umorientiert und mit dem Modeln angefangen. Es hat also meine Wahlmöglichkeiten erweitert. Ich bin außerdem viel selbstbewusster.

Sarah Addison, 32

VICE: Was für eine Operation hattest du?
Sarah: Ich hatte eine Brustreduktion. Ursprünglich hatte ich Körbchengröße G – riesig – und jetzt bin ich auf D runter.

Kannst du mir von dem Augenblick erzählen, in dem du dich dafür entschieden hast?
Ich wollte das schon seit Jahren. Ich hatte nur nie das Geld dafür. Dann mussten mein Mann und ich eine neue Hypothek aufnehmen und er fragte mich einfach, ob ich es nicht machen lassen möchte. Ich hatte zu dem Zeitpunkt schon so viel Schmerzen wegen meiner großen Brüste gehabt. Die meisten Menschen wissen nicht, was ein großer Brustumfang mit einem macht: Rückenschmerzen, Nackenschmerzen und auch das Selbstbewusstsein leidet darunter. Ich hatte meins komplett verloren. Ich musste Kleidung tragen, die mir viel zu groß war. Neben den Schmerzen hatte ich auch ständig Schweißbläschen unter der Brust. Insgesamt waren meine Brüste einfach sehr unangenehm.

Wie hat sich dein Leben dadurch geändert?
Es hat mein Selbstbewusstsein extrem verbessert. Mein Mann darf mich jetzt auch sehen, um es mal so auszudrücken. Ich war unter 30, als ich den Eingriff habe durchführen lassen. In dem Alter ist es einfach furchtbar, solche Brüste zu haben. Du kommst dir vor wie eine Oma. Ich habe seitdem auch Gewicht verloren und kaufe mir jetzt Anziehsachen, in denen ich mich toll fühle. Die sind in meiner Größe und hängen nicht mehr so an mir runter. Ich gehe jetzt auch gerne aus.

Fox Fisher

VICE: Was für eine Operation hattest du?
Fox: Ich hatte eine Mastektomie. Das heißt, jegliches Brustgewebe wurde entfernt und meine Warzen entsprechend angepasst und neu positioniert. Das hat zwei lange Narben hinterlassen, die horizontal über meinen Brustkorb laufen. Mit Tattoos habe ich mir Teile der Narben abdecken lassen.

Wann und warum hast du das gemacht?
Das war etwa vor fünf Jahren, aber ich wusste schon lange davor, dass ich die Operation haben wollte. Einen Großteil meines Lebens hatte ich das Gefühl, im falschen Körper zu stecken. Ich fing damit an, meine Gender-Präsentation als Dragking zu erkunden. Ich begann mit Packing, steckte mir also eine Socke oder etwas anderes in die Hose. Ich band mir meine Brust ab und klebte mir Haare ins Gesicht. Nach meinen Auftritten wollte ich mein Kostüm gar nicht mehr abnehmen.

Ich hatte immer wieder Panikattacken und mir wurde klar, dass ich endlich allen Mut zusammennehmen und mich als Trans outen muss. Durch mein Coming-Out hatte ich das Gefühl, Frauen zu hintergehen. Ich hatte und habe auch immer noch große Probleme mit einem gewissen Männlichkeitsbild und damit, wie Männer Frauen behandeln. Ich wurde aber auch älter und hatte Angst, dass mein Zug bald abgefahren ist. Natürlich hatte ich die Sorge, dass ich das alles durchmache – meinen Namen ändere, Hormone nehme und mich operieren lasse – und mich am Ende noch immer nicht wohl in meiner Haut fühle.

Wie hast du die OP letztendlich in Angriff genommen?
Die Wartezeiten für eine von der Krankenkasse bezahlte Operation sind hier in Großbritannien extrem lang. Zum Wohle meiner psychischen Gesundheit habe ich dann den privaten Weg eingeschlagen. Ich hatte mir zu dem Zeitpunkt schon vier Jahre lang die Brüste abgebunden. Diese Bandagen schränken einen unglaublich ein. Du bekommst schlecht Luft, schwitzt tierisch und dein Rücken tut weh. Die Alternative, also ohne Bandage, war aber noch viel schlimmer für mich. Ich wollte die Operation unbedingt. Ich habe mir dann einen renommierten Arzt in Florida ausgesucht. Wenn schon, denn schon.

Wie ging es dir nach der OP?
Nachdem ich mich von dem Eingriff erholt hatte, war mein Leben wie neu. Allein die Tatsache, dass ich jeden Tag einfach so ein T-Shirt anziehen kann, ist großartig für mich. Ich weiß, dass das für die allermeisten ganz normal ist, aber für mich ist das ohne diese Bandage etwas ganz Neues gewesen. Ich hatte wunderschöne Brüste, aber sie waren einfach nicht meine. Ich fühlte mich nicht gut mit ihnen.

Sich unters Messer zu legen, ist natürlich ein großer Schritt, aber ich habe den Eingriff nicht einmal bereut. Er hat mich zu dem gemacht, was ich bin. Wenn ich in den Spiegel schaue, sehe ich mich, anstatt meine Brüste zu verdecken und mir vorzustellen, wie ich ohne aussehen würde. Ich habe gelernt, meine Narben schätzen zu lernen. Ich weiß, dass mein Körper nie der gesellschaftlichen Norm entsprechen wird, aber das ist mir jetzt egal. Ich bin zufrieden und fühle mich für den Rest meines Lebens wohl in meiner Haut.

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