Dieser Chemiker hat aus Versehen ein neues Blaupigment entwickelt
Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung der Oregon State University
Wissenschaft

Dieser Chemiker hat aus Versehen ein neues Blaupigment entwickelt

Aus dem Weg, Kobaltblau und Ultramarin—YInMn ist genauso leuchtend und um einiges haltbarer, als alle bisherigen blauen Farbpigmente.
12.7.16

Schon seit der Antike sind künstliche hergestellte Blautöne sehr gefragt, doch die Ergebnisse fielen im Laufe der Geschichte sehr unterschiedlich aus. Das neueste Blaupigment YInMn (es trägt diesen Namen, weil es aus Yttrium, Indium und Mangan besteht) wurde im Jahr 2009 rein zufällig von einem Chemiker-Team um Mas Subramanian von der Oregon State University zusammengebraut. Eigentlich hatten die Forscher Experimente durchgeführt, um die elektronischen Eigenschaften von Manganoxid zu untersuchen, doch was herauskam, war ein völlig neues Farbpigment.

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Die Wissenschaftler erhielten die Verbindung, indem sie Manganoxid mit den anderen Chemikalien mischten und sie auf 1.093 Grad Celsius erhitzten. „Unsere Arbeit hatte nichts mit der Suche nach einem Pigment zu tun“, sagte Subramanian, der an der OSU Werkstoffwissenschaften lehrt. „Eines Tages war einer der Doktoranden dabei, Proben aus einem sehr heißen Ofen zu holen. Ich lief gerade an ihm vorbei und sah, dass sie eine blaue Farbe angenommen hatten, und zwar eine sehr schöne blaue Farbe“, berichtete der Chemiker. „Mir war sofort klar, dass hier etwas Großartiges passiert war.“

Seit der ersten Entdeckung wurde das Pigment zahlreichen Tests unterzogen, und die fast wundersamen Ergebnisse haben dazu geführt, dass es von der Universität als „nahezu-perfekt“ bezeichnet wird. Perfektion wird in diesem Fall nach den folgenden zwei Kriterien bewertet: Haltbarkeit und Sicherheit. Kobaltblau kann karzinogen sein, und Berliner Blau kann Cyanid freisetzen. YInMn hingegen kann sicher hergestellt werden, ist umweltfreundlich und haltbarer als Ultramarin. Es bleibt selbst bei hohen Temperaturen stabil und verblasst auch nach einer Woche im Säurebad nicht.

Und eben diese wünschenswerten Eigenschaften haben auch schnell für Anfragen von Künstlern und Restauratoren gesorgt. Bisher hat Subramanian einigen lokalen Künstlern Proben seines Pigments zukommen lassen, doch schon bald wird es vielen mehr zur Verfügung stehen. Die Shepherd Color Company hat das Lizenzrecht für das Pigment erworben und plant, es nach weiteren Tests einer breiten Masse zugänglich zu machen. Die Farbe könnte auch für neue, energieffiziente Außenanstriche verwendet werden, da sie mit ihren starken Reflexionseigenschaften beim Kühlen von Gebäuden helfen könnte. Und mit der Aufnahme des Pigments in die Farbpigmentesammlung von Harvard wurde seine historische Bedeutung nun wohl endgültig bestätigt.

Zwar war es pures Glück, dass das Pigment entdeckt wurde, und doch war es auch Subramanians Herangehensweise an Experimente, die sichergestellt hat, dass solch eine Entdeckung nicht unbemerkt bleibt. „Zufällige Entdeckungen kommen nicht sehr häufig vor. Und wenn dann doch etwas passiert, übersehen wir es oft. Wie Louis Pasteur einst sagte: ‚Bei der wissenschaftlichen Beobachtung trifft der Zufall nur einen vorbereiteten Geist‘“, erinnerte uns der Professor. „Erwarte also immer das Unerwartete!“

Hier erfahrt ihr mehr über die Forschungsgruppe um Subramanian.