Murphy's Law

Wie meine seltene Lieblingsplatte für ein Bad in der Aare draufging.

Nasse Abkühlung mit (zu) heissen Folgen!
2.10.17

Diese Geschichte wird dir präsentiert von der Mobiliar

An einem schönen, heissen Sommertag ist es endlich soweit: Der Postbote klingelt an der Türe meiner Dachwohnung und bringt mir ein lang ersehntes Paket. Inhalt: eine sehr rare Scheibe schwarzen Goldes. Interpret: Mala. Titel: Alicia. Ein seltener Klassiker aus dem Jahr 2007. Der breiten Masse müsste das Original von Alicia Keys aus 2003 oder aber die aktuellste Neuinterpretation von Mall Grab mit dem Titel "Can't" bekannt sein.

Ich versuche mich daran zu erinnern, wie lange ich auf der Suche nach diesem Schmuckstück war und wie lange ich sparen musste, um mir das Teil zu gönnen. Etwas über hundert Franken blätterte ich bei Discogs, eine Art Ebay für Musikliebhaber, hin. Ich packe das Vinyl aus und lege die Platte gleich auf den Plattenspieler. Beim Probehören bin ich vollends happy mit meinem Kauf und sehe mich in Gedanken bereits die Scheibe an meiner Party im Berner Dachstock spielen, die wenige Tage später stattfindet.

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Aufgemuntert und in bester Laune packe ich nach einigen Tracks auf Repeat meinen Aarebag – ich will ja schliesslich nicht den ganzen Sommertag in der dunklen Kammer verbringen – und begebe mich Richtung kühlendes Nass. Nach einigen Aare-Sprüngen mit Freunden wieder zuhause angekommen, bemerke ich mein dümmliches Versehen: Ich liess die Scheibe direkt unter dem geöffneten Dachfenster liegen. Durch die Hitze der Sonneneinstrahlung hat sich die Scheibe völlig verwellt und ist unspielbar geworden. Ich bin verzweifelt und den Tränen nahe.

Nach einem Moment der völligen Ratlosigkeit ergreife ich Gegenmassnahmen: mit dem Bügeleisen versuche ich, die Platte zu glätten. Mein Rettungsversuch bleibt erfolglos, da man die minimale Begradigung durchs Bügeleisen nicht zählen kann. Zu guter Letzt versuche ich die Platte mit einem Backstein zu beschweren – stelle etwas später aber fest, dass das Handtuch, das ich zwischen Platte, Bügeleisen und Backstein gelegt habe, zu dünn ist. Ergebnis: Die Struktur des Backsteins sind nun auf der Scheibe zu erkennen – meine Rettungsversuche ruinierten das Baby also komplett.

Um nicht ein zweites Mal eine solch traumatische Erfahrung zu erleben, hänge ich mir die Platte als Mahnmal an meine Zimmerwand. Doch der Schmerz beim Vorbeigehen ist auch nach Wochen noch so gross, dass ich die Platte einige Zeit später abhänge und in den Keller verbanne, wo sie bis heute ein tristes Dasein fristet.

Auch wenn die Geschichte mittlerweile nicht mehr brandaktuell ist, schmerzt der Gedanke an den Verlust nach wie vor. Dass sich der Wert der Scheibe in der Zwischenzeit sogar verdoppelt hat, tut dem Schmerz logischerweise auch keinen Abbruch.

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