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Meine Mutter

Meine Mutter hat sich City Girls' und Cardi Bs Arschparade von einem Musikvideo angesehen und bewertet

"Ich verstehe nicht, warum 'sexualisiert' auch immer als etwas Negatives hingestellt wird. Ohne Sex wären wir schließlich nicht auf der Welt."

von Nina Damsch
17 Januar 2019, 1:42pm

Foto: Screenshot von YouTube aus dem Video "City Girls - Twerk ft. Cardi B (Official Music Video)" von City Girls


Wenn City Girls und Cardi B ein Video zu ihrem Song namens "Twerk" releasen, dann weiß man, was man kriegt. Und doch wissen wir immer noch nicht so recht, womit wir all das verdient haben sollen, was die Miami-New-Yorker Rap-Connection da am Mittwoch gedroppt hat. Seid gefasst darauf, dass einige Typos in diesem Text sein könnten, denn ich schreibe diese Worte auf einer Arschbacke hüpfend und meine Haare schwingend. "Twerk" ist Energie pur und lässt Bounce-Fans Herz und Hose aufgehen. Sprich: Es macht einfach Spaß.

Aber was hält Mama von all dem? Schließlich ist Mama die beste. Auch wenn sie wenig bis gar keine Ahnhung von Rap hat. Aber gerade das ist es ja, was ihre Meinung so interessant macht. Sie eröffnet uns bisher verborgen gebliebene Blickwinkel, Ideen und Schlussfolgerungen, auf die wir ohne sie weiß Gott nicht gekommen wären.

Es wird mal wieder Zeit, die Meinung einer Person einzuholen, die mit polastiger Tanzmusik eher Elvis als Cardi B verbindet und sich von ihren "technisch versierten Freunden" immer noch CDs für längere Autofahrten brennen lässt. Vielleicht schafft es "Twerk" ja auf die Nächste?


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Noisey: Sagt dir Cardi B etwas?
Mama: Nein. Also kann sein, dass ich mal was gelesen habe in der Zeit. Aber ich kann mir die Namen nicht merken.

City Girls sagen dir dann wahrscheinlich auch nichts. Das sind zwei Rapperinnen aus Miami, die im letzten Jahr einen kleinen Hype hatten. Eine musste dann aber ins Gefängnis.
Warum?

Kreditkartenbetrug und Identitätsmissbrauch.
Ah ja. Jetzt muss sie das ja hoffentlich nicht mehr machen.

Wir starten das Video. Mama setzt sich beflissentlich ihre kleine Brille auf, als ein Schriftzug auf dem Bildschirm erscheint.

Gehört das schon zum Video? Was steht da?

Im Vorfeld des Musikvideos haben City Girls Frauen weltweit aufgefordert, Twerkvideos von sich einzusenden für einen Contest. Die besten wurden für das Video eingeflogen und der Gewinnerin wurde 25.000 Dollar Preisgeld versprochen. Das Video ist also der Contest.

Ah ja verstehe, das ist ja super.

Mama blickt gebannt auf den Bildschirm und unterbricht kein einziges Mal das Video, um zwischendurch einen Kommentar abzugeben wie sonst. Nur an manchen Stellen lacht sie mal auf oder reißt die Augen ungläubig auf. Beispielsweise, als eine Dame wie ein Käfer auf dem Rücken ihre Beine umschlingt und zu zappeln beginnt.

Was ist dein erster Eindruck?
Sehr fröhlich. Mir gefällt die Girlpower – wobei "Girlpower" da eigentlich nicht richtig ist, das sind ja erwachsene Frauen. Ich verstehe den Text von diesen Liedern ja meistens nicht so gut, aber die Message für mich war: Frauen haben miteinander Spaß. Natürlich mit einer gewissen aggressiven Körperlichkeit. Die wendet sich aber gegen niemanden und komischerweise wirkt sie auch null aggressiv. Diese Übertreibung verleiht dem Video eher etwas Lustiges, Spaßiges. Und das nicht unfreiwillig, sondern ganz bewusst.

Man sieht tatsächlich auch keinen einzigen Mann. Obwohl das Video mehr Frauen und diese sexueller zeigt als so manches männliches Rapvideo mit ähnlichen Szenen, wirkt es viel "harmloser" auf mich.
Ja, es ist eine totale Frauenparty, die zusammen Spaß haben. Aber trotzdem empfinde ich das jetzt auch nicht als anti-männlich. Oder überhaupt als anti-irgendwas.

Bounce Musik ist tatsächlich auch eines der wenigen Subgenres von HipHop, das schon immer Überschneidungen mit der LGBTQ-Szene hatte. Also schon allein von der musikalischen Tradition her ist diese Musik sehr pro und nicht anti-irgendwas. Sehr energetisch, sexuell und fröhlich.
Ja, ich kenne das vom Reiten. Wenn ein Pferd "bouncy" ist, dann ist das auch so hoppelig. Wenn man sich so einen ästhetischen Pferdehintern beim Laufen ansieht, dann tun sich da ja gewisse Parallelen auf.

In den Kommentaren wird viel gefeiert, aber natürlich beschweren sich auch Leute darüber, das Video sei zu aufdringlich oder sexualisiert.
Es geht doch in dem Moment um einen Tanz. Und Tanz war schon immer körperlich, egal in welcher Gesellschaft. Angefangen bei rituell oder spirituell geprägten Anbetungen bis hin zum klassischen Ballett. Und zwar Körperlichkeit ohne Prüderie. Tanz hat immer etwas Symbolhaftes und was jetzt bei dieser Art Tanz rüberkommt, ist für mich Lebensfreude. Ich verstehe nicht, warum "sexualisiert" auch immer als etwas Negatives hingestellt wird. Ohne Sex wären wir schließlich nicht auf der Welt.

Ohne Twerken kein Leben!
Könnte man so sagen.

Twerken ist also auch Kunst?
Natürlich. Alles, was einen Ausdruck hat und versucht, etwas rüberzubringen – was auch immer das sein mag – ist Kunst. Und um sich auszudrücken, kann man alle Formen benutzen. Man kann den Stift benutzen, man kann den Pinsel benutzen oder die Stimme. Oder eben auch den Po.

Schätzet die Ratchetness!
Was ist Ratchetness?

Egal, danke Mama!

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