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Anonymous erklärt Trump den „totalen Krieg“

Jetzt schalten sich auch Anons in den US-Präsidentschaftswahlkampf ein. Doch nicht alle Anonymous-Hacker sehen die Kampagne positiv.

von Motherboard Staff
16 März 2016, 10:30am

Anonymous-Aktivisten wollen sich jetzt auch in den US-Präsidentschaftswahlkampf einschalten, in dem sich weltweit immer mehr Stimmen entsetzt über Donald Trump äußern. Dazu haben sie bekannt gegeben, jetzt einen „totalen Krieg" gegen Trump führen zu wollen.

In einem Video, in dem die harschen Worte einer Anonymous-Computerstimme mit einem sanften Piano-Streichersong untermalt werden, ruft ein Anon alle „Hacktivisten, Freiheitskämpfer und jeden mit einem Computer dazu auf", sich ihrem Kampf anzuschließen.

Das Ziel der #OpTrump-Kampagne ist nichts weniger, als die Präsidentschaftskanditatur von Donald Trump „auseinanderzunehmen". Als wichtigsten Stichtag für ihre Aktion haben die Hacker den 1. April ausgemacht. Dann wollen die Anons verschiedene Websites wie Trumps Wahlkampf-Infopage oder auch die Seite der Trump Towers abschalten. Die Hacktivisten veröffentlichten in einem Dokument auf Ghostbin außerdem sensible Daten, die angeblich zu Trump gehören, wie seine Sozialversichrungsnummer und Handynummer.

Die Hacker rufen des Weiteren dazu auf, Informationen über Trump zu zu leaken, die er lieber geheim halten wolle. Bereits Anfang März fiel Anonymous mit einem Hacker-Angriff auf: Damals erklärten Anons, sich in Trumps Mailbox gehackt zu haben, und veröffentlichten einige Sprachnachrichten auf seinem Anrufbeantworter. Tatsächlichen politischen Sprengstoff oder gar Geheimnisse barg der angebliche Leak, den Medien nicht verifizieren konnten, allerdings nicht.

Nicht alle Anonymous-Aktivisten unterstützen die Kampagne, die schon im Dezember gestartet wurde, aber erst jetzt größere Aufmerksamkeit erfährt. So tweetete einer der reichweitenstärksten Anonymous-Kanäle sogar eine vehemente Absage an #OpTrump und bezeichnete die Idee eines „Kriegs gegen Trump" als „dumm".

Andere Anons, die schon länger gegen wenig effektive, aber aufmerksamkeitsheischende Anon-Kampagnen kämpfen, twitterten einen Artikel, der die Folgen von #OpTrump kritisch beleuchtete. Der bei The Next Web erschienene Text kommentierte, dass die Aktion nicht nur für Trumps Kampagne folgenlos bleiben dürfte, sondern sogar kontraproduktiv sein könne. Die Kampagne könne im Angesicht aktueller netzpolitischer Debatten wie der laufenden Apple vs. FBI-Diskussion nach hinten los gehen, da sie einen Angriffspunkt für konservative Kritiker digitaler Redefreiheit darstellen könnten. Ihnen dürfte es leicht fallen, auf die Aktivisten mit den Masken zu zeigen, wenn sie gegen digitale Anonymität und für mehr Entschlüsselung und Überwachung von Online-Kommunikation plädieren.

Schon früher gab es bei Anonymous Ärger wegen populistischer Kampagnen

Die Message der kritischen Anons ist klar: Die Aktion schadet jenen Themen, die traditionell zur Kernkompetenz von Anon gehörten, wie Verschlüsselung, informationelle Selbstbestimmung und Netzpolitik. So zeigt der Fall auch einmal mehr, wie wenig einheitlich die Anonymous-Bewegung ist.

Den Köpfen hinter #OpTrump geht es um etwas anderes. Sie kämpfen mit ihren mehr oder minder scharfen digitalen Waffen gegen Trump, den sie für seine rassistischen Äußerungen gegen Muslime und mexikanische Einwanderer kritisieren. Trump stünde in Wirklichkeit für „nichts außer seine Gier." Politisch sehen sie in ihm jemanden, der nichts außer populistischen Forderungen und Aktionen propagiere.