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Überraschende Festnahme: Mutmaßlicher Betreiber von Kinox.to in Haft

Seit drei Jahren waren die berüchtigten Streaming-Brüder auf der Flucht. Für einen von ihnen endete sie im Kosovo auf unerwartete Weise.

von Daniel Mützel
12 September 2017, 9:50am

Bild: Imago.

Ein mutmaßlicher Betreiber des Streamingportals kinox.to wurde im Kosovo verhaftet. Kreshnik S., der mit seinem Bruder Kastriot die Fäden hinter der beliebten, aber illegalen Plattform ziehen soll, stellte sich laut Handelsblatt bereits Mitte Juli überraschend den kosovarischen Behörden. Seit drei Jahren sind die Streaming-Brüder auf der Flucht. Sie entkamen damit einer Polizeirazzia im elterlichen Wohnhaus bei Lübeck im Jahr 2014. Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden fahndet seitdem öffentlich nach ihm, Kreshnik S. soll sich seitdem auf dem Balkan versteckt haben.

Die Festnahme erfolgte vor der deutschen Botschaft in der Hauptstadt Pristina, "im Hinblick auf den hier gegen ihn vorliegenden Haftbefehl", zitiert das Handelsblatt den Dresdner Oberstaatsanwalt Oliver Möller. Kreshnik S. sitze derzeit in Auslieferungshaft, sein Bruder sei weiterhin flüchtig, so das Blatt.

Die Brüdern stehen in Verdacht, neben dem kinox.to auch das zweite große deutsche Streamingportal movie4k.to betrieben zu haben. Ebenfalls sollen sie hinter den Filehostern Bitshare, mfreakshare.com und bitshare.com stehen. Kinox.to und movie4k.to geben auf ihren Websiten an, die Filme, Serien und Dokus nur zu verlinken. "Kinox.to ist nicht illegal, Kinox.to hostet keine eigenen Streams, sondern verlinkt nur embeded Codes", heißt es in den FAQ auf Kinox.to. Sollte ihnen nachgewiesen werden, dass sie auch die Filehoster betrieben haben, könnte es eng für die Brüder werden.

Fahndungsaufruf. Bild: Polizei Sachsen.

Die Dresdner Generalstaatsanwaltschaft wirft ihnen vor, Gründer und Rädelsführer einer kriminellen Vereinigung zu sein, die mit dem "Betreiben von Raubkopienportalen" ihren Reibach machte. Darüber hinaus seien die Brüder auch in anderen Belangen dringend tatverdächtig: räuberische Erpressung, Nötigung, Brandstiftung und Steuerhinterziehung.

Nicht nur harmlose Nerds, sondern Kriminelle mit Verbindungen zum organisierten Verbrechen

Auf ihrer Webseite präsentieren sich die Macher der Streamingportale hingegen als Vorkämpfer für freien Datenverkehr und gegen die "gierige Copyright-Lobby" und staatliche "Zensur".

Für die Ermittler ist jedoch etwas anderes an den beiden Brüdern auffällig: Sie seien keine scheuen Nerds, sondern würden zur Durchsetzung ihrer Geschäftsinteressen auch Gewalt und Drohungen anwenden, wie das Handelsblatt mit Verweis auf Behördenkreise schreibt. Die LKA-Ermittler gehen auch davon aus, dass die Brüder S. Verbindungen zum organisierten Verbrechen pflegen. Auch ein ehemaliger Geschäftspartner scheint die beiden Brüder für gewaltbereit zu halten: Avit O., der inzwischen in einem Prozess für seine Rolle als dritter Mann von Kinox.to verurteilt wurde, hat laut Motherboard-Informationen zumindest so viel Angst vor der kriminellen Energie der beiden, dass er im Prozess gegen ihn genau darauf achtete, nichts Falsches gegen sie auszusagen und ihren Zorn auf sich zu ziehen. Im Fahndungsaufruf der Polizei Sachsen wird auch davor gewarnt, dass die beiden im Besitz von Schusswaffen sein könnten. Laut der Anti-Piraterie-Organisation GVU starteten die Brüder im Alter von 13 und 16 Jahren mit Bitshare.com ihren ersten Filehoster.

Avit O. im Prozess vor dem Landgericht Leipzig. Bild. Martin Schöler.

Avit O. sitzt inzwischen in Haft: O., der in Streaming-Kreisen unter dem Namen „Pedro" agierte, einigte sich mit dem Landgericht Leipzig 2015 auf einen Deal und wurde zu drei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt.

Kinox.to und Movie4k.to sind auch nach der Festnahme von Kreshnik S. weiterhin erreichbar.

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