Heulsuse der Woche

Heulsuse der Woche: Wolfgang Bosbach vs. AfD

Wolfgang Bosbach gibt mitten in einer Talkshow-Diskussion einfach auf und die AfD ärgert sich, dass sie gar nicht erst eingeladen wird.
14 Juli 2017, 12:49pm
Collage bestehend aus: Demonstration: Imago | IPON; Bosbach: WDR | Melanie Grande

Diese Woche haben wir uns wieder über Menschen gewundert und schicken den altgedienten CDU-Innenpolitiker gegen die AfD in den Ring. Politisch wollen sie nichts miteinander zu tun haben. Doch in ihrer Weinerlichkeit sind sie einander näher, als ihnen lieb sein kann.

Heulsuse #1: Wolfgang Bosbach

Wolfgang Bosbach im Moment seines Abgangs | Foto: WDR | Melanie Grande

Der Vorfall: Bei Sandra Maischberger kamen am Mittwoch unter anderem der CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach und die linke Aktivistin Jutta Ditfurth zusammen, um ihre Einsichten zur Gewalteskalation während des G20-Gipfels mit dem einfachen Volk zu teilen. Es wurde diskutiert, zwischendurch auch mal unsachlich – wie das in Talkshows eben so ist.

Die angemessene Reaktion: Jutta Ditfurth erstmal labern lassen – denn wer laut wird, zeigt selbst am besten, dass ihm die Argumente ausgehen. Währenddessen sich neu sammeln und mit knallharten, unwiderlegbaren Gegenargumenten kontern. Anschließend Siegerlächeln aufsetzen und auf den Abspann warten. The End.

Die tatsächliche Reaktion: Spätestens ab der Hälfte der Sendung ist Bosbach sein Unbehagen anzusehen. Es wirkt so, als würde er jetzt gerne mal Ton-Steine-Scherben-Style mit einer Axt einen Tisch zertrümmern. Leider gibt es bei Maischberger keinen Tisch. Schließlich sieht Bosbach nur noch einen Ausweg. "Frau Ditfurth ist persönlich, vom Verhalten und von ihrer – in Anführungszeichen – Argumentation unerträglich. Das muss ich nicht mitmachen", sagt Bosbach. Dann federt er aus seinem Sessel und läuft aus dem Bild. Ziemlich bemerkenswert für einen, der seit 1994 für die CDU im Bundestag sitzt und 2015 mit elf Auftritten so oft wie kein anderer Politiker in Talkshows saß. Selbst nach einer Krebs-OP und mit Herzschrittmacher setzt er sich da noch rein. Dieser Mann ist ein Profi! Doch anstatt sich der Diskussion zu stellen, geht er einfach und überlässt seiner Gegenspielerin die Bühne. Bosbach hätte sich auch gleich "Ich gebe auf" in die Brust ritzen können, stattdessen wurde sein Abgang unter dem Hashtag #BosbachLeavingThings – in Anführungszeichen – nur zum unterhaltsamsten Meme der Woche:

Heulsuse #2: Die AfD

Der Vorfall: Die AfD findet, sie werde zu selten in die Talkrunden der öffentlich-rechtlichen TV-Sender eingeladen.

Die angemessene Reaktion: Selbstreflektion. Wenn du nie auf Partys eingeladen wirst, solltest du dich fragen, ob das was mit dir zu tun haben könnte. Vielleicht würde es also helfen, wenn die AfD nach außen hin nicht zerstritten, sondern als Einheit aufträte. Und wir sind keine Hellseher, aber vielleicht würde es sogar noch mehr helfen, in Zukunft einfach mal das mit den menschenverachtenden Äußerungen zu lassen.

Die tatsächliche Reaktion: Der AfD-Parteivorsitzende Jörg Meuthen verschränkt die Arme, ruft laut "ich will aber!" und stampft auf den Boden. Zumindest fast. Aber in einem Interview mit dem Focus sagte Meuthen, die AfD überlege gerade, sich in Talkshows einzuklagen. Rechtlich sei das möglich. Dass keiner die AfD mitspielen lassen möchte, habe die Partei dank einer internen Auswertung bemerkt. Diese habe ergeben, dass in den Talkshows von Frank Plasberg, Maybrit Illner, Sandra Maischberger und Anne Will im ersten Halbjahr 2017 von 162 eingeladenen Politikern nur vier AfD-Vertreter gewesen seien. Die WDR-Sprecherin Kristina Bausch entgegnete dem, bei der Auswahl der Gäste gehe es rein um "journalistische Kriterien". Meuthen und seine Partei müssten es also einfach nur mal schaffen, ein paar Inhalte parat zu haben, anstatt nur besonders laut zu sein.

Es kann nur eine Heulsuse der Woche geben. Also: Abstimmen!*

*Wenn du hier keine Abstimmung siehst, könnte das an deinem Adblocker liegen.

Folge VICE auf Facebook, Instagram und Snapchat.