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Epischer Beef im Deutschrap – Der letzte Kommentar aller Zeiten

Eine Daily Soap über Verrat, Geld und Loyalität, in der Musik schon fast die Nebenrolle spielt – die aber oft Geschichten schreibt, die unterhaltsamer sind als ein Haufen Charts-Alben.
27.4.17

Illustration: Young Lychee | Fotos: Imago

"Was ist Beef?", fragte Biggie 1997 – in einer Zeit, als viele Deutschrapfans noch nicht geboren waren, aber mit ihrem Musikgeschmack hängengeblieben sind. Heute ist Beef im Rap-Game nach wie vor ein regelmäßiger Gast, auch wenn der öffentlich ausgetragene Clinch zwischen verfeindeten Künstlern, Großfamilien oder mit Postfilialen mittlerweile fast schon zum Deutschrap-Volkssport geworden ist, dessen Spieltage zufällig in die Nähe von Albumreleasedates fallen. Ersguterjunge und Banger Musik / Kollegah zicken sich jedenfalls pünktlich zur Promophase von Bushidos Black Friday und Kollegahs Legacy-Box an. Alpa Guns Sticheleien gegen die 187 Strassenbande letztes Jahr waren vielleicht eher geht so erfolgreich, haben aber gezeigt, dass selbst seit Jahren nicht mehr ganz so doll relevante Musiker durch das Beleidigen ihrer Konkurrenz Medienaufmerksamkeit bekommen. Das heißt nicht, dass Beef nur aus Promo-Gründen ausgetragen wird. Die Klickzahlen prominenter Disstracks, epischer "Klartext"-Interviews oder kontroverser Berlin V-Logs sprechen auch für sich.

Gibt es gerade einmal wieder Beef zwischen prominenten Rappern, ist das für uns als Publikum vor allem eine Gelegenheit, hinter die Kulissen schauen zu dürfen. Wer ist wie drauf? Wer hängt wirklich mit wem? Wer hat einen Busfahrerbauch? Beef macht die sonst so fernen Protagonisten nahbar und real, bringt intern bekannte, der Außenwelt aber gänzlich unzugängliche Geschichten ans Tageslicht. Und genau das lieben wir eben. Nicht nur wir Rapfans, sondern auch Fußball-Nerds, Leute, die Formel 1 schauen oder Cineasten lieben schmutzigen Gossip über die Prominenz und eine gute, klassische Rivalität. Es ist so alt wie die Menschheit selber. Am Brunnen erzählte man sich von den Fehden verfeindeter Clans oder Gerüchte über das dekadente Leben der Adeligen. Und als Julius Caesar durch seinen Adoptivsohn Brutus verraten und ermordet wurde, zerriss man sich in Rom sicher auch wochenlang das Maul. Die heutige Liebe zum Klatsch lässt sich also nicht einfach durch Medienkonsum erklären, es ist wohl eine Sache unserer Spezies.

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